Carl Friederichs 180 Jahre Experte in K&L

Autor: Steffen Dominsky

Karosserie- und Lackbetriebe gibt es viele. Doch welche wurden schon 1840 gegründet? Und welche haben rund 140 Mitarbeiter? Bei der Carl Friedrichs GmbH aus Frankfurt/Main ist beides der Fall.

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Ein echter Pullmann: Spezialanfertigung von Friedrichs auf Maybach-Basis.
Ein echter Pullmann: Spezialanfertigung von Friedrichs auf Maybach-Basis.
(Bild: Holger Peters Fotografie)

In den von der Carl Friederichs GmbH aus- und umgerüsteten Fahrzeugen saßen schon politische Größen wie Angela Merkel oder Wladimir Putin. Das Unternehmen, das als herrschaftlicher Kutschenbauer in der Biedermeierzeit begann, ist mittlerweile einer der führenden Fahrzeug- und Karosseriebaubetriebe in Deutschland und weltweit. Heute sind die Spezialkarossen der Carl Friederichs GmbH allen voran als Geldtransporter, Ambulanzen, Polizeifahrzeuge oder eben auch gepanzerte Limousinen auf dem gesamten Globus im Einsatz.

Vor 180 Jahre gründete Heinrich Ludwig Friederichs seinen „Sattler- und Carossierbetrieb“. Zu dieser Zeit lagen eine Lehre als Sattler- und Wagenbauer sowie sechs Jahre Wanderschaft hinter ihm. Auf seinem langen Weg machte er unter anderem Station in London, St. Petersburg und Moskau. Dort arbeitete er bei Konstrukteuren hochherrschaftlicher Kutschen. 1838 kehrte er in die Heimat zurück. Am 1. Juli 1840 eröffnete er einen Betrieb, der sich auf die Konstruktion von aufwendig gestalteten Pferdekutschen für reiche Handelsherren und russische Fürsten spezialisierte.

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Es begann eine Blütezeit für das Sattler- und Karosseriebauhandwerk. Die Kutschen unterlagen der Mode – es gab Akzente in Bezug auf Form, Farbe und Innenausstattung. Und es gab unterschiedliche Kutschen für unterschiedliche Zwecke: Landauer, Coupé, Mylord, Halbverdeck, Gig und Break. Auch die Lackierung der Kutschen war eine Wissenschaft für sich: Eine Remise wurde hierzu völlig nass gemacht, und der Lackierer arbeitete bei einer Temperatur von circa 30 Grad Celsius nur mit einer Hose bekleidet und mit verbundenen Haaren. Nach dieser Prozedur wurde der Raum abgeschlossen, und niemand durfte ihn in den nächsten drei Tagen betreten, bis der Firnis (lösemittelhaltiger, klarer Anstrich) angetrocknet war.

Ab den Zwanzigern ein Schwenk zu Nutzfahrzeugen

1876 übernahm Carl Friederichs, der Sohn des Gründers den Betrieb. Er führte das Unternehmen in die Epoche der motorisierten Fahrzeuge. Schließlich waren die ersten Automobile nichts anderes als Kutschen, die man in mühevoller Kleinarbeit in Motorfahrzeuge umbaute. Carls Söhne Heinrich und Rudolf steuerten ab 1900 das Unternehmen. Heinrich wurde das erste Patent einer Cabriolet-Karosserie für Automobile zugeteilt. Das leitete in einen neuen Zweig des Karosseriebaus über: Die Einzelanfertigung von Automobilkarossen für Hersteller wie Maybach, Benz, Mercedes, Packard, Peugeot, Adler, Austro-Daimler, Steyr, Horch und Lassalle. Der Gewinn von Schönheitskonkurrenzen und von goldenen Medaillen bestätigen die Leistungsfähigkeit der Frankfurter. Im Auto & Technik Museum in Sinsheim steht heute – in Form eines Modells W5 SG – der älteste, fahrbereite Maybach, eine Limousine aus dem Jahr 1926, dessen Karosserie von Friederichs stammt.

Ab 1920, bedingt durch die Fließbandfertigung von Automobilen, verlor der maßgefertigte Karosseriebau an Bedeutung. Deshalb stellte Friederichs den Betrieb auf Reparaturen und den Bau von Nutzfahrzeugen um. 1946, nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft, übernahm Rudolf Friederichs Sohn Heinz die Leitung des Unternehmens. Es wurden die ersten Lacktrockenöfen aufgestellt. Die Lackierungen trockneten jetzt innerhalb von ein bis eineinhalb Stunden. Nach mehreren Zwischenstationen fand Friederichs schließlich in der Hardenbergstraße sowie ab 1964 in der Schlitzer Straße im Osten Frankfurts seine neue Heimat.

Als die Energiekrise Anfang der Siebzigerjahre eine Rezension auslöste, erschloss Heinz Friederichs, der Urenkel des Gründers, kurzerhand internationalen Märkte – ein bis heute wichtiges Standbein des Unternehmens. Ab den Neunzigern erweiterte die Carl Friederichs GmbH ihren Kundenkreis um Leasingfirmen, Versicherungen und Unternehmensflotten. Einerseits Global Player, andererseits Local Hero: Im Rhein-Main-Gebiet ist das Unternehmen eine der ersten Adressen für die Reparatur und Lackierung von Fahrzeugen – mit einem der größten und modernsten Lackierzentren. An den beiden Standorten in Frankfurt stehen rund 140 Mitarbeiter in Lohn und Brot.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group