125 Jahre Auto: Die großen Sportwagen-Jahre

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Keine Frage, Ferrari musste reagieren auf diesen Doppelangriff des benachbarten Newcomers. 1968 war es soweit. Zwar blieb auch diesmal der konservativ gepolte Commendatore Enzo Ferrari noch dem Frontmotorprinzip treu (erst der Berlinetta Boxer brachte fünf Jahre später den Umschwung), doch die visuelle Ausstrahlung des Modells 365 GTB/4 war so gewaltig, dass hier einhellig von einer Stil-Ikone des Frontmotor-Designs gesprochen werden muß. Sie war das Werk von Leonardo Fioravanti, dem es mit Entwürfen für den Dino sowie den späteren BB ebenfalls gelang, Ferrari ins Mittelmotor-Zeitalter zu führen.

Nennleistung knapp über dem Lamborghini-Konkurrenten

Umgangssprachlich wurde der Ferrari 365 GTB/4 bald nur noch „Daytona“ genannt - eine Hommage an den Ferrari-Dreifachtriumph auf jener US-Rennstrecke im Jahr 1967. Der 4,4 Liter-Zwölfzylindermotor leistete in der im Herbst 1968 auf dem Pariser Automobilsalon debütierenden Version 259 kW/352 PS – womit der Nennleistungswert des Miura in eher absurder Symbolik knapp überboten wurde.

Als konzeptionellen „Bruder im Geiste“ etablierte Maserati gegenüber dem Ferrari Daytona sogar zwei Jahre zuvor ein Modell, das heutzutage zu den großen Würfen der Dreizack-Marke gezählt wird: den Ghibli (I). Auch hier reüssierte das bewährte und einst vom Jaguar E-Type 1961 modern interpretierte Design-Konzept: Ellenlange Motorhaube, darunter der klassische, drehmomentstarke Maserati-4,7 Liter-V8 mit 228 kW/310 PS.

Dank dieses Ghibli-Entwurfs etablierte sich Giorgio Giugiaro unter den Top-Designern, damals arbeitete der spätere Ital-Design-Chef noch für Ghia. Doch produziert wurde der Ghibli, den mancher Sportwagen-Interessent dem etwas rundlicher gezeichneten Ferrari Daytona vorzog, bei Vignale.

De Tomaso mit ungewöhnlichem Design

Die Parade außergewöhnlicher italienischer Sportwagen jener Jahre wäre unvollständig ohne Alejandro de Tomaso. Der Argentinier lancierte seinen „Mangusta“, ebenfalls eine Giugiaro-Schöpfung, im Jahr 1967. Der Achtzylinder-Mittelmotor mit 4,7 Liter Hubraum kam aus den Großserienbeständen von Ford. Spektakulär die „Gull Wing“-Konstruktion der Motorabdeckung - die beiden mittig angeschlagenen Formteile klappten steil nach oben. Eine diffizile Gewichtsverteilung und zu wenig Modellpflege ließen den Mangusta unter seinen Möglichkeiten bleiben.

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Besser erging es De Tomaso ab 1970 mit dem Pantera: das Tom Tjaarda-Design überzeugte sofort, der „Panther“ etablierte sich als preiswertere Alternative gegenüber Ferrari und Lamborghini. Das Mittelmotor-Coupé verwendete großvolumige V8-Triebwerke von Ford, was ihm allerdings die letzten Weihen in der Supersportwagen-Liga vorenthielt. Exklusivität ist eben auch eine Frage der Herkunft...

Nicht vergessen werden darf im Konzert der Supersportwagen zwischen 1966 und 1973 die Marke Mercedes. Denn auf der IAA 1969 debütierte mit dem C 111-I eine für Daimler-Benz-Verhältnisse derartig spektakuläre Mittelmotor-Konstruktion, dass daraufhin ein weltweites Echo erwuchs, wie es zuvor nur 1954 bei der New Yorker Premiere des Flügeltüren-300 SL registriert werden konnte.

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