BYD plant Markteintritt in Europa

Gespräche mit Händlergruppen in Deutschland laufen bereits

02.03.2010 | Autor: Christoph Baeuchle

BYD legt mit dem e6 vor: Einen Markteintritt in Europa können sich die Chinesen ab Mitte 2011 vorstellen.

Der chinesischen Automobilhersteller BYD macht sich fit für den europäischen Markt. „Wir werden in der zweiten Jahreshälfte 2011 die ersten Fahrzeuge auf den europäischen Markt bringen“, kündigte Henry Li, General Manager der BYD Export Trade Division, auf dem Genfer Auto-Salon gegenüber »kfz-betrieb ONLINE« an. BYD, die Abkürzung für den Firmennahmen „Build Your Dreams“ will mit dem E-Auto e6 zu einem voraussichtlichen Einführungspreis von rund 30.000 Euro kommen.

Statt zu träumen scheinen die Chinesen in ihren Europaplänen durchaus realistisch zu sein. „Europa ist ein sehr schwieriger Markt“, so Li. „Wir wollen nicht nur liefern, sondern auch das halten, was wir versprechen.“ Damit scheint BYD Lehren aus den missglückten Versuchen anderer chinesischer Autobauer zu ziehen.

Beim Markteintritt in Europa will BYD mit Partnern zusammenarbeiten. Für die Märkte Italien und Schweiz bestehen bereits Verträge mit Importeuren. Die Alcopa-Gruppe führt die Fahrzeuge in die Alpenrepublik ein. Offen sind noch die Pläne für Deutschland. „Wir sind im Gespräch mit mehreren Händlergruppen“, erläutert Li.

Reichweite von 330 Kilometern

Vor allem mit dem Elektroauto e6, das BYD auf dem Genfer Salon präsentiert, nimmt der Autobauer eine Vorreiterrolle ein. Der 600-Kilogramm schwere Akku, eine Lithiumionen-Eisenphosphat-Batterie, hat nach Herstellerangaben eine Reichweite von maximal 330 Kilometern. Nach oben erreicht der e6 eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Stundenkilometer. Um aus dem Stand auf 100 Stundenkilometer zu kommen benötigt er 14 Sekunden.

Um die Akku zu laden, benötigt man rund zehn bis 20 Stunden zu Hause an der Steckdose. Allerdings geht es auch erheblich schneller: „An speziellen Ladestationen können die Akkus innerhalb von zwei Stunden geladen werden“, so Li. Insgesamt lässt sich die Batterie 2.000 bis 4.000 Mal laden.

Langjährige Batteriekompetenz

Spätestens seit Investorenlegende Warren Buffett bei BYD eingestiegen ist, ist das Unternehmen weltweit bekannt. Wang Chuanfu gründete BYD 1995 zur Produktion von Batterien. 2003 übernahm er den maroden Autobauer Xi’an Qinchuan – dabei dürfte vor allem die Lizenz zur Autoproduktion im Vordergrund gestanden haben. Mittlerweile arbeiten 130.000 Mitarbeiter für das Unternehmen mit Sitz in Shenzen. BYD ist nach eigenen Angaben der größte Handy-Batteriehersteller der Welt und der viertgrößte Hersteller wiederaufladbarer Batterien.

In den USA will BYD Ende des Jahres an den Start gehen. Früheren Angaben zufolge soll der e6 für einen Preis von rund 40.000 Dollar auf dem US-Markt eingeführt werden. Begrenzt auf einige Regionen soll der e6 über den Handel vertrieben werden. Zunächst soll das Elektroauto an Behörden, Unternehmen und Berühmtheiten ausgeliefert werden.

Die Ziel des chinesischen Herstellers sind sehr ehrgeizig. Bereits im vergangenen Jahr verkündete Wang Chuanfu bis 2025 weltgrößter Autobauer zu sein. Dazu stehen die Chinesen weiterhin. „Das ist unsere Vision“ so Li, da wolle der Hersteller in 15 Jahren stehen.

Daimler klettert ins BYD-Boot

Ergänzend zu den von BYD verkündeten Plänen wurde in Genf bekannt, dass Daimler künftig mit BYD zusammenarbeiten will. Gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller wollen die Stuttgarter ein massentaugliches Elektroauto entwickeln und produzieren, sagte Daimler-Boss Dieter Zetsche in Genf. Eine Vertragsunterzeichnung steht allerdings noch aus.

Nach Zetsches Angaben sollen die Kooperationsfahrzeuge oberhalb des aktuellen Fahrzeugangebots von BYD, aber unterhalb von Mercedes-Benz positioniert werden. Keine Angaben wollte er zunächst machen, wann mit den ersten Fahrzeugen zu rechnen sei.

Kommt es zu einer Zusammenarbeit, würde Daimler die dritte Elektro-Partnerschaft eingehen. In der Batterietechnik arbeitet der Automobilhersteller mit dem Zellenspezialist Litec zusammen, außerdem sind die Stuttgarter am kalifornischen Elektrosportwagenbauer Tesla beteiligt.


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