Will Volkswagen doch ATU kaufen?

Filialen könnten den Stop+Go-Ausbau beschleunigen

08.10.2008 | Autor: Andreas Grimm/Norbert Rubbel

Der Volkswagenkonzern ist Branchengerüchten zufolge an einer Übernahme der angeschlagenen Werkstattkette ATU interessiert. Ein Zusammengehen könnte den von Volkswagen angestrebten Ausbau des konzerneigenen Werkstattsystems Stop+Go deutlich beschleunigen. Beide Unternehmen haben die Gerüchte dementiert.

Auf der Branchentagung Automobilwirtschaft in Dresden in der vergangenen Woche hatten mehrere Brancheninsider von ernst zu nehmenden Überlegungen einer Übernahme der Werkstattkette durch den Hersteller berichtet. Die am ATU-Stammsitz Weiden erscheinende Tageszeitung „Der neue Tag“ hatte ebenfalls erst kürzlich vom Interesse des Volkswagen-Konzerns berichtet. Auch aus der Händlerschaft gibt es Stimmen, die einen derartigen Schritt befürchten.

ATU in wirtschaftlicher Schieflage

Für einen Einstieg von Volkswagen würden die Pläne der Wolfsburger sprechen, das Stop+Go-Konzept nach langer Vorlaufzeit nun zügig im Markt zu positionieren, heißt es aus den Kreisen. Hinzu kommen die fortgesetzten wirtschaftlichen Schwierigkeiten von ATU, die zuletzt eine Kapitalspritze seitens des Investors KKR nötig gemacht hatten. Für den Kapitalgeber könnte ein Interesse von VW an ATU durchaus gelegen kommen.

Schließlich sprechen auch personelle Verbindungen für einen Zusammenschluss. Der derzeitige ATU-Chef Dr. Michael Kern war bis zu seinem Amtsantritt Markenvorstand bei Volkswagen Pkw und verantwortete die Bereiche Vertrieb, Marketing und Aftersales.

Aus eingeweihten ATU-Kreisen werden derartige überlegungen dementiert. „Wir befinden uns in keinem Verkaufsprozess“, zumindest sei über Verkaufsgespräche bisher nicht informiert worden. Man wisse allerdings nicht, „was unser Gesellschafter vorhat“, heißt es. „Nach unserem Kenntnisstand gibt es für derartige Meldungen keine Grundlage“, heißt es zudem offiziell aus der ATU-Zentrale.

VW dementiert - Probleme mit den Händlern

Generell sei angesichts der angespannten Lage auf den Finanzmärkten der Zeitpunkt für einen Verkauf schlecht, der Investor KKR zudem noch nicht lange genug an ATU beteiligt, um seine wirtschaftlichen Ziele erreicht zu haben. Aus VW-Sicht sei ein Einstieg unwahrscheinlich, der Konzern würde es sich „mit seiner Händlerschaft verscherzen“.

Auch in Wolfsburg will man von derartigen Überlegungen nichts wissen. „An den Gerüchten ist nichts dran. Es gab diese Mutmaßungen schon vor ein paar Jahren, aber sie sind unverändert falsch“, sagte Christina Peternek, Sprecherin für den Bereich Marketing und Vertrieb bei VW. Richtig und auch bekannt sei, dass der Konzern Stop+Go ausbauen und neue Filialen gründen wolle. Das Wachstum des Werkstattsystems habe aber nichts mit ATU zu tun.


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