Wenn Autos über Menschenleben entscheiden

Ethik-Diskussion bei selbstfahrenden Autos

| Autor: sp-x

(Foto: Daimler)

Das autonome Auto der Zukunft tötet nicht im Affekt, sondern planvoll. Während der Mensch in den Sekunden vor dem Aufprall kaum eine Chance zum bewussten Reagieren hat, kann das Roboterauto in dieser Zeit Millionen Berechnungen durchführen – und aus mehreren Handlungsoptionen wählen. Rast es lieber vor die Wand und tötet seine Insassen oder nimmt es den Weg in die Menschenmenge? Kollidiert es mit dem dicken SUV oder dem für ihn ungefährlicheren Kleinwagen? Rammt es eher den Radfahrer mit oder den ohne Helm aus dem Sattel? Um das zu entscheiden, braucht die Maschine eine Art moralischen Kodex. Und die muss der Mensch ihm einprogrammieren.

Die Ethik von Roboterautos beschäftigt daher zunehmend die Automobilindustrie: Wie soll das vollautomatisiert fahrende Auto der Zukunft in derartigen Dilemma-Situationen entscheiden? Wenn trotz mehrerer Handlungsalternativen immer Menschenleben oder zumindest Sachwerte auf dem Spiel stehen? Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche forderte erst kürzlich eine ethische Debatte über Roboterautos und die branchenübergreifende Suche nach einem geeigneten Entscheidungs-Algorithmus.

Bis jetzt gibt es diesen Algorithmus nicht, allerdings auch keine komplett autonom fahrende Serienautos. Doch die Technik schreitet mit Riesenschritten voran. Bereits heute können Pkw ohne menschlichen Eingriff Bremsmanöver durchführen, die Fahrtrichtung ändern oder im Stau mitschwimmen. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll der Computer dem menschlichen Fahrer einen immer größeren Teil seiner Aufgaben abnehmen. Selbst die ersten vollautomatisierten Fahrzeuge dürften in absehbarer Zeit auf der Straße sein.

Daimler etwa hat kürzlich auf der Technikmesse CES in Las Vegas mit der Studie F 015 wie eine künftige selbstfahrende S-Klasse auftreten würde – als Lounge auf Rädern, in denen sich der Fahrer entspannt zurücklehnt und dem Computer dem Großteil der Fahrtzeit das Steuer überlässt. Noch autonomer agiert das Robotermobil des Internetgiganten Google: Es hat weder Lenkrad noch Pedalerie – ein korrigierender menschlicher Eingriff ist dort gar nicht mehr vorgesehen. Und nach Meinung vieler Befürworter auch gar nicht nötig: Das Auto reagiere schneller und angemessener als der Mensch, zu Unfällen würden es gar nicht mehr kommen. Erst recht nicht zu Situationen, bei denen das Auto über Leben und Tod entscheiden müsste.

Auch Anders Eugensson, Director Government Affairs bei Volvo, ist optimistisch: „Wir glauben, dass autonome Fahrzeuge vorsichtiger und höflicher sein werden als menschliche Fahrer und so ernsthafte Dilemma-Situationen vermeiden.“ Die Schweden setzen traditionell auf Sicherheit und wollen dies auch beim autonomen Fahren beibehalten. Ganz so einfach ist die Sache für Eberhard Zeeb, Leiter der Abteilung Fahrautomatisierung bei Daimler, allerdings nicht: „Wir werden autonomes Fahren zunächst auf der Autobahn ermöglichen, wo durch eine vorausschauende Fahrweise kritische Entscheidungen nahezu vermieden werden können. In komplexeren Verkehrssituationen sind mittelfristig aber Situationen denkbar, in denen das nicht mehr ausreicht.“ Heißt: Dann könnte das Auto gezwungen sein, zwischen mehreren Handlungen mit unerwünschten Folgen abzuwägen.

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