BMW überrascht mit Sechszylinder

Eicma 2009: Die Bayern präsentieren eine Studie mit Café-Racer-Elementen und einem neu entwickelten Sechszylinder

11.11.2009 | Autor: Jan Rosenow

Die Zahl Sechs kehrt überall an der BMW-Studie Concept 6 wieder, zum Beispiel bei den Auspufföffnungen. Foto: Rosenow

BMW legt auf der Mailänder Eicma einen selbstbewussten Auftritt hin. Während die japanischen Wettbewerber Honda und Yamaha der einzigen großen Motorradmesse in diesem Jahr fernblieben, mietete das deutsche Unternehmen eine Standfläche, mit der sich kaum ein anderer Aussteller messen konnte, und überraschte das Publikum zudem mit der formidablen Designstudie „Concept 6“.

Dass die Bayern an einem Sechszylinder-Reihenmotor für ihre Motorradsparte arbeiten, war schon länger bekannt. Das Triebwerk soll einen neuen Luxustourer als Nachfolger der K 1200 LT antreiben. Das Motorrad, in dem der Reihensechser bei seiner Mailänder Präsentation steckte, sah allerdings nicht im geringsten nach einem Tourer aus, sonders zeigte sich als knackiges, einsitziges Naked Bike im Café-Racer-Stil.

Laut Chefdesigner David Robb hat das reduzierte Design der Studie den Sinn, den Motor in den Mittelpunkt zu stellen und ihn aus allen Perspektiven sichtbar zu machen. In seiner späteren Verwendung wird das quer eingebaute Aggregat, dessen Zylinderbank wie bei den Vierzylindermodellen des Hauses stark nach vorn geneigt ist, nämlich voraussichtlich hinter Plastiktapete verschwinden.

Fast so kompakt wie ein Vierzylinder

BMW ist besonders stolz darauf, dass der Sechser „rund 100 Millimeter schmaler baut als alle bisherigen Serien-Reihensechszylinder und nur geringfügig breiter als ein aktueller großvolumiger Vierzylinder-Reihenmotor.“ Das ist allerdings ein etwas unfairer Vergleich, da der letzte serienmäßige Motor dieser Bauart aus den späten 70er Jahren stammt (Kawasaki Z 1300).

Neue Leistungsrekorde peilten die Münchener nicht an. Mit ihrem Hubraum von 1.600 Kubikzentimetern soll die Maschine so stark sein wie die Vierzylinder des Hauses, also etwa 170 PS. Mehr Wert legten die Entwickler auf souveränes Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen – das Werk nennt 130 Newtonmeter bereits bei 2.000 U/min, in der Spitze dürften es rund 160 Newtonmeter sein – und eine hohe Laufkultur.

Außerdem soll der Motor durch geringen Kraftstoffverbrauch überzeugen und weniger verbrauchen als ein vergleichbarer Vierzylinder – eine Ansage, mit der BMW angesichts der Reibungsnachteile des Sechszylinders auch die Physiker überraschen dürfte. Über einen Serienstart des ersten Modells mit sechs Zylindern machte das Unternehmen noch keine Angaben.

Boxer dreht jetzt höher

Im Rummel um den Sechser gingen die anderen Neuigkeiten auf dem BMW-Stand beinahe unter. Dabei gab es die neueste Ausbaustufe des anderen klassischen Antriebskonzepts, des Boxers, zu bewundern. Der Zweizylinder bekam einen Zylinderkopf mit zwei obenliegenden Nockenwellen. Das macht höhere Drehzahlen und damit mehr Spitzenleistung möglich.

Verwirklicht hat BMW diese Möglichkeit allerdings nicht – es bleibt bei 81 kW/110 PS. Mit 120 Newtonmeter stehen fünf mehr als bislang zur Verfügung, die maximale Drehzahl liegt nun bei 8.500 statt 8.000 U/min. Ob der Aufwand für die Neukonstruktion gerechtfertigt war, werden wohl erst spätere Motorvarianten zeigen. In der HP 2 Sport war der DOHC-Boxer ja immerhin für über 130 PS gut.

Als erste Modelle bekommen die R 1200 GS und RT den Doppelnocker. Bei der R 1200 RT war der neue Motor zudem Anlass für eine größere Modellpflege. Der Tourer erhält eine überarbeitete Verkleidung, das elektrisch einstellbare Fahrwerk ESA 2, eine neue Audioanlage mit I-Pod-Schnittstelle und eine elektronisch gesteuerte Abgasklappe für bulligeren Klang.


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