19.07.2011 | Autor: gst/dpa
Nach einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ (FTD/Dienstag) stellt Suzuki das erst eineinhalb Jahre alte Bündnis mit Volkswagen ernsthaft infrage. Grund dafür seien Befürchtungen der Besitzerfamilie, dass VW die Unabhängigkeit des Familienunternehmens Suzuki gefährden könnte.
„Wir denken, dass wir wieder auf null zurückgehen müssen - auch was die Beteiligungsverhältnisse angeht“, zitiert die FTD den für die Beziehungen zu VW zuständigen Suzuki-Manager Yasuhito Harayama. Falls nötig, werde sich der japanische Autobauer einen anderen Partner suchen. Europas größter Autobauer hatte sich Ende 2009 mit 20 Prozent an dem Kleinwagenspezialisten beteiligt. Suzuki kaufte im Gegenzug VW-Aktien im Wert von rund einer Milliarde US-Dollar.
Die Drohungen des japanischen Spitzenmanagers markieren laut FTD „einen Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen Volkswagen und Suzuki“. Das Zerwürfnis bremse zudem die Ambitionen von VW-Patriarch Ferdinand Piëch, den Konzern zum vor Toyota größten Autohersteller der Welt auszubauen. Dafür aber brauche VW unbedingt die Kompetenz von Suzuki beim Bau günstiger Kleinwagen sowie die Präsenz der Japaner im Wachstumsmarkt Indien (Maruti), auf dem VW bislang kaum vertreten ist.
Konzernchef Osamu Suzuki hatte in den vergangenen Monaten immer wieder öffentlich eine drohende Vormacht von VW kritisiert. Dies mag auch ein Grund dafür sein, dass bislang so gut wie keine gemeinsamen Projekte auf den Weg gebracht wurden. Denn die Japaner sperren sich, weil sie um ihre Eigenständigkeit fürchten. Ein Indiz dafür sieht Harayama laut FTD im Jahresbericht von VW, in dem die Beteiligung an Suzuki konsolidiert wird. Nach Ansicht des Managers werde Suzuki damit als Unternehmen betrachtet, auf das Volkswagen finanziell und operativ Einfluss ausüben kann. „Bis dies nicht geklärt ist, werden die Gespräche nicht fortschreiten“, so Harayama gegenüber der Zeitung.
VW bemüht sich derweil um Schadensbegrenzung und um eine Entkrampfung des inzwischen angespannten Verhältnisses. Die Wolfsburger sprechen von einem „kulturellen Missverständnis“ und betonnen geflissentlich, dass der Suzuki-Anteil nach deutschem Bilanzrecht so habe verbucht werden müssen. „Volkswagen und Suzuki sind und bleiben unabhängige Unternehmen“, betonte ein VW-Konzernsprecher gegenüber der FTD.
Zugleich wies Volkswagen Spekulationen über wachsenden Ärger in der Partnerschaft mit dem japanischen Kleinwagenbauer zurück. „Wir sind mit unserer 19,9 Prozent-Beteiligung sehr zufrieden, es ist kein Ausbau zwischen den Partnern vereinbart“, so ein VW-Sprecher am Dienstag in Wolfsburg gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Weiter ausgebaut werden müsse allerdings das Vertrauen auf beiden Seiten.
Suzuki-Manager Harayama ließ gegenüber der FTD unterdessen offen, ob das möglich ist. Als Beispiel für andere denkbare Bündnisse nannte er zuvorderst die Partnerschaft mit Fiat. Die Zusammenarbeit mit dem italienischen Autobauer, der unter anderem Dieselmotoren an die Japaner liefert, war erste Ende Juni erweitert worden. Eine weitere Alternative wäre der heimische Rivale Nissan, mit dem Suzuki ebenfalls verbündet ist.
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