01.03.2010 | Autor: Christoph Baeuchle
Das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe hat im vergangenen Jahr Umsatz und Rendite gesteigert. Dank Umweltprämie sei der Umsatz um 3,7 Prozent auf 134,4 Milliarden Euro gestiegen, teilte der ZDK auf seiner Frühjahrspressekonferenz am Montag in Düsseldorf mit. Dazu hat vor allem der Neuwagenhandel mit einem Umsatzplus von 11,5 Prozent auf 59,6 Milliarden Euro beigetragen.
Zugleich konnten die Händler ihre Rendite steigern. „Im Jahr der Umweltprämie ist auch wieder mehr Geld in den Kassen des Autohandels und der Werkstätten geblieben“, so ZDK-Präsident Robert Rademacher. „Die Durchschnittsrendite stieg auf den vorläufigen Wert von über einem Prozent.“ Für 2008 hatte der Verband eine negative Rendite vermeldet.
Auch das Gebrauchtwagengeschäft im fabrikatsgebundenen Autohandel wuchs um 5,6 Prozent auf 30,5 Milliarden Euro. Das Servicegeschäft in den Kfz-Meisterbetrieben lag mit 28,1 Milliarden Euro in 2009 leicht um 0,3 Prozent über dem Vorjahr. Die Auslastung der Werkstätten hatte sich 2009 gegenüber dem Vorjahr um 2,5 Prozent verbessert.
„Entgegen aller Unkenrufe gab es trotz Umweltprämie keinen Einbruch im Servicegeschäft“, sagte Wilhelm Hülsdonk, ZDK-Vizepräsident und Bundesinnungsmeister. Im Gegenteil: „Die Auslastung der Werkstätten hat sich 2009 gegenüber dem Vorjahr sogar um 2,5 Prozent verbessert.“ Viele Käufer, die die Umweltprämie in Anspruch genommen haben, ließen entsprechend ihr Fahrzeug nicht in den Werkstätten warten. Derzeit liege das Servicepotenzial bei 50,2 Millionen Fahrzeuge, umgerechnet auf die Betriebe wäre dies laut Hülsdonk 1.300 Fahrzeuge pro Kfz-Betrieb.
Rademacher verwies allerdings bei Vorlage der Zahlen, dass es sich das vergangene Jahr durch die Umweltprämie zu einem Ausnahmejahr entwickelt hat. Nun muss sich die Branche wieder auf einen „Normalmarkt“ einstellen. Für 2010 rechnet der Verband mit 2,7 bis 2,8 Millionen Pkw-Neuzulassungen.
Die Gewinner des „Jahres der Umweltprämie“ waren bekanntlich kleinere Modelle. Da verwundert es wenig, dass der durchschnittliche Neuwagenpreis um 13,4 Prozent auf 22.520 Euro zurückging. Der durchschnittliche Gebrauchtwagenpreis gab um 100 Euro auf 8.590 Euro nach.
Trotz Ausnahmejahr geht der Strukturwandel weiter: Ende vergangenen Jahres zählte die Branche bundesweit 38.300 Kfz-Meisterbetriebe, davon waren 18.250 fabrikatsgebundene Betriebe und 20.050 freie Werkstätten. Damit lag die Gesamtzahl der Betriebe um zwei Prozent beziehungsweise 800 unter dem Vorjahr. „Der Löwenanteil dieses Rückgangs betrifft die fabrikatsgebundenen Betriebe mit 650 Einheiten“, so Rademacher.
Dieser Trend setzt sich nach Ansicht des ZDK fort: Der Verband rechnet, dass sich die Zahl der fabrikatsgebundenen Betriebsstätten von derzeit 18.250 in den nächsten acht bis zehn Jahren etwa 15.000 bis 16.000 Betrieben reduziert. Um deren Überleben zu sichern, sei das bereits angekündigte neue Geschäftsmodell notwendig. „Wir werden in Kürze die Grundlagen für das neue Geschäftsmodell vorstellen“, kündigte Rademacher an.
Belastend für die Betriebe wirken die Rabatte, die Rademacher scharf kritisierte. „Bei zweistelligen Nachlässen wird im Handel nur noch Geld gewechselt, es sei denn, die Hersteller beteiligen sich mit Abverkaufshilfen, etwa bei Auslaufmodellen“, sagte Rademacher. Er forderte die Rückkehr auf ein „betriebswirtschaftlich gesundes Niveau“.
Zudem forderte Rademacher die Hersteller auf, sich stärker am Restwertrisiko zu beteiligen. „Hier muss dringend etwas geschehen, und bei einigen Herstellern hat sich schon etwas bewegt“, so Rademacher. Denn nur in Deutschland werde das Restwertrisiko den Händlern aufgebürdet, in anderen europäischen Märkten und in den USA trügen es die Hersteller. „Als Verband setzen wir uns nachdrücklich für entsprechende Lösungen mit den Herstellern und Importeuren ein“, betonte er.
Rademacher warnte auch vor den Pläne der EU-Wettbewerbskommission: Der ZDK begrüße die Verlängerung der aktuellen Regelungen im Neuwagenbereich um drei Jahre. Ebenfalls positiv sei zu bewerten, dass im Bereich Service und Ersatzteile grundsätzlich das heutige System beibehalten werden solle. Problematisch sieht Rademacher die geplante Einführung der Vertikal-GVO ab Juni 2013 im Neuwagenhandel.
„Dies führt zu einer Schwächung der Position des Handels, da Hersteller und Importeure den Mehrmarkenvertrieb einschränken, eine Bezugspflicht für Neuwagen ihrer Marke von bis zu 80 Prozent des Gesamtbezugs vorsehen und die so genannte Niederlassungsfreiheit aufheben könnten“, wandte er sich gegen die Vorgaben aus Brüssel. Zudem kritisierte Rademacher den Wegfall der Händlerschutzbestimmungen. Er forderte erneut, die aktuellen Regelungen beizubehalten.
Von der Berliner Regierung forderte er eine käuferfreundlichere Besteuerung der Dienstwagen – für Neu- und Gebrauchtwagen – und er die Einführung des Wechselkennzeichens. Die Nachbarländer hätten positive Erfahrungen gemacht, „auch die Europäische Union und der Bundesverkehrsminister stehen ihm positiv gegenüber“, so Rademacher.
Durch die Einführung von Wechselkennzeichen könnte bei vielen Autofahrern ein Anreiz geschaffen werden, sich etwa für Stadtfahrten und Kurzstrecken ein zusätzliches kleines und sparsames Fahrzeug anzuschaffen. Davon profitiere nicht zuletzt auch die Umwelt. Das Bayerische Kfz-Gewerbe hatte zuvor bereits die Einführung des Wechselkennzeichens gefordert.
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