Abgas-Affäre: DUH nimmt Smart ins Visier

Verein erhält komplett geschwärzte VW-Akte zur Einsicht

| Autor: Andreas Wehner

Die Berner Fachhochschule hat den Schadstoffausstoß eines Smart Diesels nachgemessen.
Die Berner Fachhochschule hat den Schadstoffausstoß eines Smart Diesels nachgemessen. (Foto: DUH)

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) schießt im Zuge der Abgas-Affäre weiter gegen die Autoindustrie. Jetzt ist die Kleinwagenmarke Smart ins Visier des Vereins geraten. Die Berner Fachhochschule hatte im Auftrag der DUH einen Euro-5-Diesel aus der Vorgängergeneration des aktuellen Smart-Modells unter die Lupe genommen.

In verschiedenen Tests auf dem Rollenprüfstand mit betriebswarmem Motor habe das Fahrzeug die Euro-5-Grenzwerte für den NOx-Ausstoß zum Teil um ein vielfaches überschritten, teilte die DUH am Montag mit. Bei einem nach EU-Vorschrift durchgeführten Test mit kaltem Motor blieb das Auto laut Prüfprotokoll jedoch unter den vorgeschriebenen Höchstwerten. Dass das Fahrzeug mit im betriebswarmen Zustand kein einziges Mal die NOx-Grenzwerte einhalte, sei „technisch nicht plausibel“, zitiert die DUH-Mitteilung den Verkehrsexperten Axel Friedrich.

Derzeit liefen beim KBA beziehungsweise im Bundesverkehrsministerium offizielle Anhörungsverfahren zur Vorbereitung einer behördlichen Entscheidung gegen Daimler, Opel und den Volkswagen-Konzern, behauptet die DUH.

Daimler wehrt sich. „Es werden unter anderem nicht zertifizierte Testverfahren verwendet und Behauptungen aufgestellt, die nicht bewiesen werden können“, sagte Daimler-Sprecher Jörg Howe laut einer Mitteilung des Autobauers. Von einem KBA-Verfahren wüssten weder die Behörden noch die Betroffenen, so Howe. Herkunft, Historie und Zustand des getesteten Smarts seien Daimler nicht bekannt.

Ein Fahrzeug des gleichen Typs sei auch im Rahmen des Testprogramms des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) untersucht worden und allein diese Messungen hätten die nötige Aussagekraft. Das KBA hatte im September 2015 die Nachprüfung von über 50 Modellen verschiedener Hersteller in Angriff genommen. Im November hatte die Behörde mitgeteilt, dass auch bei anderen Herstellern erhöhte Abgaswerte gemessen worden seien.

KBA bleibt Ergebnisse nach wie vor schuldig

Konkrete Ergebnisse dieser Messungen liegen jedoch auch nach einem halben Jahr noch nicht vor. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CDU) hatte angekündigt, die Resultate in einem Gesamtpaket zu veröffentlichen, ohne jedoch einen Termin zu nennen. Auch das kritisiert die DUH. Als „Marionette der Autobosse“ verweigere Dobrindt jegliche Transparenz, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Seit Oktober 2015 versuche der Verein, Auskunft über die den Herstellern gemachten technischen Auflagen beziehungsweise die Messwerte zu erhalten.

Zwei Seiten aus den Akten zum VW-Rückruf, die die DUH vollständig geschwärzt erhalten hat, und zum Download zur Verfügung gestellt hat.
Zwei Seiten aus den Akten zum VW-Rückruf, die die DUH vollständig geschwärzt erhalten hat, und zum Download zur Verfügung gestellt hat. (Foto: kfz-betrieb)

Zuletzt hatte die DUH im Zusammenhang mit dem VW-Abgas-Rückruf die Herausgabe von Akten über die Auflagen des KBA gerichtlich durchgesetzt. Und so erhielt der Verein am vergangenen Freitag zwar vom angerufenen Gericht die 581-seitige VW-Akte „zur einwöchigen Einsicht“. Allerdings war Volkswagen nicht mit der Offenlegung einverstanden. Daher war das Dokument komplett geschwärzt.

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