125 Jahre Auto: Die großen Sportwagen-Jahre

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Das kleine Entwicklungsteam um Dr. Hans Liebold und den legendären Versuchschef und Rennsport-begeisterten Rudolf Uhlenhaut hatte in nur wenigen Monaten seit der Konstruktionsfreigabe im Dezember 1968 die Bündelung einer Reihe technischer Höhepunkte im Visier: Dreischeiben-Wankelmotor, Kunststoff-Karosserie mit Flügeltüren nach 300 SL-Vorbild - und eine Fahrwerks-Konzeption, die auch für Renneinsätze geeignet war.

206 kW/280 PS wurden auf Anhieb erreicht, doch dieser Versuchsträger nervte mit mangelnder Standfestigkeit der Wankelmotoren sowie den unbefriedigenden Elastizitätswerten im Fahrleistungskapitel. Deshalb stand nur sechs Monate später, im März 1970, mit der dann im legendären Orange („Weißherbst-metallic“) gehaltenen Karosserie (Designer waren unter anderem Friedrich Geiger und Bruno Sacco) eine verbesserte Version. Dieser C 111-II besaß einen Vierscheiben-Wankelmotor mit 257 kW/350 PS und schaffte damit Tempo 300.

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Wäre Daimler-Benz seinerzeit über seinen Schatten gesprungen (als „Bremser“ galt intern ausgerechnet Vorstandschef Joachim Zahn), dann hätten die Deutschen auf einen Schlag die Superliga der Sportwagen aufgemischt und um das seinerzeit vielleicht interessanteste Modell bereichert.

Lamborghini Countach: Wie vom anderen Stern

Kurz vor der Zäsur durch die Energiekrise Ende 1973 gab es erneut zwei wichtige Modelle aus dem Kreativ-Baukasten von Ferrari und Lamborghini. Obgleich der 365 GT/4 Berlinetta Boxer durch die endlich vollzogene Mittelmotor-Konfiguration überzeugte, wurde ihm die Schau gestohlen. Und zwar wieder von Lamborghini, wo der Countach so brutal-futuristisch wirkte wie das Raumschiff Enterprise im Umfeld des Komödienstadels.

Marcello Gandini hatte sich in der Formgebung des nun mit längs eingebautem V12 aufwartenden Lamborghini-Flaggschiffs komplett neu orientiert, während Ferraris Pininfarina-Stilisten beim BB Boxer im Frontbereich sogar Elemente des 1969er C 111-I interpretierten. Der Berlinetta Boxer, mit 180 Grad-Zwölfzylinder-Flachmotor (also kein „richtiger“ Boxer!) auch hier neu positioniert, präsentierte sich mit einem ungewöhnlich langen vorderen Überhang.

Mit 375 beziehungsweise 380 PS spielten beide Modelle erwartungsgemäß ihr Leistungsduell quasi pari aus. Aber die Präferenzen waren dennoch ungleich verteilt: Traditionalisten tendierten zum Ferrari BB, und auch manche Miura-Fans meinten, der Countach wäre eine Spur zu brutal. Doch wer den Countach für modisch hielt, täuschte sich: Noch heute wirkt er wie von einem anderen Stern, während der BB sich klar in seiner Epoche vororten lässt.

kfz-betrieb ONLINE« beleuchtet in einer Serie immer Freitags die Geschichte des Automobils. Klicken Sie sich auch durch unsereChronologiemit Highlights und Anekdoten aus 125 Jahren Automobilgeschichte. Übrigens: Auch »kfz-betrieb« feiert in diesem Jahr Jubiläum. Die Fachzeitschrift gibt es seit 100 Jahren.

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