Blume: „Einen Porsche will man selbst fahren“

Porsche-Chef erteilt selbstfahrenden Autos eine Absage

| Autor: Christoph Seyerlein

Porsche-Chef Oliver Blume: Ein selbstfahrender Porsche „ist so verlockend wie eine Rolex fürs Eierkochen“.
Porsche-Chef Oliver Blume: Ein selbstfahrender Porsche „ist so verlockend wie eine Rolex fürs Eierkochen“. (Foto: Porsche)

In absehbarer Zukunft wird es keine selbstfahrenden Autos von Porsche geben. Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender des Sportwagenherstellers, sprach sich in einem Interview mit der Tageszeitung „Westfalen-Blatt“ deutlich gegen ein solches Vorhaben aus. Für ihn stehen in nächster Zeit Elektrifizierung, Digitalisierung und Konnektivität im Vordergrund.

Autonomes Fahren „ist so verlockend wie eine Rolex fürs Eierkochen“, sagte Blume. „Einen Porsche will man selbst fahren.“ Aus den Augen lassen wolle man die Technologie in Zuffenhausen aber nicht. Es sei fahrlässig, die stark veränderte Welt der Mobilität nicht zur Kenntnis zu nehmen und daraus die eigenen Schlüsse zu ziehen, so Blume.

Stärker als das autonome Fahren hat der Porsche-Chef aber dabei die Vernetzung im Blick. Dabei gehe es vor allem um die richtige Kombination aus Bedienbarkeit und neuer Technologie. „Unsere Autos sollen sich sinnvoll mit der Umgebung verbinden. Doch für uns gehört ein iPhone in die Tasche, nicht auf die Straße“, sagte Blume. Deshalb strebe Porsche derzeit auch keine Partnerschaft mit einem IT-Dienstleister an. Generell sei eine Partnerschaft nur dann sinnvoll, wenn die eigenen Kompetenzen nicht ausreichten. „Wir aber sind zum einen Teil eines starken Konzerns und haben auf der anderen Seite nicht den Anspruch, auf diesem Feld vorneweg zu marschieren. Das überlassen wir anderen.“

Unterschätzen will Blume die IT-Riesen wie Apple oder Google aber nicht. Besonders die Technologiedynamik solcher Unternehmen sei beeindruckend. Porsche könne davon nur lernen und müsse ähnliche Kompetenzen aufbauen. Als neue Konkurrenten schätzt der Porsche-Vorstandschef die Tech-Giganten aber nicht ein. „Kann Apple einen vergleichbaren Porsche bauen? Nein. Will Apple einen Porsche bauen? Nein“, sagte Blume.

Mission E als „dickes Ausrufezeichen“

Auch zur Elektrostrategie von Porsche äußerte sich Blume. Die Volkswagen-Tochter will in Zukunft in allen Baureihen Hybridversionen anbieten. Der 911er soll beispielsweise im Jahr 2018 als Plug-in-Hybrid mit einer elektrischen Reichweite von 50 Kilometern auf den Markt kommen. Ein Jahr später will Porsche dann mit der sogenannten „Mission E“ laut Blume ein „dickes Ausrufezeichen für die Zukunft der Marke setzen“.

Das erste rein elektrische Auto der Zuffenhausener soll dank einer 800-Volt-Batterie eine Systemleistung von rund 600 PS erreichen. Die 100-Stundenkilometer-Grenze könnte damit nach weniger als 3,5 Sekunden fallen. Auch das Nachladen soll vergleichsweise kurz dauern, bereits nach 15 Minuten verspricht Porsche einen zu 80 Prozent aufgeladenen Akku.

Nach Blumes Worten investiert Porsche rund eine Milliarde Euro in die „Mission E“. Davon fließen 700 Millionen Euro in das Stammwerk in Zuffenhausen. In einer neuen Lackiererei, einer neuen Montage, sowie dem ausgebauten Motorenwerk für E-Antriebe und dem erweiterten Karosseriebau sollen etwa 1.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Aber auch die wirtschaftliche Komponente hat Blume im Auge. „Die Investitionen in eine neue Baureihe bei Porsche ist immer auch ein Renditeversprechen.“

Der derzeit niedrige Ölpreis hindere Porsche dabei nicht an den Investitionen in die Elektromobilität. „Man muss kein Hellseher sein, um beim Ölpreis wieder eine Gegenbewegung vorauszusagen“, sagte Blume. Um den Stromern hierzulande aus ihrem Nischendasein zu verhelfen, fordert der Porsche-Chef eine bessere Zusammenarbeit von Industrie und Politik. Dabei denkt Blume vor allem an eine solide Ladeinfrastruktur. „Entscheidend sind unsere Innovationen. Marktführerschaft kommt nicht von Subventionen, sondern von überlegener Technologie.“

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