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30 Jahre Mercedes SL R129: Die Gegenwart des Roadsters begann gestern

| Autor / Redakteur: sp-x / Yvonne Simon

Mit diesem Roadster katapultierte sich Mercedes in die Zukunft exklusiver Cabriolets. Vereinte er doch erstmals alles, was wohlhabende Sonnenfans bis heute goutieren: Mächtige V12-Motoren unter markantem Design, elektronische Sicherheitsfeatures und extrateure Sondereditionen.

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Mit dem Roadster SL der Reihe R 129 katapultierte sich Mercedes in die Zukunft exklusiver Cabriolets.
Mit dem Roadster SL der Reihe R 129 katapultierte sich Mercedes in die Zukunft exklusiver Cabriolets.
(Bild: Daimler)

Seine moderne, aber keineswegs modische Linie mit angedeuteter Keilform wies 1989 so weit in die Zukunft, dass der Mercedes SL der Baureihe R 129 die Idee des Luxus-Roadsters bis ins 21. Jahrhundert beschleunigte. „Das perfekteste Auto, das ich zu verantworten habe“, soll Mercedes-Designchef Bruno Sacco später einmal gesagt haben. Tatsächlich kürte eine internationale Journalisten-Jury diese fünfte Generation der SL-Serie mit dem renommierten Turiner „Car Design Award“ – und wie echte Oldtimer wirken die eleganten Sportwagen trotz frischer H-Kennzeichen-Berechtigung bis heute nicht.

Natürlich tragen dazu die technischen Finessen des Frischluftstars bei, dessen Aluminium-Hardtop zwar nur in manueller Arbeit abzunehmen ist, dafür dann ein elektrohydrauliches Verdeck freigibt. Vor allem aber setzte der Sternträger völlig neue Standards für Cabrios durch Sicherheitsinnovationen wie den automatisch ausfahrenden Überrollbügel und die sogenannten Integralsitze mit integrierten Sicherheitsgurten und Gurtstraffern. Nicht fehlen durften zudem Delikatessen wie adaptives Dämpfungssystem mit verstellbaren Stoßdämpfern.

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Mehr Technik wagen, unter diesem Motto präsentierte Mercedes diesen SL vor 30 Jahren auf dem Genfer Salon, wo er als neuer Mr. Sunshine in der Welt offener Jaguar, Porsche oder Aston Martin gefeiert wurde. Mehr als 50.000 Vorbestellungen für einen Luxus-Sportwagen zum Marktstart, das hatte es noch nicht gegeben. Verantwortlich für diesen Hype war natürlich auch das muskulöse und später beständig ausgebaute Motoren-Portfolio: Neben neuen Reihen-Sechszylindern und kraftvollen V6 wie V8 setzte der SL 600 erstmals auf V12-Power und fast 400 PS aus sechs Litern Hubraum.

Damit begann in der feinen Frischluft-Szene ein fröhliches Aufrüsten, das bis heute nicht an Dramatik verloren hat. Notwendig waren die leistungsstarken Triebwerke übrigens auch, weil es der SL sonst an Leichtfüßigkeit vermissen ließ. Wurde das Typenkürzel SL beim nur 1.200 Kilogramm schweren Flügeltürer von 1954 noch als „Super-Leicht“ interpretiert, touchierte die Baureihe R 129 beladen bereits die 2,3 Tonnen-Marke. Das war sogar deutlich mehr als der direkte Vorgänger R 107 – gerne als Panzer bespöttelt – oder der schwergewichtige Jaguar XJS V12 auf die Waage brachten. Andererseits forderten in den SL-Typen 280 bis 600 die vielen neuen Sicherheitstechniken und die für Cabrios konkurrenzlos vielen Komfortfeatures Tribut. Tatsächlich wurden fortan die luxuriösen Luftikusse fast aller Marken gewichtiger und im Kampf gegen die Trägheit durch Pfunde half zusätzliche motorische Muskelmasse meist besser als Leichtbau.

Stärkstes Cabriolet Anfang der Neunziger

Wichtig war also beim Roadster R 129 die Wahl des richtigen Motors und da reichte das Programm vom seidenweichen Reihen-Sechszylinder in den Cruisern 280 und 300 SL über den drehfreudigen 300 SL-24 mit Vierventil-Technik und die ab 1998 eingebauten V6 bis zum bärenstarken V8 im 500 SL. Dessen 240 kW/326 PS trieben das Trumm von Sportwagen bei Beschleunigungsduellen so vehement voran, dass sogar Porsche-911-Piloten staunten. Und den Entwicklern des BMW 850i mit frischem Fünfliter-V12 bewiesen die Daimler-Techniker die überlegenen Kraftreserven eines durch 24-Ventile geschärften V8.

Bis heute gilt der Fünf-Liter-V8 im 500 SL (ab 1993 SL 500 genannt) als besonders begehrenswertes Kraftwerk für die Baureihe, was vielleicht auch an den für viele Käufer gerade noch kalkulierbaren laufenden Unterhaltskosten liegt. Die Grenzen des Machbaren erreichte das damals sportlichste Mercedes-Modell jedoch erst mit dem 1992 lancierten V12 im Spitzentyp 600 SL. Zum Anschaffungspreis einer noblen Penthouse-Wohnung garantierte der 290 kW/394 PS produzierende Zweisitzer (die optionale Fondbank orderten nur sechs Prozent der SL-Käufer) das Prestige des damals stärksten Cabriolets überhaupt. Kein offener Aston Martin oder Ferrari stellte mehr Power bereit als der Wagen, den die Mercedes-Werbung als „Sommernachtstraum“ titulierte.

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