03.03.2010 | Autor: Christoph Baeuchle
Die Elektrofizierung der Automobile schreitet weiter schnell voran. Mittlerweile sind die Hersteller mit ihren Visionen in der Realität gelandet. Zahlreiche Präsentationen auf dem Genfer Automobilsalon sind reif für die Straße. „Dafür dass das Thema erst vor zwei Jahre so richtig los ging, haben die Hersteller ein tolles Power-Play gezeigt“, lobt Christoph Stürmer von Global Insight die Bemühungen der Autobauer. Vor allem vom Porsche 911 Vollhybrid, den der Stuttgarter Autobauer auf der Messe zeigt, ist Stürmer überzeugt.
Der französischen Autobauer Peugeot will Ende des laufenden Jahres mit seinem „iOn“ auf den deutschen Markt kommen. 500 Euro im Monat soll das Elektroauto kosten, das in das Mobilitätskonzeptes „Mu“ integriert ist. 130 Kilometer schafft die Batterie, innerhalb einer halben Stunde ist sie zu 80 Prozent gefüllt. „Im Rahmen von Projekt Mu können die Kunden testen, wie sich ein Elektrofahrzeug fährt“, betont Thomas Bauch, Geschäftsführer von Peugeot Deutschland.
Citroën Deutschland will im Sommer mit dem Berlingo Electrique einen Feldversuch starten. Das Interesse der Kunden sei groß, betont Peter Weis, Geschäftsführer Citroën Deutschland. „Wir haben Vorbestellungen im vierstelliger Höhe.“ Mitte Juni soll nun der Preis bekannt gegeben werden.
Auch Renault steht mit Elektrofahrzeugen in den Startlöchern: 2012 sollen die ersten Modelle nach Deutschland geliefert werden. Der französische Autobauer ist optimistisch: „2020 sind etwa zehn Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge Elektromobile“, ist Reinhard Zirpel, Kommunikationsvorstand Renault Deutschland, überzeugt. Bei Elektrofahrzeugen will der Autobauer in Deutschland einen deutlich höheren Marktanteil als die sechs Prozent am Gesamtmarkt.
Im Mittelpunkt des Ford-Messeauftritts steht der neue Fokus. Er soll 2012 mit reinem Elektroantrieb auf den Markt kommen. „Insgesamt gehen in den nächsten Jahren in Deutschland fünf elektrifizierte Modelle in den Verkauf“, so Bernhard Mattes, Ford Deutschland-Chef.
Auch die deutschen Hersteller treiben die Technik voran: Volkswagen will bis 2018 rund drei Prozent des Gesamtabsatzes mit E-Autos bestreiten . BMW und Audi haben jüngst beschlossen, dass sie ihre E-Fahrzeuge unter eigenem Namen launchen. BMW will noch vor 2015 sein stromgetriebenes „Megacity Vehicle“ auf den Markt bringen.
Einen Schritt weiter scheint Daimler: „Was Toyota vor 15 Jahren mit dem Hybrid vorexerziert hat, sich eine Vorreiterstellung durch innovative Technologie aufzubauen, kann Mercedes unter den deutschen Autobauern mit dem Thema Elektroauto schaffen“, ist Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer überzeugt. Die Schwaben wollen noch im laufenden Jahr mit drei Elektromodellen an den Start gehen: Neben Smart Fortwo Electric Drive sollen auch die A-Klasse E-Cell und die B-Klasse F-Cell kommen.
Zudem haben die Stuttgarter einen neuen Partner gefunden: Gemeinsam mit dem chinesischen Autobauer BYD wollen sie ein neues Elektrofahrzeug für den chinesischen Markt entwickeln. Im Rahmen der Kooperation wollen die beiden Unternehmen eine gemeinsame Marke etablieren.
BYD, ausgeschrieben „Build your Dreams“, ist da wesentlich optimistischer. Der chinesische Autobauer, der bislang sich vor allem durch die Produktion von Batterien einen Namen gemacht hat, will sein Elektroauto e6 bereits im laufenden Jahr auf dem US-Markt einführen, ein Jahr später in Europa. Dabei dürfte das Auto weniger durch das Design, als vielmehr durch die Batterie überzeugen: 330 Kilometer Reichweite und eine Spitzengeschwindigkeit von 140 Stundenkilometer – so der Hersteller.
„Wir kommen im nächsten Jahr nach Europa“, kündigte Henry Li, General Manager der BYD Export Trade Division, auf dem Genfer Salon an. Trotz Rückschläge anderer chinesischer Autobauer ist Li optimistisch. Den Optimismus braucht er auch: BYD-Gründer Wang Chuanfu hat das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2025 weltgrößter Automobilhersteller zu sein. „Das ist unsere Vision“, bestätigt Li. Dafür erscheint ein erfolgreicher Markteintritt in Europa eine Voraussetzung.
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