Deutsche Autobauer strotzen vor Kraft

Prognose 2012: Schwächere Autokonjunktur und stärkerer Wettbewerbsdruck

18.11.2011 | Redakteur: Gerd Steiler

Die großen deutschen und amerikanischen Automobilhersteller sowie der koreanische Hyundai-Konzern sind die großen Absatzgewinner des Autojahres 2011. Mit Zuwächsen im zweistelligen Prozentbereich konnten sie ihre Weltmarktposition deutlich verbessern. Dagegen erlitten die japanischen Hersteller durchschnittliche Absatzverluste von 11 Prozent. Das zeigt eine aktuelle Studie des Center of Automotive Management (Bergisch-Gladbach) auf Basis der Analyse von 18 globalen Automobilkonzernen.

Deutsche Autobauer fahren vorneweg

Demnach werden die deutschen Automobilhersteller Volkswagen, BMW und Daimler im Mittel fast 11 Prozent zulegen. Die US-amerikanischen „Big Three“ GM, Ford und Chrysler wachsen um gut 10 Prozent. Der Hyundai/Kia-Konzern legt um 12 Prozent zu. Im Einzelvergleich bleibt General Motors im Jahr 2011 mit rund 9 Millionen verkauften Pkw der weltweit größte Automobilhersteller gefolgt von Volkswagen (8,2 Millionen), Toyota (6,9 Millionen), Hyundai (6,4 Millionen), Ford (5,7 Millionen) und Nissan (4,2 Millionen).

Während Toyota krisenbedingt rund 17 Prozent weniger Autos verkauft, können Volkswagen (+ 14 %) und Hyundai (+ 12 %) deutlich zulegen. Den größten Zuwachs verzeichnet laut Prognose der Sportwagenhersteller Porsche, der seine Verkäufe im Jahr 2012 um mehr als ein Viertel auf voraussichtlich rund 120.000 Pkw katapultiert. Enttäuschend schnitten dagegen die französischen Hersteller Renault (- 1 %) und PSA Peugeot/Citroën (+/- 0 %) ab. Dagegen konnte sich der italienische Fiat-Konzern dank seiner wiedererstarkten Tochter Chrysler (+ 4 %) mit rund 3,8 Millionen verkauften Pkw auf Absatzrang sieben vorschieben.

BMW schreibt Rekord-Rendite

Die Profitabilität der globalen Hersteller erreicht der Prognose zufolge in den ersten drei Quartalen dieses Jahres - trotz der Krise der japanischen Autobauer - einen Mittelwert 5,1 Prozent (EBIT-Marge). Die höchste Profitabilität zeigen dabei die großen deutschen Automobilhersteller, die im Mittel eine Rekordrendite von 9,9 Prozent realisieren konnten.

An der Spitze der deutschen Rendite-Hitliste steht BMW mit einer EBIT-Marge von 13,2 Prozent, gefolgt von Daimler (8,3 %) und VW (7,5 %). Auf einen ähnlich hohen Wert wie BMW kommt derzeit nur Hyundai mit einer EBIT-Marge von 9,5 Prozent, während die amerikanischen Hersteller im Schnitt bei 6,1 Prozent liegen. Auch hier zählen die französischen Autokonzerne PSA Peugeot/Citroën (3,7 %) und Renault (2,9 %), der italienische Autobauer Fiat (3,4 %) und - krisenbedingt – die japanischen Hersteller mit einer durchschnittlichen EBIT-Marge von 2,8 Prozent zu den „Low Performern“. Im Einzelvergleich der großen Automobilkonzerne sieht die Prognose den Münchner Autobauer BMW im Gesamtjahr 2011 mit einer EBIT-Marge von 13,2 Prozent als „weltweit profitabelsten Hersteller“ gefolgt von Hyundai (9,5 %), Daimler (8,3 %) und Volkswagen (7,5 %).

2012 nur noch geringes Wachstum

Für 2012 erwarten die Experten des Center of Automotive Management zwar eine deutliche Eintrübung der der weltweiten Autokonjunktur. Dennoch rechnen sie aus heutiger Sicht trotz heterogener Entwicklungen in den Kernmärkten per Saldo noch mit einem geringen Wachstum der globalen Automobilnachfrage. Der Prognose zufolge wird der europäische Automobilmarkt vor dem Hintergrund der weiter schwelenden Staatschuldenkrise im kommenden Jahr weiter schrumpfen (- 2 %). Für den US-Markt (+ 2 %) und China (+ 4 %) gehen die Experten von niedrigen einstelligen

Wachstumsraten aus. Leichte Zwächse bei der Automobilnachfrage sehen die Experten auch für Russland, Indien und Brasilien. Eine deutliche Erholung (+ 23 %) sehen sie für den japanische Markt voraus, der aufgrund der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vom März dramatisch eingebrochen war.

Wettbewerbsdruck steigt - Big Player profitieren

Diese Markttrends werden aus Sicht der Autoexperten im Jahr 2012 vor allem jene die Automobilhersteller begünstigen, die bereits eine starke Position in den automobilen Kernmärkten wie den BRIC-Ländern und den USA besitzen. So würden General Motors, Volkswagen und Hyundai gleichermaßen von diesen Entwicklungen profitieren. Die großen japanischen Herstellern - allen voran Toyota - würden 2012 mit aller Macht versuchen, verlorengegangene Marktanteile zurückzuerobern. „Dies wird bei geringen globalen Nachfragezuwächsen zu steigendem Wettbewerbsdruck und allgemein sinkender Profitabilität der Branche führen. Insbesondere in Europa wird der Preiskampf in 2012 zunehmen, was Hersteller mit einer Dominanz auf dem europäischen Markt (Renault, PSA, Opel) unter besonderem Kosten- und Margendruck setzen wird“, heißt es in der Prognose abschließend.


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