Zukunft des autonomen Fahrens entscheidet sich in China

Wirtschaftspolitik fördert Hightech

| Autor: dpa

(Foto: Daimler)

Beim großen Show-Abend soll für jeden was dabei sein: Einen röhrenden Lamborghini, einen schneeweißen Bentley, auch voll elektrische Autos lässt der Volkswagen-Konzern zur Shanghaier Automesse vorfahren. Am Ende aber ist es „Sedric“, um den sich die meisten Gäste scharen. Mit dem kastenförmigen Konzeptauto ohne Lenkrad, das erstmals im März in Genf präsentiert wurde, hat Volkswagen zum Auftakt in Shanghai einen Nerv getroffen.

Anders als in Deutschland, wo die Skepsis gegenüber intelligenten Autos sogar zunimmt, können es Chinesen kaum erwarten, bis der Traum vom autonomen Fahren Wirklichkeit wird. Eine kürzlich veröffentliche Umfrage der Beratungsgesellschaft Deloitte ergab: Während in Deutschland eine Mehrheit selbstfahrende Autos auch dann ablehnt, wenn Experten sie als sicher einstufen würden, könnten sich in China unter den gleichen Umständen 81 Prozent der Befragten dafür begeistern, das Lenkrad aus der Hand zu geben.

„Chinesen sind aufgeschlossen, wenn es um neue Technologie geht, weil sich alles um sie herum so schnell entwickelt hat“, sagt Cui Dongshu von der Vereinigung der chinesischen Personenwagenhersteller (PCA). Er ist sich sicher: Das große Interesse in China wird dazu führen, dass selbstfahrende Autos schneller kommen, als es sich heute viele vorstellen können. „Das wird ein riesiger Markt.“

China ist der weltweit größte Automarkt und bereits jetzt der größte Markt für Elektroautos. Jetzt bereitet die Regierung autonomen Fahrzeugen den Weg. Die Markteinführung für Autos, die teilweise oder komplett ohne Eingriff von Menschen fahren können, soll ab dem Jahr 2021 vollzogen werden. Zwischen 2026 und 2030 soll das automatisierte Fahren dann bereits weit verbreitet sein, wie ein Konzept der für die Autoindustrie zuständigen Behörde vorsieht. Smarte Autos passen in Chinas neues Wirtschaftskonzept, das auf Hightech statt billiger Produktion setzt.

Neue Allianzen auch in China

Wie eifrig chinesische Entwickler tüfteln, wird auch auf der am Mittwoch gestarteten Automesse in Shanghai deutlich. Der Internet-Gigant Baidu und der größte Pekinger Autobauer Baic zeigten erste Ergebnisse ihrer neu ins Leben gerufenen Kooperation. Auch am Messestand des chinesischen Start-ups Nio wurden Modelle vorgestellt, die es mit US-Pionier Tesla aufnehmen sollen. Die Kalifornier bauen schon heute ihren „Autopiloten“ in Fahrzeuge ein, verweisen jedoch darauf, dass die Hände noch am Steuer bleiben sollen.

Und Deutschland? Anders als bei E-Autos, bei denen deutsche Hersteller hinterherhinken, sehen Experten das Rennen bei der Entwicklung von autonomen Fahrzeugen noch offen.

Volkswagen forscht am Roboter-Taxi „Sedric“, will aber unter anderem mit dem Elektro-SUV „I.D. Cross“ ab 2020 Fahrzeuge auf den Markt bringen, die auch autonom fahren können. BMW hat sich mit dem US-Chiphersteller Intel und dem israelischen Kameratechnik-Spezialisten Mobileye zusammengetan. Daimler forscht gemeinsam mit Bosch und kündigte vor kurzem an, vor 2020 autonome Testflotten auf der Straße haben zu wollen.

Alle Hersteller befinden sich nach den Worten des chinesischen Auto-Analysten Zeng Zhiling jedoch in einem ähnlichen Dilemma. China sei zwar der Markt, auf dem es das größte Interesse gibt. „Allerdings sind die technischen Hürden hier auch am höchsten.“ Der dichte und chaotische Verkehr in Chinas Großstädten mache es sehr schwierig, einem Computer das Fahren beizubringen.

Anderseits könne man das auch als Ansporn sehen: Wer es schaffe, ein Auto zu entwickeln, das autonom durch Peking fährt, „der kann damit überall antreten“.

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