Maserati 50 Jahre Bora

Autor: Steffen Dominsky

Quasi kaum Rundungen, stattdessen das ganze Fahrzeug ein einziger Keil. Und der war dank potentem V8 bis zu 280 km/h schnell. Doch der Mittelmotorsportwagen aus Modena erschien zu einer ungünstigen Zeit, was ihn heute um so rarer macht.

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Gerade einmal 564 Exemplare entstanden vom Maserati Bora von 1972 bis 1978. Als Anfang der Siebziger die Ölkrise ausbrach, trennte sich die damalige Maserati-Mutter Citroën von ihrer Tochter. Die Produktionszahlen brachen entsprechend ein.
Gerade einmal 564 Exemplare entstanden vom Maserati Bora von 1972 bis 1978. Als Anfang der Siebziger die Ölkrise ausbrach, trennte sich die damalige Maserati-Mutter Citroën von ihrer Tochter. Die Produktionszahlen brachen entsprechend ein.
(Bild: Maserati)

Genau ein halbes Jahrhundert ist es her, da stellte Maserati sein erstes Straßenfahrzeug mit Mittelmotor vor. Das Unternehmen brach damals in eine neue Ära auf. Die Bauweise, bei der sich das Triebwerk hinter dem Fahrer, aber noch vor der Hinterachse befindet, ist typisch für den Motorsport. Dort hatte sie Maserati bereits 1961 erstmals erfolgreich mit dem Tipo 63 eingesetzt. Der Bora übertrug das Konzept auf die Straße und wurde zum Vorreiter weiterer Maserati-Modelle mit Mittelmotor. Ihm folgten Modelle wie der Merak und dann mit langem zeitlichen Abstand der MC12.

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Exakt am 11. März 1971 debütierte der Bora auf dem Genfer Automobilsalon. Maserati hatte das Design bei Giorgetto Giugiaro von Italdesign in Auftrag gegeben. Zu seinen Vorgaben gehörte es, die sportliche Performance mit Aspekten wie Design, Komfort und Sicherheit zu verbinden. Giugiaro schuf ein zweisitziges Coupé mit einfachen, sehr eleganten Linien, die dem Bora ein harmonisches Aussehen verliehen.

Das Konzept war futuristisch. Die flache, schlanke und vergleichsweise spitze Frontpartie war so gestaltet, dass sie förmlich durch die Luft pflügte. Der Frontgrill bestand aus zwei rechteckigen Lüftungsschlitzen mit einem Dreizack in der Mitte. Die glatten Seitenflächen waren zentral durch eine dünne schwarze Gummiabdeckung getrennt, während das Heck in einem Kamm endete.

280 km/h: vor 50 Jahren eine echte Ansage

Als Antrieb kam der bewährte V8-Motor mit 4,7 Litern Hubraum und einer Leistung von 310 PS bei 6.000 min-1 zum Einsatz. Zwei Jahre später wurde er durch ein 4,9-Liter-Aggregat ersetzt. Der Motor war in Längsrichtung auf einem im Monocoque installierten Hilfsrahmen montiert. Das technische Konzept des Fahrzeugs stammte von Giulio Alfieri. Zu den besonderen Merkmalen gehörten Klappscheinwerfer, die den Luftwiderstand reduzierten, ein heckseitig angeflanschtes Hinterachsdifferenzial, unabhängige Aufhängungen an allen Rädern (zum ersten Mal bei einem Maserati), Scheibenbremsen rundherum, eine trocken gelagerte Einscheibenkupplung, ein Fünfganggetriebe sowie Teleskopstoßdämpfer.

Der Bora vereinte Komfort und Leistung und bot eine Höchstgeschwindigkeit von über 280 km/h (Werksangabe). Das agile Ansprechverhaltens des Motors und der leise Innenraum sorgten zudem für Fahrfreude. Bis 1978 entstanden in der wirtschaftlich schwierigen Zeit gerade einmal 564 Exemplare des Bora sowie ein ganz besonderes Exemplar: der spektakuläre Boomerang. Er war ein Coupé-Prototyp von Giugiaro mit futuristischer Technik und extrem keilförmiger Karosserie, der als Vorlage für den Bora diente.

Schnell, steil und selten

Ein Grund für den bescheidenen Verkaufserfolg war die Ölkrise ab 1973, die für stark gestiegene Kraftstoffpreise sorgte. Vor diesem Hintergrund war ein Durchschnittsverbrauch des Bora von bis zu 25 Litern auf 100 Kilometer eine echte Ansage. Zudem erschwerte die Tatsache, dass der Bora lange Zeit nicht die US-amerikanischen Zulassungsbestimmungen hinsichtlich Außengeräusch, Abgase und Sicherheit (Stoßstangen) erfüllte, höhere Produktionszahlen.

Und last but not least trennte sich Citroën, der damalige Eigentümer von Maserati, von dem Sportwagenbauer, was diesen in Bedrängnis brachte. So musste er „auf die Schnelle“ unter anderem neue Vertriebswege organisieren. Das führte dazu, dass die Produktionszahlen von 56 im Jahr 1975 auf lediglich 6 im darauffolgenden Jahr einbrachen. Unter der neuen Leitung von Alejandro de Tomaso wurde das Modell technisch überarbeitet, ehe es 1978 ohne direkten Nachfolger auslief.

27 Jahre nach dem Debüt des Bora debütierte wieder ein Bora. Der war allerdings – wie die meisten wissen dürften – kein Sportkeil aus Italien, sondern eine „Rucksack“-Variante aus Wolfsburg, namentlich des Golf 4. Dass VW seine Mittelklasselimousine ebenfalls Bora nannte, ist verständlich. Auch der Großkonzern hatte seine Modelle seit den Siebzigern entweder nach Sportarten (Polo, Golf, Derby) oder nach Winden benannt (Passat, Scirocco).

Dass die Wolfsburger ihr Modell genauso wie Maserati nennen konnten, liegt vermutlich in der Tatsache begründet, dass die Italiener den Namen sich nicht haben schützen lassen. Und als Maserati 1993 an Fiat ging, interessierte eine Namensgleichheit fünf Jahre später vermutlich auch niemanden mehr.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group