Yamaha: Ende des „Kleinkriegs“ unter Händlern

Händlerverband fordert Hersteller auf, Lagerbestände im Handel drastisch zu reduzieren

19.02.2010 | Autor: Stephan Maderner

Harald Finkl: „Wir brauchen Lösungswege und neue Ideen, denn derzeit ist vielen meiner Kollegen nicht zum Lachen zumute.“

Am 30. und 31. Januar 2010 wählte die Mitgliederversammlung der Interessengemeinschaft der Yamaha-Zweirad-Händler e.V. (IGYH) in Alsfeld einen neuen geschäftsführenden Vorstand. Neuer erster Vorsitzender ist Harald Finkl von Motorrad Finkl aus Königsbrunn bei Augsburg. »bike und business« hat Deutschlands Yamaha-Händlervertreter Nummer eins über die Zukunft der Marke Yamaha in Deutschland befragt.

»bike und business«: Harald Finkl, herzlichen Glückwunsch zur Wahl an die Spitze der Interessengemeinschaft der Yamaha-Zweiradhändler e.V. (IGYH) Welche inhaltlichen Schwerpunkte wollen Sie künftig bei Ihrer Arbeit mit dem Hersteller setzen?

Harald Finkl: Unser gemeinsames Ziel ist es die Marke Yamaha in Deutschland wieder nach vorne zu bringen, dazu ist eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Importeur unabdingbar. Bereits in der Vergangenheit gab es trotz aller Differenzen viele gemeinsam erarbeitete Lösungen, die sowohl dem Importeur als auch dem Handel geholfen haben. Daran wollen wir anknüpfen.

Was liegt Ihnen persönlich am Herzen?

Harald Ich gehe jeden Tag mit Freude in meinen Betrieb, den ich darf ein Produkt vermarkten, daß Emotionen weckt. Was gibt es schöneres, als glänzende Augen eines Kunden nach der ersten Ausfahrt? Ich wünsche mir dass diese Freude wieder mehr Platz einnimmt im Tagesgeschäft und sehe auch darin einen Erfolgsbringer im Handel.

Dazu brauchen wir jedoch Lösungswege und neue Ideen, den derzeitig ist vielen meiner Kollegen nicht zum Lachen zumute. Der „Kleinkrieg“ unter der Händlerschaft muss aufhören, wir können uns diesen nicht mehr leisten. Dazu gehört für mich auch, dass unzugelassene Neufahrzeuge aus den Fahrzeugbörsen verschwinden.

Was zählt zu den drängendsten Aufgaben, die der Hersteller im Verhältnis zu seinen Händlern erledigen muss?

Der Händler muss sich das Vertrauen seiner Kunden erarbeiten, dass gleich gilt für mich im Verhältnis Hersteller – Händler. Wir brauchen wieder mehr Berechenbarkeit. Der Handel will nicht mit kurzfristigen Aktionen überrannt werden, die auch dazu führen, dass die Lager überquellen und das am Ende zu weiteren Verlusten führt. Der Hersteller muss die Lagerbestände im Handel drastisch reduzieren. Denn sonst bleibt der einzige Gewinner die Finanzierungsbank.

Wie bewerten Sie die gegenwärtige betriebswirtschaftliche Lage der Yamaha-Händler? Werden die Renditen weiter unter Druck bleiben?

Ich sehe die Lage markenübergreifend als äußerst angespannt, bei Yamaha vor allem durch den rasanten Marktanteilseinbruch über 125 cm³. Ohne die 125er-Topseller hätte es in den letzten beiden Jahren bereits düster ausgesehen. Wie soll ein Händler einen Umsatzeinbruch von 15 bis 20 Prozent im Jahr ausgleichen? Für 2010 sehe ich noch keine konkreten Möglichkeiten zur Verbesserung der Rendite.

Welche konkreten Hilfen erwarten Sie in der Saison 2010 vom Hersteller?

Ich erwarte ein durchdachtes und langfristig angelegtes Marketing für die 2010er Neuheiten XTZ 1200 Super-Tenere und FZ8, da ich diese Modelle als wichtige Stützen im Modellprogramm sehe. Zugleich erwarte ich dabei eine marktgerechte Preiskalkulation und ein umfangreiches und lieferbares Zubehörprogramm. Die Lieferfähigkeit für weitere wichtige Modell, wie die XJ6, sollte gewährleistet sein, im 50er- Rollerbereich benötigt der Handel dringend neu Modelle und die Prospekte sollten wieder dem hohen Niveau der Produkte entsprechen.

Wo sehen Sie generell Impulse, die das deutsche Zweiradbusiness beleben könnten?

Den wichtigsten Impuls sehe ich in der schnellstmöglichen Umsetzung der neuen Führerscheinrichtlinie, ich bin sogar der festen Überzeugung dass damit Existenzen gerettet werden können. Handel, Hersteller und Verbände müssen hier gemeinsam politischen Druck ausüben.


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