25 Jahre ESP: Durchbruch nach dem „Elchtest“

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Dass relativ schnell nicht nur die besonders zahlungskräftige S-Klasse-Kundschaft auf ESP vertrauen kann, liegt an einer heftigen Blamage. Bei einem Autotest in Schweden kippt 1997 eine A-Klasse von Mercedes bei einem Ausweichmanöver um. Der heute legendäre „Elchtest“ wird damals zum PR-Debakel für Daimler und seinen Hoffnungsträger aus der Kompaktklasse.

Der Autobauer tritt nach kurzem Zögern die Flucht nach vorn an und nimmt die A-Klasse für einige Wochen vom Markt. Als sie wiederkommt, hat auch sie serienmäßig ESP an Bord. Von 1999 an ist das System sogar in allen Mercedes-Benz-Pkw Serie. Und andere Hersteller ziehen nach.

Seit 2014 in der EU vorgeschrieben

Seit 2014 ist ESP für alle Neufahrzeuge in der EU Pflicht - wenn auch nicht für alle unter diesem Namen. ESP ist eine Daimler-Marke, andere Hersteller haben teils andere Bezeichnungen für die Technik.

„Der Elchtest hat natürlich den ganzen Prozess beschleunigt“, sagt van Zanten heute. Vorher hätten viele Hersteller die Technik nur als Option in ihren Fahrzeugen anbieten wollen, viele Autokäufer hätten sie zudem gar nicht gekannt und den Wert nicht einschätzen können. „Für die Verkehrssicherheit war das ein Glücksfall“, sagt van Zanten rückblickend. Und natürlich habe auch Bosch selbst profitiert. Der Zulieferer hatte eigentlich nur mit sehr geringen Stückzahlen geplant, und die Entwicklungskosten seien enorm gewesen. „Das hätte lange gedauert, die wieder hereinzuholen.“

Eine halbe Million Unfälle verhindert

Die hauseigene Unfallforschung von Bosch geht davon aus, dass das ESP seit seiner Premiere allein in der EU rund 15.000 Menschen das Leben gerettet und knapp eine halbe Million Unfälle mit Personenschaden verhindert hat. In einer Statistik der Unfallforscher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft für die Jahre 2000 bis 2013 ist von rund 200.000 Unfällen mit Verletzten und rund 6.000 Todesfällen die Rede, die verhindert werden konnten.

Bis heute hat Bosch nach eigenen Angaben mehr als 250 Millionen ESP-Systeme gefertigt. Anton van Zanten ist seit 2003 im Ruhestand. 2016 wurde ihm der Europäische Erfinderpreis für sein Lebenswerk verliehen. Seine Erfindungen, so die Begründung der Jury, hätten die Straßen weltweit sicherer gemacht.

Mercedes und dem Auto, das dem ESP einst unfreiwillig den Durchbruch brachte, ist der 80-Jährige treu geblieben. Er fährt bis heute A-Klasse.

(ID:46812130)