08.02.2008 | Redakteur: Jan Rosenow
Manche Menschen sind einfach zum Verkäufer geboren – so wie Guido Möller aus Schwerin. Nach seiner Lehre als Kfz-Mechaniker in einem Opel-Betrieb ließ er sich zum Automobilverkäufer weiterbilden und arbeitete schon mit 21 Jahren als Verkaufsleiter in einem BMW-Autohaus. Schnell machte er als Autoverkäufer Karriere in mehreren Betrieben in Schwerin und Hamburg.
Parallel dazu begann er ab 1996, Trikes zu vermieten. Das Geschäft entwickelte sich so gut, dass Guido Möller im Jahr 2002 seinen – wie er selbst sagt – „Traumjob“ als Verkaufsleiter eines Audi- und Volkswagen-Partners hinschmiss und in die Selbstständigkeit startete. Schritt für Schritt kamen weitere Marken hinzu: Yamaha-Quads und ATV, die Piaggio-Gruppe, Kymco und 2006 schließlich als erste „echte“ Motorradmarke Ducati. Im Jahr 2007 verkaufte das Trike & Bike Center schon 116 Neumaschinen gegenüber 90 Stück im Vorjahr. An Gebrauchten waren es 146 Einheiten gegenüber 150 im Jahr 2006.
Und das in Schwerin. Mit weniger als 100 000 Einwohnern ist die Stadt in Mecklenburg-Vorpommern die kleinste Landeshauptstadt Deutschlands. Ihr Kaufkraftindex liegt laut GfK rund zehn Prozent unter dem Bundesdurchschnitt, in den umliegenden Landkreisen sieht es noch düsterer aus. Außerdem hat Schwerin seit der Wende fast ein Drittel seiner Einwohner verloren, und zwar vor allem die jungen, mobilen.
Das sind auf den ersten Blick ganz schlechte Voraussetzungen, um Spaßfahrzeuge wie Trikes oder teure Edelrenner wie Ducati zu verkaufen. Doch nicht für Guido Möller. „Trikes und Quads sind das beste Geschäft“, sagt der Jungunternehmer. Typische Trike-Kunden sind über 50 und besitzen keinen Motorradführerschein. „Wenn sie kaufen“, sagt Möller, „dann zahlen sie cash“. Und die Kunden für diese Fahrzeuge kommen nicht nur aus der Region, sondern vor allem aus Hamburg oder Berlin. Fünf Maschinen gingen sogar nach Dubai.
Doch Guido Möller kümmert sich ebenso engagiert um die Motorradfahrer aus Mecklenburg. Im Gegensatz zu vielen anderen Händlern betreibt er ein umfangreiches und aktives Gebrauchtfahrzeuggeschäft. Während anderswo oft nur die in Zahlung genommenen Maschinen verkauft werden, schaut sich der Schweriner gezielt im Internet um und kauft zu – von privat und deutschlandweit. Und er selbst macht sich per Transporter auf den Weg, um die Ware abzuholen – das Gebrauchtgeschäft ist schließlich Vertrauenssache.
Auf die Qualität, die Guido Möller einkauft, kann sich auch der Kunde verlassen. Deshalb gibt es im Trike & Bike Center drei Jahre Garantie auf alle gebrauchten Maschinen. Der Unternehmer bildet 200 Euro Rücklage für jedes verkaufte Motorrad, um sich für Garantiefälle abzusichern.
Die schlichte Leichtbauhalle im Industriegebiet, in der das Unternehmen seit 2003 residiert, versprüht äußerlich nur wenig Charme. Innen ist das schon anders: Das Ambiente ist hell und aufgeräumt, ohne aufgesetzte Biker-Attitüde. Dafür bürgt schon die Person des Chefs, der sich vom Vier- über das Drei- zum Zweirad vorgearbeitet hat. Schließlich sollen sich Ducati-Treiber in seinem Laden genauso willkommen fühlen wie jugendliche Rollerpiloten oder Familienväter, die am Wochenende mit dem Miet-Trike auf Tour gehen wollen.
Manchmal kommt auch von unerwarteter Seite neue Laufkundschaft: Seit in direkter Nachbarschaft ein großer Möbelmarkt eröffnet hat, schauen viele Männer bei Möller rein, während ihre Frauen auf die Jagd nach Schrankwänden und Ledersofas gehen. Das Motorradgeschäft als Spielecke für die Männer – warum nicht?
Das Mietgeschäft mit den Dreirädern ist seit der Firmengründung 1996 das Standbein des Unternehmens. Fünf Miet-Trikes sind das ganze Jahr über angemeldet. Das Team des Trike & Bike Centers weist alle Interessenten, die noch keine Erfahrung mit den dreirädrigen Spaßmobilen haben, genau in das Fahrverhalten ein – eine Stunde Probefahrt inklusive. Denn nur allzu gut erinnert sich der Inhaber an das Jahr 2001, als er drei Trikes mit einem Totalschaden zurückbekam. Probefahrten sind auch mit Quads und ATV möglich. Eine Geländestrecke liegt lediglich fünf Minuten entfernt.
Neben dem Chef arbeiten vier Angestellte im Trike & Bike Center. In diesem Jahr will Möllers Truppe größeren Fokus auf die Bekleidung legen. Auch in diesem Geschäftsbereich legt der Chef Wert auf hochwertige Markenprodukte und will vor allem Kleidung von Yamaha, Ducati und Held verkaufen.
Auch in die Werkstatt will der Schweriner Unternehmer investieren. Bereits jetzt besitzt er ein Ducati-Diagnosegerät, will aber noch einen Leistungsprüfstand anschaffen, um seinen Kunden (Kundenstamm: 800) einen besseren Service bieten zu können. Schon heute gehört zu Möllers Werkstattleistungen ein 24-Stunden-Notfalltelefon. Wenn es sein muss, reparieren seine Leute defekte Maschinen auch direkt beim Kunden.
Guido Möller ist eben einfach zum Verkaufen geboren – aber nicht nur. Der hoch motivierte und engagierte Unternehmer ist ein Alleskönner und zuständig für Verkauf, Einkauf, Marketing und Technik. Er hat sich klare Ziele gesetzt: Zum Beispiel will er eine Direktannahme aufbauen und ein Yamaha-Kompetenz-Center sowie einen Ducati-Store eröffnen.
In wenigen Jahren hat es der heute 33-Jährige vom Automobilverkäufer zum erfolgreichen Unternehmer geschafft – und das in einem schrumpfenden Markt und in einer kaufkraftschwachen Region. Diese Leistung war der „Motorradhändler des Jahres“-Jury den Sonderpreis „Newcomer des Jahres“ wert.

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