Pirelli 150 Jahre Reifen – und anderes

Von Jan Rosenow

Das 1872 gegründete Unternehmen wurde mit Gummiwaren aller Art binnen weniger Jahre zum Global Player. Daneben haben die Italiener Spuren in der Kunst und im Rennsport hinterlassen. Bei einer Jubiläumsgala thematisierte das Unternehmen jetzt auch schwierige Phasen in seiner Geschichte.

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Bei der Jubiläumsveranstaltung am 28. Januar 2022 interviewte Moderatorin Ilaria D’Amico mit Alberto Pirelli auch einen Vertreter der Gründerfamilie.
Bei der Jubiläumsveranstaltung am 28. Januar 2022 interviewte Moderatorin Ilaria D’Amico mit Alberto Pirelli auch einen Vertreter der Gründerfamilie.
(Bild: Alfonso Catalano)

Mit einem Festakt im Piccolo Teatro in Mailand leitete der italienische Reifenhersteller Pirelli am 28. Januar die Feierlichkeiten zu seinem 150. Jubiläum ein. Eine Bühnenaufführung führte Zeugnisse, Stimmen und Bilder aus der Geschichte des Unternehmens zusammen, die am 28. Januar 1872 begann.

Im Alter von nur 23 Jahren gründete Giovanni Battista Pirelli eine Firma, die auf ein damals völlig neues Material setzte: Gummi. Zu Beginn stellte er Isolatoren für Telegrafen und Kabel her, welche die entferntesten Punkte des damals gerade erst vereinten Italiens miteinander verbanden. Das Unternehmen dehnte sein Geschäft schnell weltweit aus und produzierte neben Kabeln Gebrauchsgegenstände (von Badekappen über Spielzeug bis hin zu Regenmänteln), aber seit Ende des 19. Jahrhunderts auch Reifen für Fahrräder und Automobile.

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Seine Reifen promotete das Unternehmen von Anfang an im Rennsport. Besonders denkwürdig war die Rallye Peking-Paris von 1907: Prinz Scipione Borghese legte in einem mit Pirelli-Reifen ausgestatteten Itala 17.000 Kilometer zurück – und traf 20 Tage vor dem Zweitplatzierten im Ziel ein. Heute ist Pirelli bei über 350 Motorsportwettbewerben vertreten, beispielsweise in der Formel 1, der Rallye-WM und dem Superbike-Motorradrennsport.

Im Laufe seiner Geschichte befand Pirelli sich stets im Dialog mit Künstlern und Intellektuellen. Dabei entstand beispielsweise der heute bei Sammlern weltweit begehrte Pirelli-Kalender, die Publikationen und Ausstellungen der Fondazione Pirelli sowie der moderne Wolkenkratzer von Pirelli (der Pirellone), der ein Symbol für Mailand ist und bis in die Sechzigerjahre der Hauptsitz des Unternehmens war.

Gescheiterte Übernahme von Continental

Die Pirelli-Manager ließen auf der Festgala auch die Schwierigkeiten nicht unerwähnt, mit denen das Unternehmen in seiner Geschichte zu kämpfen hatte – so die gescheiterten Fusionen mit Dunlop und Continental in den Neunzigerjahren sowie der Plan zum Einstieg in die Telekommunikation ab Beginn der 2000er-Jahre über die Telecom Italia. Letztlich überwand Pirelli diese Krisen, indem sich der Konzern wieder auf das Kerngeschäft Reifen konzentrierte.

Ein rein italienisches Unternehmen ist Pirelli allerdings nicht mehr. 2015 übernahm der chinesische Konzern Chemchina alle Aktien, brachte Pirelli aber bereits zwei Jahre später wieder an die Börse. Die Chinesen blieben seither der größte Einzelaktionär.

Nach der Ausgliederung der Lkw- und Industriereifensparte ist Pirelli heute ein reiner Pkw- und Zweiradreifenspezialist mit über 30.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Euro im Jahr 2020. Damit befinden sich die Italiener unter den größten Reifenherstellern der Welt auf Platz 7 (Quelle: Reifenpresse.de).

Pirelli will sein Jubiläum mit einer Vielzahl von Kommunikations- und Werbemaßnahmen feiern. Im Mittelpunkt sollen dabei die zwölf Länder stehen, in denen man Fabrikanlagen betreibt – also auch Deutschland. Hierzulande fertigt Pirelli in Breuberg im Odenwald in einer seiner größten Fabriken weltweit Pkw- und Motorradreifen. Die Italiener hatten 1963 die deutschen Veith-Gummiwerke und 1986 den Motorradreifenspezialisten Metzeler übernommen.

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