12.09.2007 | Redakteur:
Die europäische Autoindustrie will die EU-Klimaziele nicht alleine schultern. Auf der IAA forderte der Herstellerverband Acea unter anderem zusätzliche Maßnahmen in der Verkehrspolitik, um Staus zu verringern, mehr Biokraftstoffe sowie Steuern, die europaweit umweltfreundlichere Autos fördern. Nur bei diesem "integrierten Ansatz" unterstütze man das Ziel der EU-Kommission, den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid bis zum Jahr 2012 im Durchschnitt auf 120 Gramm pro gefahrenen Kilometer zu reduzieren, sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne im Namen der Acea am Mittwoch in Frankfurt. Auch die Verbraucher müssten zu sparsamerem Fahren animiert werden.
Damit bleiben die Gräben zwischen der EU-Kommission und den Herstellern unverändert tief. Marchionne bekräftigte, dass es für die Industrie nicht in Frage komme, den CO2-Ausstoß allein durch die Motortechnik bis auf 130 Gramm pro Kilometer zu reduzieren. Man bleibe dabei, dass dies nicht machbar sei. Der Fiat-Chef nannte auch auf Nachfrage keine exakten Zielwerte, die die Autoindustrie ihrerseits erreichen wolle. Allerdings sei unumstritten, dass der Großteil der CO2-Einsparungen von den Hersteller erzielt werde.
Industrie für Parameter-basierten Ansatz
Marchionne nahm nicht dazu Stellung, ob die Hersteller eine Staffelung nach Fahrzeugklassen mit höheren Absatz-Grenzwerten für größere Autos fordern. Es sei noch zu früh darüber zu sprechen. Man setze sich allerdings für einen "Parameter-basierten" Ansatz ein. Es gebe auch keine Differenzen zwischen Autobauern in Süd- und Nordeuropa. Zuletzt hatten sich vor allem deutsche Premium-Hersteller wie Mercedes, BMW oder Porsche gegen pauschale Grenzwerte für den Flottenverbrauch ausgesprochen.
EU-Umweltkommissar Stavros Dimas hatte am Wochenende mit Sanktionen gegen Hersteller gedroht, die gesetzlich festgeschriebene Zielwerte verfehlen. Allerdings ist noch völlig offen, wie genau das 120-Gramm- Ziel am Ende umgesetzt wird. Marchionne betonte, man wolle darüber weiter mit der Kommission reden. Da die Gesetzgebung möglicherweise erst zum Jahr 2010 stehen wird, fehle den Herstellern die Planungssicherheit, bemängelte Marchionne. Ohne es direkt zu verlangen deutete er an, dass die Industrie einen längeren Zeitrahmen, zum Beispiel bis zum Jahr 2015, vorziehen könnte.
CO2-Ausstoß weiter über Selbstverpflichtung
An der Pressekonferenz nahmen unter anderem Daimler-Chef Dieter Zetsche, BMW-Chef Norbert Reithofer, Renault-Chef Carlos Ghosn und PSA-Peugeot-Citroen-Chef Christian Streiff teil. Sie überließen aber fast ausschließlich Marchionne das Wort.
Die europäische Autoindustrie hatte ursprünglich eine Selbstverpflichtung abgegeben, zum Jahr 2008 den CO2-Ausstoß im Flottendurchschnitt bis auf 140 Gramm pro Kilometer zu senken. Er liegt derzeit aber trotz deutlicher Rückgänge immer noch über 160 Gramm.
Tiefensee stützt Position der deutschen Autoindustrie
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) schloss sich der Position der deutschen Autoindustrie an. Das Limit für Autos der Oberklasse müsse höher ausfallen als für Kleinfahrzeuge, sagte er der "Frankfurter Rundschau". "Ein Einheitsgrenzwert wäre genauso unsinnig wie die Forderung, ein Einfamilienhaus auf den Energieverbrauch einer Ein-Zimmer-Wohnung zu bringen." Zugleich müsse die Politik "auch sanktionieren können, wenn die Verpflichtungen durch die Industrie nicht eingehalten werden".
EU-Industriekommissar Günter Verheugen versuchte, die Wogen zu glätten. "Wir werden eine faire Lösung finden, die die Belastung auf alle Hersteller gerecht verteilt", versprach er in der "Süddeutschen Zeitung". Auch er sprach von einem "integrierten Ansatz", mit dem Ziel von 120 Gramm "technisch betrachtet" zu erreichen sei.
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 0) | Fotos: Archiv
Kommentar zum Beitrag schreiben