Audi macht Qoros das „Q“ streitig

Einstweilige Verfügung wegen der Modellbezeichnung „GQ3“

18.02.13 | Autor : Andreas Grimm

Wem gehört das „Q": Audi geht gerichtlich gegen die Modellbezeichnung GQ3 des chinesischen Herstellers Qoros vor.
Wem gehört das „Q": Audi geht gerichtlich gegen die Modellbezeichnung GQ3 des chinesischen Herstellers Qoros vor. ( Foto: Audi )

Um den Buchstaben „Q“ ist in der Automobilbranche ein heftiger Streit entbrannt. Die Volkswagen-Tochter Audi, die mit der Q-Baureihe wichtige Erfolge erzielt, geht derzeit gegen den neuen chinesischen Autobauer Qoros vor, der sein erstes serienreifes Modell als GQ3 für Anfang März auf dem Genfer Autosalon angekündigt hatte.

In dem juristischen Streit hat Audi nun einen ersten Erfolg erzielt: Die für Markenfragen zuständige Zivilkammer am Landgericht Hamburg habe Qoros die Verwendung des Kürzels „Q“ für eine Limousine untersagt, berichtet die „Welt“ (Montagausgabe). Audi-Sprecher Joachim Cordshagen bestätigte den Vorgang gegenüber »kfz-betrieb ONLINE«, wollte aber zu den Hintergründen des Verfahrens nicht weiter Stellung beziehen.

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Das harsche Vorgehen des Premiumherstellers verwundert insofern, als Qoros zunächst einmal weder die gleichen Zielgruppen anspricht wie Audi, noch derzeit überhaupt auf dem Markt agiert. Die ersten Fahrzeuge werden weltweit erst Ende des Jahres erwartet. In Zentraleuropa ist mit ihnen nicht vor 2015 zu rechnen. „Der Buchtstabe Q ist ein geschützter Bestandteil unserer Markenfamilie“, erklärt dagegen Audi das Vorgehen laut dem „Welt“-Artikel. „Wenn gerade ein anderer Automobilhersteller das Q für einen Modellnamen nutzt, tangiert uns das natürlich.“

Das leuchtet für sich genommen ein, allerdings wäre dann ein Rechtsstreit mit der japanischen Nobelmarke Infiniti wesentlich naheliegender. Die Nissan-Tochter hatte vor kurzem angekündigt, ihre Modellnamen zu überarbeiten – und dabei ausgerechnet auf das „Q“ als zentralen Namensbestandteil zu setzen. Auf dem Genfer Salon wird Infiniti als erstes Q-Modell den Q50 als Nachfolger des bisherigen G-Modells präsentieren. Infiniti-Sprecherin Michaela Potisk wusste auf Anfrage jedenfalls von keinen Klagen oder sonstigen Streitigkeiten mit Audi zu berichten.

Absatzpolitik vor Gericht

Die Autoren des „Welt“-Artikels deuten einen anderen Grund für die juristische Auseinandersetzung an: einen neuen, unliebsamen Wettbewerber von Beginn an kleinzuhalten. Die bisherigen Versuche von Unternehmen wie Brilliance, Landwind oder China Automobile Deutschland, chinesische Autos auf dem europäischen Markt zu etablieren, waren erfolglos. Hinter der Marke Qoros stecken nun Automanager, die ihr Handwerk bei Volkswagen oder BMW gelernt haben. Und mit Skoda oder Seat hat Audi Markenschwestern im Volkswagen-Konzern, denen Qoros Marktanteile wegnehmen könnte.

Zum Teil erinnert der Rechtsstreit vor dem Hamburger Gericht zudem an die Auseinandersetzungen zwischen der BMW Group und einem freien Importeur chinesischer Fahrzeuge, der China Automobile Deutschland GmbH. Beide Seiten hatten um den Vertrieb des Geländewagens CEO gestritten, in dem BMW ein unzulässiges Design-Plagiat des BMW X5 erkannte. Die BMW-Sicht wurde in zwei Instanzen gerichtlich bestätigt, zwei Monate nach dem entscheidenden Urteil war der Importeur am Ende.

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