01.12.2009 | Autor: Freddi Uhr
Es ist schon ein tolles Gefühl, als Vorreiter die einzig im deutschen Raum verfügbare Vision durch die Schweizer Lande zu führen. Dass ich dies heute ungehemmt tun darf, resultiert aus der Großzügigkeit von Torsten Zimmer (Manager Victory Deutschland) und folgender Idee. Ursprünglich wollte ich meine Mutter zu ihrer 80-Jahre-Geburtstagsfeier mit meiner schon bestellten Vision „vorführen“.
Da zu diesem Zeitpunkt in ganz Deutschland nicht ein (ja, nicht mal mein) Luxus-Knallrad zur Verfügung stand, bot mir Torsten seinen Vorführer an, um mein Vorhaben zu realisieren.
Ganz schnell geprüft, wo das Ding steht und eh man sich‘s versieht sitze ich im Nachtzug nach Hamburg und fiebere meiner zweiten Begegnung mit der Vision entgegen. Bereits im Sommer hatte ich die Möglichkeit, die Vision vor meiner finalen Kaufentscheidung ausgiebig probefahren zu dürfen. Siehe auch „Gefahren: Die Victory Vision verzaubert einen Eidgenossen“ in »bike und business« Juni 2009.
Nach 13 Stunden Dösen im Zugabteil steh‘ ich nun wieder ehrfürchtig vor diesem spacigen Mammut. Nach kurzer mentaler Sammlung bereite ich mich auf die Überführung vor. Ab in die Winter- und Regenklamotten, das Garmin zümo 660 angeklebt und schon geht‘s wieder auf den knapp 1.000 km langen Heimweg.
Im kalten Regen kam mir die Griff- und Sitzheizung wie gelegen. Jedoch nach den ersten 100 Kilometern begann ich fieberhaft und vergebens nach dem Schalter des Eierkochers zu suchen. Auch der Versuch sich, telefonisch über den Deutschland-Generalimporteur Linderung zu verschaffen, blieb erfolglos. Ich wäre wahrscheinlich zum stillen Brüter mutiert, wenn mir nicht die Isoliertasche, die auf meinen Touren immer mit dabei ist, zum ersehnten Temperaturabfall verhalf.
Nach dieser hitzigen Gewöhnungsphase genieße ich das souveräne, ja majestätische Dahingleiten der Vision und ich kann mich mit der üppigen Bordelektronik befassen. Hier kann man dem Reisecomputer allerlei nützliche Infos entlocken.
Zum Beispiel ist die Außentemperatur-Anzeige für die kalten Tage mit keinem „Nice to have“ abzutun. Als sehr nützliches „Highlight“ bewerte ich das elektrisch verstellbare Windschild, mit dem man allen aerodynamischen und klimatischen Situationen gewachsen ist.
Dieser Luxus-Tourer vermittelt dem Fahrer und Beifahrer eine gewisse Sicherheit, die wiederum den Bezug zur Geschwindigkeit ein wenig vermissen lässt. Ich denke aber, das standardmässige ABS wird diesem Manko sicher immer rettend entgegenwirken.
Nun fahr‘ ich alles so richtig eingepegelt, schön gemütlich und mit etwa 140 km/h über die A7, mit den Überlegungen wie sich wohl dieses Schlachtschiff als Alpenkreuzer am Stilfserjoch oder am Splügen-Pass durch die Haarnadeln treiben lässt, als ich jäh‘ aus meinen Gedanken gerissen wurde.
Da überholt mich doch ein Porsche mit röhrenden Endstücken und sicher 100 km/h schneller als ich. Im letzten Moment muss der Fahrer noch was von unserer Erscheinung mitgekriegt haben, denn seine Neugierde lässt den 911 stark abbremsend auf die Kriechspur gleiten, um dann mit verdrehtem Kopf und offenem Mund unser Überholmanöver über sich ergehen zu lassen.
Solche und ähnlich Ereignisse setzen sich dann auch in der Schweiz fort: zum Beispiel, dass kreuzende Biker bei nächster Gelegenheit wenden und dir nach einem freundlichen Ausbremsmanöver beinahe die Maschine weggucken respektive einen doch schon beachtlichen Fragebogen vor die Nase halten. Oder das teils Wanderer sich von ihrem Vorhaben ablenken lassen und sich entzückend und fragend um dieses spacige Knallrad scharen. Es gibt aber auch medienkundige Passanten, die es dann kaum fassen, zu dieser Jahreszeit, auf einer helvetischen Alp, die doch erst vorangekündigte Vision anzutreffen. Hier macht es dann Spaß, die nötige Aufklärungsarbeit zu leisten und es ist erfreulich, wie das futuristische Teil interessiert und bei den Leuten ankommt.
Dass die Vision ein sehr gelungenes Fahrwerk beherbergt, das durfte ich dann ein paar Tage später, abseits der ausgebauten Schnellstraßen erfahren. Jedenfalls den berühmt-berüchtigten Schweizer Schüttelbecher-Test hat sie mit Bravur bestanden. Der „Schüttelbecher“? Das ist das acht Kilometer lange Hochtal am Klausenpass, dessen Bergflanken von den haltlosen Zähnen und Bandscheiben der Biker bespickt sein müssen, den diese verabschieden sich spätestens bei der zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Die Vision verarbeitet locker die Hälfte mehr und gibt mir das Gefühl den Urnerboden zu überfliegen.
Fazit: Die 3.000 Kilometer mit diesem Vorführer bestätigen mir, dass ich mit der Wahl der Victory Vision ins Schwarze getroffen habe und den richtigen Nachfolger für meine etwas in die Tage gekommene Harley-Davidson Roadking gefunden habe.
Victory‘s Ingenieure haben der Vision ein Konzept mit auf den Weg gegeben, dass sie wohl nicht nur den Urnerboden „überfliegen“ lässt. PS: Der einzige Nachteil für mich ist, dass doch recht umfangreiche Outfit meiner neuen Maschine anzupassen...
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