Studie: Wendepunkt in Sachen E-Mobilität erreicht

Deutschland weiter mit ernüchternder Bilanz

| Autor: sp-x

„Das Jahr 2016 markiert den mentalen ‚Tipping Point‘ für die Durchsetzung der E-Mobilität“, sagt Stefan Bratzel.
„Das Jahr 2016 markiert den mentalen ‚Tipping Point‘ für die Durchsetzung der E-Mobilität“, sagt Stefan Bratzel. (Foto: Renault)

Der globale Elektroauto-Markt wird von chinesischen Käufern getrieben: Nach einer Prognose des Center of Automotive Management (CAM) der FH Bergisch Gladbach wird in China 2016 mit rund 400.000 Einheiten die Hälfte des globalen Elektroautoabsatzes stattfinden. Deutschland steht im globalen Vergleich nicht besonders gut dar. Weltweit sehen die Wissenschaftler das Jahr 2016 aber als Wendepunkt in Sachen E-Mobilität.

In den ersten elf Monaten des Jahres 2016 wurden der CAM-Erhebung zufolge in China mehr als 370.000 E-Autos abgesetzt, wodurch sich die E-Fahrzeugverkäufe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelten (plus 96 Prozent) und der Marktanteil von 1,0 auf 1,7 Prozent an den Neuzulassungen anstieg. In den USA sind die Neuzulassungen von Elektroautos im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2015 um 33 Prozent gestiegen, auf mehr als 133.000 E-Fahrzeuge.

In Europa setzt Norwegen seine Sonderrolle fort und kommt bis Ende November 2016 auf mehr als 41.000 Elektrofahrzeuge (plus 39 Prozent). Großbritannien legt wie schon im Vorjahr ebenfalls deutlich zu und setzt im gleichen Zeitraum rund 34.000 E-Fahrzeuge ab, etwa ein Drittel mehr als im Vergleichszeitraum des letzten Jahres. In Frankreich steigen ebenfalls die E-Auto Neuzulassungen signifikant auf 25.617 (+ 29 %).

In Deutschland ist die bisherige E-Auto Bilanz des Jahres 2016 ernüchternd: In den betrachteten elf Monaten steht trotz Förderprämie hier nur ein mageres Plus von 10 Prozent auf 22.339 Elektrofahrzeuge. Dabei legen nur die Plug-in Hybride auf rund 12.263 Fahrzeuge zu (+ 25 %), während die 10.076 Neuzulassungen der reinen Elektrofahrzeuge (BEV) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar einen Rückschritt darstellen (- 3,5 %).

Der Marktanteil von Elektroautos in Deutschland stagniert bei 0,7 Prozent, in Frankreich (1,4 %) und Großbritannien (1,3 %) sind die Anteile nur leicht gestiegen. Die USA liegen bei 0,8 Prozent. Norwegen kommt aufgrund der starken Förderung auf einen Anteil von 30 Prozent.

Deutliche Steigerung in den kommenden Jahren erwartet

Trotzdem rechnen die Wissenschaftler in ihrer Analyse mit einer deutlichen Steigerung der Marktdynamik für die nächsten 10 bis 15 Jahre. „Das Jahr 2016 markiert den mentalen ‚Tipping Point‘ für die Durchsetzung der E-Mobilität“, meint Studienleiter Stefan Bratzel: „Ein Amalgam aus Abgasskandal, nationalen und lokalen Umweltzielen und elektromobilitätsfreundlichen Regulationsinitiativen insbesondere in China hat eine enorme Eigendynamik ausgelöst, die die Strategien der Automobilhersteller massiv beeinflusst.“

Nach einem optimistischen Szenario rechnet Bratzel weltweit mit rund 25 Millionen jährlich neu zugelassenen Elektro-Pkw im Jahr 2025. Das entspräche einem Anteil von 25 Prozent an allen Neuzulassungen. Die konservative Prognose liegt bei einem Anteil von 12 Prozent. Bis zum Jahr 2030 könnte der Anteil von elektrisch angetriebenen Pkw auf 40 Prozent und rund 40 Millionen Pkw steigen.

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