21.10.2008 | Autor: Jan Rosenow
Wird Deutschland zum Motorrollerland? Die Verkaufszahlen jedenfalls steigen seit Jahren gegenläufig zum Motorradmarkt. Das gilt vor allem für Kraftroller über 125 cm³. Aber auch das 50-cm³-Segment spielt eine wichtige Rolle am Markt, weil man für ein solches Fahrzeug keinen Motorradführerschein braucht. Im Jahr 2007 fanden nach Angaben des Industrieverbands Motorrad (IVM) rund 140.000 50-cm³-Roller einen Käufer. Genaue Angaben sind schwierig, da es mangels Zulassungspflicht keine KBA-Zulassungszahlen gibt.
Immer mehr Autofahrer nutzen Roller anstelle eines Zweitwagens für das Pendeln zum Arbeitsplatz und andere Kurzstrecken. Dafür sind Zweiräder perfekt – sie verbrauchen weniger Kraftstoff, verursachen kaum Unterhaltskosten und finden leichter einen Parkplatz. Sollten sich Autohändler, um diese Kunden nicht zu verlieren, deshalb ins Rollergeschäft stürzen?
Viele Autohäuser tun sich schwer mir Motorrädern – selbst bei Marken, die beides anbieten wie BMW, Honda oder Suzuki. Sie befürchten, von Bikern nicht als vollwertige Motorradexperten angesehen werden. Auf der anderen Seite fühlen sich Zweiradfahrer oft in den Glaspalästen des Markenautohandels unwohl.
Eine neue Chance für Kfz-Betriebe, am Rollertrend teilzuhaben, bieten Elektroroller. Sie haben nicht nur die oben genannten Vorteile jedes Rollers, sondern bestechen dazu noch durch außerordentlich geringe Betriebs- und Festkosten. Der Anbieter E-Max etwa wirbt damit, dass beim derzeitigen Strompreis 100 Kilometer nur 50 Cent kosten!
Das Unternehmen mit Sitz in Oberhaching entwickelt seine Produkte in Deutschland; die Produktion erfolgt in China. Für den Vertrieb in Deutschland ist die SAP GmbH zuständig, eine Tochterfirma des renommierten Motor-radimporteurs MSA aus Weiden.
E-Max bietet in Deutschland zwei Modelle an, die auf 45 km/h begrenzt sind und deshalb mit Autoführerschein gefahren werden können. Der E-Max 90 S soll mit einer Batterieladung rund 50, der 110 S etwa 80 Kilometer weit fahren. Das Unternehmen hat derzeit zirka 50 Händler unter Vertrag; das Netz soll letztendlich 150 Partner umfassen. Interessierte Betriebe können sich bei der SAP GmbH bewerben.
Ein anderer Anbieter sucht sogar gezielt Autohändler als Vertriebspartner, vor allem aus dem Premiumsegment. Das amerikanische Unternehmen Vectrix stellt den derzeit stärksten und schnellsten E-Roller her (für den der Fahrer allerdings einen Motorradführerschein braucht). Design und Verarbeitung des in Polen gefertigten Fahrzeugs müssen den Vergleich mit den besten herkömmlichen Maschinen nicht scheuen – anders als viele noch recht unfertig wirkende China-Importe.
Geschäftsführerin von Vectrix Deutschland ist Isabel Löbl. Sie vertreibt den Maxi-Scooter bislang im Direktvertrieb; doch nun will sie verstärkt Vertriebspartner in den Metropolen unter Vertrag nehmen. „Dabei legen wir den Fokus auf Autohändler. Der Vectrix hat als Lifestyleprodukt durchaus Parallelen zu den Premium-Automarken.“
Auch preislich passt der Maxi-Scooter zu Audi, BMW und Co., liegt sein Einstandspreis doch knapp unter 10.000 Euro. Als typische Kunden sieht Isabel Löbl wohlhabende, technisch interessierte Menschen, die sich als Umweltvorreiter präsentieren wollen. Auch an Premiumkunden ohne Führerschein denkt das Unternehmen. Demnächst soll eine 45-km/h-Variante auf den Markt kommen.
E-Max und Vectrix sind nur zwei Namen aus der schnell wachsenden Liste von Elektroroller-Anbietern. Auch das österreichische Unternehmen IO Scooter hat bereits größere Stückzahlen verkauft – allein auf dem Heimatmarkt sollen es über 650 Einheiten sein. Inhaber Bernd Kraemmer sucht noch einen Generalimporteur und Vertriebspartner (50 bis 100 Betriebe) in Deutschland.
Auf dem deutschen Markt aktiv sind außerdem unter anderem die Lieferanten Elbike, Vespino, Escooter, Innoscooter und EVT. Für Vielfalt und Konkurrenzkampf ist also gesorgt. Interessierte Händler sollten ihren Lieferanten trotzdem mit Sorgfalt auswählen. Besitzt er eine Typgenehmigung für sein Produkt? Bietet er technische Unterstützung, Schulungen, Werksgarantie und Ersatzteile an?
Auch mit der Billigkonkurrenz durch Baumärkte oder Versandhändler muss sich der potenzielle E-Roller-Verkäufer auseinandersetzen. Über diese Vertriebskanäle kommt Containerware zum Kunden, die oftmals nur die Hälfte von dem kostet, was seriöse Anbieter für ihre Fahrzeuge verlangen (der E-Max 90 S kostet beispielsweise 2.995 Euro inklusive Nebenkosten und Mehrwertsteuer).
Auch muss er sich im Klaren sein, dass E-Roller kaum für Serviceumsatz sorgen. Die elektrische Antriebstechnik ist wartungsfrei, außer Bremsen und Reifen fällt nicht viel an. Die wirtschaftliche Seite des E-Roller-Vertriebs sollte der Händler also genau durchdenken – doch eines steht fest: mit Elektrorollern liegt er voll im Trend.
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