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125 Jahre Auto: Die großen Sportwagen-Jahre

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

In den späten 1960er-Jahren startete ein beispielloser Sportwagen-Boom. Vor allem die Italiener lieferten sich einen aufregenden Wettkampf. Erst die Ölkrise stoppte die Hochleistungsschau.

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Jede Automobilepoche kennt ihre Schwerpunkte - die Aufbruchstimmung ab Mitte der sechziger Jahre brachte entsprechende Impulse vor allem im Sportwagen-Segment. „Flach und breit“ lautete das Credo der Designer, die Reifen vergrößerten dem Vorbild aus der Formel 1 gemäß ihre Lauffläche deutlich. Erst im Herbst 1973 endete diese Ära mit der ersten sogenannten Öl- und Energiekrise.

Die Ära startete atemberaubend: Im März 1966 debütierte auf dem Genfer Automobilsalon der wegweisende Lamborghini Miura P 400 mit quer eingebautem Zwölfzylinder-Mittelmotor - ein Paukenschlag! Plötzlich sahen die 275er Frontmotor-Ferrari nicht mehr ganz so frisch aus, lediglich die Dino-Modelle retteten Maranello vor dem Vorwurf eines verschlafenen Trends.

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Lamborghini etablierte sich mit dem Miura als ernsthaftester Konkurrent des springenden Pferdes. Firmengründer Ferruccio Lamborghini begann 1948 als Traktoren-Fabrikant: sein erster Ackerschlepper entstand unter abenteuerlichen Bedingungen durch Zuhilfenahme von Fahrzeugteilen aus dem Kriegsnachlass der Firmen Ford, General Motors und Morris.

Sportler mit Augenbrauen

Die Ur-Version des Miura trug die Bezeichnung P 400, sie verfügte über die charakteristischen schwarzen „Augenbrauen“-Umrandungen der offenliegenden Klappscheinwerfer. Das Konstruktionsprinzip der Scheinwerfer kopierte Porsche zehn Jahre später beim 928. Marcello Gandini hatte die Proportionen des Miura perfekt ausbalanciert, wobei leichte Anklänge an den Ford GT 40 dem Zeitgeist geschuldet sein dürften.

Die vordere Haube sowie die Heckabdeckung mit der schuppenartigen Motorenabdeckung waren jeweils komplett hochklappbar, was dem Miura-Eigner beim Tankstopp zusätzliches Aufsehen garantierte. 257 kW/350 PS leistete der raumsparend quer platzierte Vierliter-V12. Für Bertone stellte das Design des Miura eine herausragende Arbeit dar, man emanzipierte sich eindrücklich gegenüber Pininfarina und dessen Entwürfen für Ferrari.

Futuristischer, ultraflacher Viersitzer

Damit jedoch nicht genug! Das Team in Sant´Agata Bolognese präsentierte bereits 1967 den Prototyp eines ultraflachen Viersitzers: Marzal lautete der Name des futuristischen und üppig verglasten Gefährts, mit dem das monegassische Fürstenpaar eine Ehrenrunde vor Beginn des 1967er Monaco Grand Prix drehte. Daraus entstand 1968 der Espada.

Doppelscheinwerfer im streng vertikal realisierten Kühlergrill und die unverwechselbaren NACA-Lufteinlässe auf der Motorhaube schenkten dem erneut von Gandini gezeichneten Entwurf eine Aura stilsicher interpretierter Details. Das mit geringer Flächenneigung auslaufende Dach besaß ein konventionelles Heckfenster. V12-Motorisierung war auch beim Espada Ehrensache, hier mobilisierte das Triebwerk zunächst 239 kW/325 PS.

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