USA: Chrysler-Händler sauer auf Fiat

Kleinwagen-Boom ebbt allmählich ab

24.08.2010 | Autor: dpa/jr

Muss dieser US-Händler demnächst umbauen?

Der auf den US-Markt rollende Fiat 500 stößt bei vielen Händlern der Konzernschwester Chrysler auf Missfallen. Sie müssen nicht nur eine fünfte Marke neben Chrysler, Dodge, Jeep und den Ram-Trucks steuern. Konzernchef Sergio Marchionne verlangt nun auch noch, dass die Händler spezielle Ausstellungsräume für den Retrowagen bauen. Fiat kontrolliert Chrysler nach dessen überstandener Insolvenz.

„Die Freude über die Einführung des Fiat auf dem Markt hat sich abgeschwächt“, sagte ein Autohändler von der bevölkerungsreichen Ostküste dem „Wall Street Journal“ (Dienstag). Er habe den Fiat 500 eigentlich direkt neben Chrysler-Modellen präsentieren wollen. Doch das gehe jetzt nicht mehr. Ein neuer Ausstellungsraum koste ihn mindestens eine Million Dollar.

Die Händler müssen sich bei Chrysler bewerben, um den Kleinwagen überhaupt anbieten zu dürfen. Sollten sich innerhalb des eigenen Händlernetzes nicht genug Partner finden, will Marchionne notfalls auch außerhalb suchen.

Dem Mini hinterher

Mit dem Fiat 500 will der Autohersteller an die Erfolge des Mini aus dem Hause BMW anknüpfen. Der verkauft sich dank seines Kultstatus selbst in den USA gut, wo die Kunden eigentlich auf riesige Geländewagen, Pick-up-Trucks und Limousinen stehen. Von Januar bis Juli ist BMW knapp 25.300 Minis losgeworden.

Allerdings scheint der Kleinwagen-Boom, der 2008 seinen Höhepunkt erreicht hatte, allgemein abzuebben. Die Spritpreise haben sich normalisiert, die Wirtschaft erholt sich. Deshalb greifen viele US-Amerikaner wieder zu den Straßenkreuzern. Auch der Mini musste bereits Federn lassen. Die Verkäufe beim konkurrierenden Smart sind massiv eingebrochen. Daimler ist seit Jahresbeginn gerade mal 3.900 Einheiten des Zweisitzers in den USA losgeworden.

Der Fiat 500 wird gegen Ende des Jahres in den USA zu haben sein. Chrysler selbst hat kein vergleichbares Auto im Programm. Mit italienischer Technik soll der seit Jahren kränkelnde US-Autobauer dauerhaft wieder in die Spur kommen. Erste Modelle sind aber frühestens Ende 2011 zu erwarten. Konzernchef Marchionne erwägt zudem, die Marke Alfa Romeo in die USA zu bringen.


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