111 Milliarden Dollar für Mobilitäts-Start-ups

Autor Svenja Gelowicz

Die Jagd nach Technologien nimmt rasant an Fahrt auf: Die Investitionen in Start-ups aus der Auto- und Mobilitätsbranche erreichen Rekordhöhen. Allein im letzten Jahr wurden 31 Milliarden Dollar für junge Unternehmen bereitgestellt. Seit 2010 liegt die Summe sogar im dreistelligen Milliarden-Bereich.

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(Bild: Rui de Matos/flickr.com, CC BY-SA 2.0)

Zahlreiche Hersteller haben mittlerweile eigene Kapitalgesellschaften: Die BMW-Tochter „i Ventures“ steckt beispielsweise Geld in den Ladegerätehersteller Chargepoint, in die Mitfahr-App Scoop in die Busplattform bus.com oder in die Online-Werkstatt Caroobi. VW hat dieses Jahr den eigenen Inkubator „Ideation Hub“ eröffnet, und auch Daimler investiert kräftig in verschiedene Start-ups.

Die genannten Autohersteller machen aber nur einen kleinen Teil einer großen Summe aus. Seit 2010 wurden weltweit ganze 111 Milliarden US-Dollar in neue Unternehmen aus der Auto- und Mobilitätsbranche gesteckt, im letzten Jahr mit 31 Milliarden US-Dollar ein großer Teil davon. Die Investitionen der OEMs und Zulieferer machen dabei nur etwa sechs Prozent von der Gesamtsumme aus.

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Deutlich davor liegen Private-Equity-Gesellschaften und Risikokapitalgeber (50 Prozent) sowie Investitionen von Hardware- (25 Prozent) und Softwareherstellern (19 Prozent). Dies ist das Ergebnis einer neuen McKinsey-Studie, für die die Unternehmensberatung mehr als 1.000 Transaktionen in der Auto- und Mobilitätsindustrie seit 2010 analysiert hat.

Das Geld fließt in CASE

Auch die durchschnittliche Investitionssumme steigt: Während 2010 durchschnittlich noch 4,5 Millionen Dollar in ein Start-up investiert wurden, liegt der Mittelwert heute bereits bei 15,8 Millionen Dollar. Geld fließt dabei vor allem in neue Unternehmen, die sich mit Connectivity, autonomes Fahren, Shared Mobility und Elektromobilität auseinandersetzen.

„Die Zukunftsfelder der Autoindustrie wie das selbstfahrende Auto oder elektrische Antriebe basieren auf neuen Technologien. Viele Innovationen in diesen Bereichen werden durch Start-ups oder Technologieunternehmen vorangetrieben, wie zum Beispiel Bild- und Stimmerkennung“, sagt Andreas Tschiesner, Leiter der europäischen Automobilberatung von McKinsey. Junge Unternehmen, die neue Carsharing-Lösungen anbieten, verbuchten mit 36,5 Milliarden Dollar fast ein Drittel der Gesamtinvestitionen, danach folgten Anbieter von Technologien für selbstfahrende Autos (24,1 Mrd. Dollar) und für das User Interface (15,4 Mrd. Dollar).

Autostandort Deutschland muss aufholen

Matthias Kässer, Partner im Münchener Büro von McKinsey und Co-Autor der Studie, warnt die etablierten Player in der Autobranche davor, Trends zu verschlafen. „Traditionelle Autohersteller und Zulieferer müssen aufpassen, dass sie ihren Technologievorsprung nicht an neue Konkurrenten verlieren, die aggressiv in junge Unternehmen investieren und so Zugriff auf innovative Technik, Ideen und Talente bekommen.“ Zwar seien die Investitionen in klassische Forschung und Entwicklung nach wie vor hoch – Autohersteller investierten 2016 rund 77 Milliarden Dollar, Zulieferer weitere 34 Milliarden, doch die Industrie tue sich noch schwer damit, Kooperationsmodelle mit diesen jungen Unternehmen zu finden.

„Damit hat der Autostandort Deutschland Nachholbedarf bei Investitionen“, sagt Kässer. Während seit 2010 mehr als 56 Milliarden Dollar in fast 500 Start-ups aus den USA flossen, verbuchten junge Unternehmen aus Deutschland nur 1,1 Milliarde Dollar für sich, verteilt auf 60 Unternehmen. China (24 Mrd. Dollar), Israel (18 Mrd.) sowie Singapur und Indien mit vier und zwei Milliarden Dollar liegen vor Deutschland.

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