China: Das Ende des Autopiloten

China-Expertin Nicole Steiger (JSC Automotive) im Gespräch

| Autor: Christoph Baeuchle

China-Expertin Nicole Steiger von der Beratung JSC Automotive.
China-Expertin Nicole Steiger von der Beratung JSC Automotive. (Foto: JSC Automotive)

Redaktion: Frau Steiger, in den vergangenen Wochen ist die Börse in China dramatisch eingebrochen. Wie wirkt sich dies auf den Automobilmarkt aus?

Nicole Steiger: Wir halten die Auswirkungen des Börseneinbruchs in China auf den Automobilmarkt für überschaubar. Der Börsenmarkt spielt in China nach wie vor eine vergleichsweise geringe Rolle. Das Abbremsen des Wachstums hat primär andere Gründe.

Welche Gründe sehen Sie?

Die chinesische Wirtschaft befindet sich seit längerer Zeit im Abschwung. Im ersten Quartal 2015 betrug das offizielle Bruttoinlandsprodukt sieben Prozent. Allerdings schätzen die großen internationalen Finanzinstitute es auf eher vier Prozent. Bislang war dies am Automobilmarkt aber nicht spürbar.

Was hat sich geändert?

Die Hersteller reizten im vergangenen Jahr unterschiedliche Incentives aus, um der geringeren Nachfrage zu begegnen. Bis Oktober 2014 hatten sie auch die Möglichkeit, den Händlern ihre Fahrzeuge nahezu unbegrenzt auf den Hof zu stellen. Diese Zeiten sind aufgrund der neuen Regulierung vorbei. Die Realität der gesamtwirtschaftlichen Situation wird jetzt auch im Automobilmarkt sichtbar.

Um welche Regulierung handelt es sich?

Seit 2005 mussten sich die Händler von ihren jeweiligen Herstellern dazu autorisieren lassen, eine entsprechende Verkaufslizenz zu erhalten. Diese Autorisierung wurde 2014 abgeschafft. Dies schwächt seither die Position der Hersteller.

War die Entwicklung also absehbar?

Die Regierung wollte die Börse dazu nutzen, insbesondere die staatlichen Unternehmen zu rekapitalisieren, um deren Schuldenlast zu reduzieren. Etwa 200 Börsengänge waren geplant, und die Börse wurde von der Regierung seit Ende vergangenen Jahres gehypt. Leider ist die Börse viel zu schnell nach oben gesaust und entsprechend schnell wieder nach unten abgesackt.

Der Plan ging nicht auf …

Bereits 2012 hat die chinesische Regierung ihren „China 2030“-Plan aufgesetzt. Er sollte durch tiefgreifende Strukturreformen ein nachhaltiges Wachstum gewährleisten. Allerdings verlief die Umsetzung viel zu schleppend. Gleichzeitig stellen wir aber positiv fest, dass der Zentralstaat der Entschuldung der Provinzen eine hohe Bedeutung beimisst und bemüht ist, seine Wirtschaft auf ein nachhaltiges Wachstum umzustellen. Die vermeintlich schlechten Nachrichten der letzten Monate sind daher für das mittel- und langfristige Wachstum eher positiv zu werten.

Welche Marken sind von der rückläufigen Nachfrage besonders betroffen?

Alle Marken sind betroffen. GM hat bereits für 40 Modelle die Listenpreise reduziert. Auch chinesische Marken wie Great Wall schüren den Preiskrieg, der erst am Anfang steht. Andere wie VW, Audi und BMW haben bereits mit Produktionskürzungen reagiert.

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