50 Jahre Chevy Camaro: Wahrer Sportsfreund

Autor / Redakteur: Ampnet/Thomas Lang / Thomas Günnel

Am 21. Juni 1965 erhielten die 200 führenden US-Motorjournalisten ein Telegramm, das zu einer geheimnisvollen Pressekonferenz einlud. Eine Woche später präsentierte der GM-Vorstand im Detroiter Hilton-Hotel das Projekt „Panther“.

Firmen zum Thema

Der Name „Camaro“ ist vom französischen „Camarade“ (dt.: Freund) abgeleitet.
Der Name „Camaro“ ist vom französischen „Camarade“ (dt.: Freund) abgeleitet.
(Bild: 67 Chevrolet Camaro / Greg Gjerdingen / BY-SA 2.0)

Vor 50 Jahren brachte Chevrolet den ersten Camaro auf den Markt – und reagierte mit dem sogenannten „Pony Car“ auf den sensationellen Erfolg, den Ford mit dem 1964 vorgestellten Mustang eingeleitet hatte. Das Rezept für ein Pony Car war einfach: eine sportliche Coupé-Karosserie auf preiswerter Großserientechnik, angetrieben von einem V8. Beim Preis legte Ford bei Einführung des Mustangs 2.368 Dollar vor.

Seit April diesen Jahres ist die sechste Generation des Camaro auf dem Markt. Als echtes „Muscle Car“ macht der Camaro mit maximal 477 kW/649 PS seiner Gattung mehr als alle Ehre.

Bei seinem Erscheinen löste der Ford Mustang 1964 förmlich ein Erdbeben aus. Binnen weniger Wochen hatten die kaufwilligen Amerikaner die Händler mit mehr als 150.000 Bestellungen überschwemmt. 680.000 Mustang gingen im ersten Jahr an die Kunden. Da wollten und konnten die Verantwortlichen bei General Motors die Füße nicht stillhalten. Ihre Antwort auf den Mustang trug den Name Camaro. Der Begriff war von dem französischen Wort „camarade“ abgeleitet.

Codename „Panther“

Im April 1965 berichtete die amerikanische Fachpresse, dass Chevrolet unter dem Codename „Panther“ ein eigenes Pony Car entwickelte. Am 21. Juni 1965 erhielten die 200 führenden Motorjournalisten des Landes ein Telegramm, das zu einer geheimnisvollen Pressekonferenz eine Woche später einlud. Am 28. Juni präsentierte der GM-Vorstand im Detroiter Hilton-Hotel und via Telefonkonferenz in 14 anderen US-Metropolen das Projekt Panther. Das Auto selbst feierte am 12. September 1966 in Detroit seine Premiere. Bei der Markteinführung am 29. September fungierte der Camaro als 67er-Modell. Traditionell beginnt bei den amerikanischen Automobilherstellern das neue Modelljahr nach den Werksferien im Sommer.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 12 Bildern

Als Plattform für den ersten Camaro diente der Chevrolet Nova. Ein braves Mittelklasseauto, mit den damals klassischen technischen Zutaten einer blattgefederten, angetriebenen Hinterachse. Der Camaro war als Coupé und Cabrio konzipiert. Als Einstiegsmotorisierung bot Chevrolet zwei 3,8- beziehungsweise 4-Liter-Reihensechszylinder mit 104 kW/140 PS und 116 kW/155 PS an. Die V8 mit Hubräumen zwischen 4,9 und 6,5 Liter mobilisierten 157 kW/210 PS bis 280 kW/375 PS. 1969 folgte die Topmotorisierung mit einem 7-Liter-V8 und satten 317 kW/425 PS. Damit stieg der Camaro zu den Muscle Cars auf. Um ein möglichst breites Kundenspektrum anzusprechen, stellte das Marketing des Herstellers eine Liste mit 80 optionalen Ausstattungsdetails, Paketen und Motorisierungen zusammen. Vom Modelljahr 67 setzte Chevy insgesamt 220.906 Einheiten ab. 1969 waren es dann 243.085 Exemplare.

Streik und Ölkrise

Bereits zum Modelljahr 1970 erfolgte die Ablösung durch die zweite Generation. Mit regelmäßiger Modellpflege blieb sie bis 1981 in Produktion. Die flache lange Front prägte den optischen Auftritt des Zwei-plus-zwei-Sitzers, ebenso die rahmenlosen Seitenscheiben und das flach abfallende Heck.

Die Markenschwester Pontiac präsentierte auf der identischen Basis ihr Pony Car Firebird. Die Motoren stammten im Wesentlichen vom Vorgänger. 1972 lähmte ein 174-tägiger Streik die Produktion des Camaros. Wegen falsch ausgeführter Sicherheitsvorschriften für Stoßfänger wanderten zudem 1.100 Exemplare in den Schrott. Teile des GM-Managements waren angesichts dieser Probleme versucht, gleich den Stecker des Camaro-/Firebird-Projekts zu ziehen. Immerhin brachte Chevrolet in jenem Jahr noch 68.656 Einheiten an den Kunden.

Schärfere Abgasvorschriften und die erste Ölkrise setzten 1973 allen Pony Cars zu. Chevrolet dampfte die Motorenpalette drastisch ein. Der 5,7-Liter-V8 mit 182 kW/248 PS war nun die stärkste Variante. 1975 fixierten 106 kW/145 PS aus 5,7 Liter Hubraum den Tiefpunkt der Leistungsreduzierung. Für das Modelljahr 1979 standen wieder 129 kW/175 PS zur Verfügung.

Das günstige Verhältnis des Dollars zugunsten der D-Mark verschlankten 1979 einen 5,7-Liter Camaro Berlinetta auf dem deutschen Markt auf knapp 27.000 D-Mark. Bald zählte das auffällige amerikanische Coupé durchaus zu den regelmäßigen Erscheinungen auf deutschen Straßen. Bis heute ist der 79er-Jahrgang des Camaro mit 282.571 Einheiten der populärste aller Zeiten.

(ID:44313111)