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25 Jahre ESP: Durchbruch nach dem „Elchtest“

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Wehner

Das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) ist ein Meilenstein in der Geschichte der Verkehrssicherheit - und so etwas wie Anton van Zantens Lebenswerk. Vor 25 Jahren kam es auf den Markt. Ein heute legendärer Unfall brachte den Durchbruch.

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Mit dem Einbau in der Mercedes A-Klasse war das ESP im Massenmarkt angekommen.
Mit dem Einbau in der Mercedes A-Klasse war das ESP im Massenmarkt angekommen.
(Bild: Daimler)

Dass er an etwas Großem feilt, das war Anton van Zanten immer klar. Und auch, dass es funktionieren würde. „Ich war davon überzeugt, dass das ESP das Schleudern und damit schwere Unfälle verhindern wird“, sagt van Zanten. „Aber ich wusste nicht, wie viele Menschenleben man damit tatsächlich retten konnte.“ Es sollten viele Tausend werden - und es kommen stetig welche dazu.

Vor 25 Jahren ging das von van Zanten bei Bosch entwickelte Elektronische Stabilitätsprogramm - kurz ESP - in der S-Klasse von Mercedes-Benz erstmals in Serie. Heute ist es, wie Sicherheitsgurt oder Airbag, aus den meisten Autos gar nicht mehr wegzudenken. 82 Prozent aller Neufahrzeuge weltweit, heißt es bei Bosch, seien inzwischen mit ESP ausgerüstet. Die Technik baut im Prinzip auf dem Antiblockiersystem (ABS) und der Antriebsschlupfregelung (ASR) auf, kann aber deutlich mehr.

Bis zu 80 Prozent aller Schleuderunfälle könne das ESP verhindern

„Das ESP ist dazu da, das Schleudern zu verhindern“, sagt der mittlerweile 80 Jahre alte van Zanten, der in den 1980er-Jahren bei Bosch mit der Entwicklung des Systems begann. Das klingt simpel, und im Prinzip passt das System tatsächlich bloß darauf auf, dass das Auto dorthin fährt, wohin es gelenkt wird. Aber ganz so simpel ist es dann doch nicht.

Ein Netz aus Sensoren prüft permanent Lenkwinkel, Bremsen, Motorleistung und – ganz wichtig – die sogenannte Gierrate, die Auskunft darüber gibt, ob und wie schnell sich das Auto um seine Vertikal- oder Hochachse dreht, sprich: ob es schlingert. Im Notfall wird das ESP aktiv, bremst einzelne Räder ab, greift gegebenenfalls auch in die Motorleistung ein und hält das Fahrzeug so in der Spur. Bis zu 80 Prozent aller Schleuderunfälle könne das ESP verhindern, heißt es bei Bosch.

Langer Weg zur Serienreife

Van Zanten hatte einst in den USA eine Forschungsarbeit über das Antiblockiersystem bei Nutzfahrzeugen geschrieben. Auch bei Bosch arbeitete er zunächst daran, wie er erzählt, wechselte dann in die Entwicklungsplanung. Dort stieß seine Idee eines Schleuderschutzes auf großes Interesse. Van Zanten begann seine Tüftelei an der Technik zunächst mit Simulationen am Computer. „Am Anfang habe ich allein daran gearbeitet“, sagt er. Nach etwa zwei Jahren seien weitere Mitarbeiter dazugekommen. „Dann konnten wir auch ein Fahrzeug ausrüsten“, erinnert sich van Zanten. „Nach vier Jahren hatten wir ein Testauto auf der Straße.“

Bis zur Serienreife sollte es trotzdem noch dauern. 1992, zehn Jahre nach van Zantens ersten Ideen, tun sich Bosch und Daimler-Benz zusammen und lassen ihre Experten fortan gemeinsam an der Technik arbeiten, die zunächst noch Fahrdynamik-Regelung oder kurz FDR heißt. An ersten Schritten einer solchen Technik hatte der Stuttgarter Autobauer zuvor selbst schon gearbeitet. Aber ein „Schlüsselelement“, lobt der Konzern heute, sei der von Bosch produzierte Gierratensensor gewesen.

Start in der Mercedes S-Klasse

Weitere drei Jahre später, im Mai 1995, kommt schließlich das neue Mercedes-Benz-Modell S 600 Coupé der Baureihe 140 auf den Markt - das erste Auto, das ESP gleich serienmäßig an Bord hat. Im September des gleichen Jahres kommen laut Daimler die ebenfalls mit einem V12-Motor ausgestatteten S 600 Limousinen und der SL 600 hinzu. Nach und nach ist das System zudem in einigen weiteren Oberklasse-Modellen als Option erhältlich.

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