13.04.2010 | Redakteur: Andreas Grimm

Die ostdeutschen Landesverbände des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes sind optimistisch in das Jahr gestartet. „Es geht uns besser als vorhergesagt“, bilanzierte Wolfgang Seifert, Präsident des Landesverbandes (LV) Sachsen, beim Pressegespräch auf der Amitec in Leipzig, das erste Quartal.
Seifert warnte davor, das Jahr 2009 zum Maßstab zu nehmen. „Wir müssen vielmehr 2008 zum Maßstab nehmen und daran anknüpfen.“ Im Vergleich dazu sei das Servicegeschäft stabil und der Neuwagenverkauf im Plus. Probleme bereitet dem Kfz-Gewerbe im Osten allerdings noch das Gebrauchtwagen- und Nutzfahrzeuggeschäft. Das Messetrio AMI, Amitec und Amicom könne in dieser Situation deutliche Impulse für die Branche geben.
Insgesamt hätten die Betriebe die Effekte der Umweltprämie des Vorjahres genutzt und investiert, ergänzte Rainer Schlorf, Präsident in Mecklenburg-Vorpommern. Die Insolvenzfälle seien, etwa in Sachsen, in der Folge zurückgegangen, die Zahl der Neuzulassungen im Osten um 42 Prozent gestiegen. Dagegen seien die befürchteten Effekte auf den Servicemarkt ausgeblieben. „Die 2009 verschrotteten Fahrzeuge haben wir zuletzt kaum noch in den Werkstätten gesehen“, erläuterte Seifert.
Trotz der Stabilisierung des Kfz-Gewerbes wies Seifert auf den fortlaufenden Strukturwandel hin. In dieser Phase sieht Jürgen Brinkmann, Präsident des LV Sachsen-Anhalt, die Ostbetriebe sogar im Vorteil. Sie seien „kampferprobt nach langer Durststrecke“. Wegen ihrer tendenziell kleineren Beriebsgrößen könnten sie in der Krise und im Wandel flexibler reagieren als Autohausgruppen mit ihren komplexen Strukturen. Derzeit vertreten die fünf Landesverbände im Osten rund 5.000 Betriebe, die Mitglied der Innungen sind und 50.000 Beschäftigte haben.
Speziell im Osten sei allerdings bei Neugründungen ein Trend zu kleinen und Kleinstbetrieben festzustellen, die nur noch ein bis drei Beschäftigte und eine geringe Ausbildungsbereitschaft hätten, sagte Seifert. Letzteres ist allerdings allgemein ein Problem der Ostverbände. Einerseits fehle es den Auszubildenden an Qualifikationen, andererseits seien auch die Betriebe und die Berufsschulen gefordert, verdeutlichte Schlorf: Die Werkstätten müssten ihre Auszubildenden möglichst schnell an die moderne Technik heranführen. Andererseits müssten sich auch die Berufsschulen verstärkt weiterbilden. „Fakt ist, wir brauchen Top-Leute in den Firmen.“
In diesem Zusammenhang äußerte Hans-Jürgen Vogel, Präsident des LV Thüringen, Unverständnis an der vom TÜV Süd erhobenen Kritik, die Betriebe des Kfz-Gewerbes seien wenig weiterbildungswillig. Diesen Vorwurf hatte die Sachverständigenorganisation aus einer Studie speziell am Beispiel der E-Fahrzeuge abgeleitet. „Wir sind vielfältig gezwungen, am Ball zu bleiben, um am Markt zu bestehen“, konterte Vogel.
Für das Recht zur Abgasuntersuchung, zur Erfüllung von Standards, für die Auszahlung von Boni durch den Hersteller oder Importeur, für die Wartung von Klima- und Gasanlagen oder Airbags seien regelmäßige Schulungen und Zertifizierungen nötig. „Um allen gesetzlichen Vorschriften gerecht zu werden, ist Weiterbildung lebensnotwendig“, sagte Vogel.
Das Problem der Umweltzonen lag dem Präsidenten von Berlin-Brandenburg, Hans-Peter Lange, besonders am Herzen. In Berlin steht 2011 die Einführung einer weiteren Umweltzone an, von der allein 1,3 Millionen Berliner betroffen sind. Im Sinne des Umweltschutzes sei deren Einführung zu begrüßen, so Lange. Im Sinne der Gleichberechtigung forderte er allerdings die Politik auf, dass die Förderung des nachträglichen Einbaus von Filtersystemen bald verbindlich festgeschrieben werde.
Insbesondere sei es notwendig, dass die Förderung auf die gewerblich genutzten Nutzfahreuge und Transporter ausgedehnt werde, die von den Umweltzonen stark eingeschränkt seien. Generell sei für den Osten festzuhalten, dass das Nachrüstpotenzial noch zu wenig abgerufen worden sei, schloss Lange.
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