09.03.2010 | Autor: Joachim von Maltzan
Redaktion: Im letzten Jahr haben Sie 190.717 Neuwagen ausgeliefert nach 121.277 im Vorjahr. Die Umweltprämie hat die Marke Škoda deutlich gepuscht. Im Januar dieses Jahres verzeichneten Sie 7.801 Neuzulassungen nach 6.486 im Vorjahr. Sie liegen damit auf dem Niveau von 2008. Was erwarten Sie nun für das Jahr 2010?
Hermann Schmitt: Wir orientieren uns 2010 an den Jahren 2007 und 2008. Der von Ihnen angesprochene Januar-Trend setzte sich für Škoda auch im Februar fort. Die Verkäufe liegen auf dem Niveau von 2008, die Marktanteile sogar darüber. Dies ist möglich, da die vorhandenen Vorzieheffekte aus 2009 durch den außergewöhnlichen Erfolg der neuen Modelle mehr als kompensiert werden.
Wie lief der Verkauf des Superb Combi an?
Ausgezeichnet! Die Bestellungen unserer Händler und die täglichen Neuaufträge unserer Kunden entsprechen bzw. übertreffen all unsere Erwartungen. Seit Markteinführung haben sich bereits über 2.500 Kunden für einen Superb Combi entschieden. Dazu kommen noch über 1.000 Bestellungen für Lager- und Vorführwagenbestände. Aktuell läuft die Produktion des Superb Combi auf Hochtouren. Wir sind deshalb zuversichtlich, Lieferzeiten von 8 bis 10 Wochen einhalten zu können.
Sie wollen mit diesem Wagen auch verstärkt Gewerbekunden ansprechen. Wie reagieren diese auf das Fahrzeug?
Auch bei den gewerblichen Kunden kommt der Superb Combi hervorragend an. Hier sehen wir ein großes Potenzial für Neuzulassungen.
Mit dem Yeti haben Sie im vergangenen Jahr ein für Škoda unbekanntes Terrain betreten. Wie sehen Ihre Erfahrungen inzwischen aus?
Seit seiner Präsentation gab es für den Yeti nur positive Resonanz. Sämtliche Medien waren voll des Lobes über unseren Neuen. Škoda hat ein sehr kompaktes Fahrzeug auf den Markt gebracht mit komfortablen Innenraumabmessungen und sehr guten Verbrauchswerten. Damit setzen wir Maßstäbe im Wettbewerb. Ende August haben wir unser SUV auf dem deutschen Markt eingeführt. Bis Ende Dezember wurden bereits rund 3.000 Fahrzeuge dieser Modellreihe zugelassen. Seit Januar können wir nun die komplette Motorenpalette für den Yeti anbieten. Deshalb gehen wir hier von einem verstärkten Kundeninteresse aus.
Im vergangenen Herbst haben Sie zum Auslaufen der Umweltprämie ein neues Vertriebsprogramm aufgesetzt. Wie hat das gewirkt und was planen Sie weiterhin, um Ihre Händler in diesem schwierigen Jahr zu unterstützen?
Unsere Aktionen aus dem letzten Jahr waren erfolgreich. Mit dem Sondermodell Fabia Cool Edition können unsere Händler ihren Kunden ein günstiges und gleichzeitig hochwertiges Fahrzeug anbieten. Die Preis- und Ausstattungsoptimierung des Octavia bringt uns weitere Interessenten und spricht besonders die derzeit viel umworbene Gruppe der gewerblichen Kunden an. Mit unserer Preis- und Aktionspolitik sind wir bislang immer gut gefahren. Deshalb werden wir diesen bewährten Weg auch weiterhin beschreiten.
Was erwartet uns an der Modellfront? Ursprünglich war auch von einem neuen Modell unterhalb des Fabia die Rede. Wie sieht nun die Planung dazu aus?
Wir halten daran fest.
Elektromobilität ist derzeit ein wichtiges Zukunftsschlagwort. Wie will Škoda diese Anforderung beantworten? Planen Sie alternative Antriebskonzepte?
Zunächst haben wir uns unter den derzeit wirtschaftlich einsetzbaren Technologien dafür entschieden, die normalen Antriebskonzepte wie Benzin- und Dieselmotoren mit verbrauchsökonomischen Hilfsmitteln wie z. B. Downsizing von Aggregaten zu verfeinern. Dazu wird in naher Zukunft auch Start-/Stopp und Rekuperation gehören. Wir arbeiten auch im Rahmen gemeinsamer Konzernaktivitäten an alternativen Antriebskonzepten. Dabei geibt es verschiedene Optionen.
Gerüchten zufolge wollen Sie Änderungen am bisherigen Margen- und Bonussystem vornehmen. Was können Sie konkret dazu sagen?
Unser Bonus und Margensystem beruht seit 2003 auf einer qualitativen und einer quantitativen Vergütung. Dies hat sich bewährt. Nicht umsonst zählen Škoda-Partner zu den renditestärksten Händlern im deutschen Markt. Wir werden dieses System in enger Zusammenarbeit mit unseren Händlern auch weiterhin verbessern und ausbauen.
Ende des letzten Jahres sprachen Sie davon, dass sie derzeit keinen Handlungsbedarf hinsichtlich einer Netzumgestaltung sehen würden. Das Wort „derzeit“ hat dabei etwas Unruhe im Händlerlager verursacht. Sie befürchten, dass Sie doch mit der neuen GVO einen Umbau des Händlernetzes vornehmen würden. Können Sie dazu Stellung nehmen?
Anders als viele andere Marken ist Škoda in den letzten Jahren stetig gewachsen. Dies ist nicht zuletzt auf den Ausbau des Händlernetzes zurückzuführen. Einige andere Marken verzeichneten in dieser Zeit Marktanteilsrückgänge, die in der Folge auch das Geschäftsmodell der jeweiligen Marke in Frage gestellt haben. Stichwort: Überkapazitäten im Netz. Insofern hat die vom ZDK aufgeworfene Frage nach einem neuen Geschäftsmodell für Škoda nicht die gleiche Brisanz wie für viele Wettbewerber.
Dennoch lassen sich die konkreten Auswirkungen der bevorstehenden GVO-rechtlichen Änderungen für unser Handelsnetz aktuell noch nicht vorhersagen – auch wenn wir davon ausgehen, dass die bestehenden Verträge weiterhin Bestand haben werden.
Um die Potenzialausschöpfung im Markt sicherzustellen und sowohl für unsere bestehenden als auch für unsere neuen Vertriebspartner eine wirtschaftliche Sicherheit zu bieten, haben wir aktuell unsere Netzplanung überarbeitet. Dabei ergeben sich einerseits noch eine Reihe von Open Points. Andererseits zeigt sich aber auch, dass das Händlernetz überwiegend eine sehr gute Abdeckung gewährleistet und sich somit neben dem GVO-rechtlichen Thema die Frage nach einer vertriebsbezogenen Strukturveränderung nicht stellt.
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