West-Hersteller setzen auf russischen Markt

Absatz könnte bald höher sein als in Deutschland

09.06.2011 | Redakteur: Christoph Baeuchle

Die Neuordnung der russischen Automobilindustrie ist in vollem Gange. Nach Renault-Nissan und Volkswagen plant nun auch Ford hohe Investitionen in ein Werk in Russland. Dazu will der amerikanische Autobauer ein Joint Venture mit dem russischen Hersteller Sollers gründen.

Medienberichten zufolge hat das Projekt ein Volumen von rund 1,9 Milliarden Euro. Ab 2015 soll die Jahresproduktion bei rund 350.000 Einheiten liegen. Russland werde bis Mitte des Jahrzehnts zu Europas größtem Absatzmarkt wachsen und biete Ford entsprechend große Wachstumsmöglichkeiten, begründet Ford-Europa-Chef Stephen Odell laut „Detroit News“ die Investitionen.

Damit ist Ford der dritte etablierte Hersteller, der innerhalb kurzer Zeit sein Engagement in Russland erweitert. Anlass gab Russlands Regierungschef Wladimir Putin mit neuen Vorgaben für die Automobilhersteller Ende vergangenen Jahres. Demnach müssen die Autobauer mindestens 300.000 Autos sowie 200.000 Motoren, Getriebe und Karosserien herstellen. Damit nicht genug: In einem Entwicklungszentrum sollen entsprechend neue Modelle entworfen werden. Dafür erhalten die Autobauer die Möglichkeit, die in ihren Werken benötigten Bauteile zollfrei zu importieren. Nun planen die Hersteller laut „Dow Jones“ Investitionen von rund 4,5 Milliarden US-Dollar in den kommenden drei bis vier Jahren.

Teilhabe am russischen Wachstumsmarkt

Bereits im Februar hat Volkswagen eine gemeinsame Fertigung mit der GAZ Group, die dem Investor Oleg Deripaska gehört, angekündigt. Demnach wollen die beiden Partner 100.000 Fahrzeuge in Nischni Novgorod gemeinsam produzieren. „Volkswagen Group Rus baut die Präsenz im wichtigen Wachstumsmarkt Russland konsequent weiter aus“, kündigte Marcus Osegowitsch, Generaldirektor der Volkswagen Group Rus, damals an.

Anfang Juni hat nun der Wolfsburger Konzern die Unterlagen zur Erweiterung der Produktion in Kaluga eingereicht. Die Kapazität von 150.000 Autos soll mittelfristig auf 300.000 Einheiten verdoppelt werden. Zur Anhebung dieser Zahl gebe es drei Alternativen, sagte ein VW-Sprecher laut „Wirtschaftswoche“. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Zu einem Termin wollte er sich nicht festlegen. Möglich wären die Aufstockung der Kapazitäten im Werk Kaluga, ein weiteres Werk dort oder die Zusammenarbeit mit einem Partner - wie dem russischen Autobauer Gaz.

Auch Renault-Nissan sind sich laut der japanischen Zeitung „Nikkei“ über Investitionen beim Partner Avtovaz, an dem die Hersteller 25 Prozent plus eine Aktie besitzen, einig. Dem Zeitungsbericht zufolge will die französisch-japanische Allianz bis zu zwei Milliarden Dollar bis 2015 investieren.

General Motors gehört ebenfalls zu den Herstellern, die ihre Aktivitäten in Russland ausbauen. Medienberichten zufolge will der Autobauer eine Milliarde Dollar investieren und gemeinsam mit GAZ den Kleinwagen Chevrolet Aveo bauen. Ab 2012 soll der Kleinwagen im Werk Nischni Novgorod vom Band laufen. Die gesamte Jahresproduktion von 30.000 Einheiten ist für den russischen Markt bestimmt.

Auch das GM-Werk in St. Petersburg wollen die Amerikaner kräftig ausbauen. Die Kapazitäten sollen von derzeit 60.000 Fahrzeugen auf 230.000 Einheiten vergrößert werden. Gegenwärtig werden dort vor allem der Chevrolet Cruze sowie der Opel Astra gebaut.

Absatzplus von 60 Prozent

Die Aussichten für die Hersteller sind gut. Derzeit ist der russische Markt wieder auf Erholungskurs: Nachdem er im Krisenjahr 2009 stark eingebrochen war, legte er im vergangenen Jahr wieder um ein Drittel auf 1,9 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge zu.

Noch größer sind die Wachstumsraten im laufenden Jahr: In den ersten fünf Monaten konnten die Automobilhersteller laut der Unternehmervereinigung Association of European Businesses (AEB) den Absatz um 60 Prozent auf knapp eine Million Fahrzeuge steigern. „Sofern sich die weltweite wirtschaftliche Erholung fortsetzt, sind die mittel- und langfristigen Aussichten für den russischen Automobilmarkt sehr ermutigend“, ist Mark Ovenden, stellvertretender Vorsitzender der AEB, überzeugt.


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