50 Jahre Opel Kadett: Duell mit dem Käfer

Autor / Redakteur: sp-x / Gerd Steiler

Vor fünfzig Jahren sollte der Opel Kadett den VW Käfer von seinem Platz an der Spitze der Zulassungszahlen schubsen. Tatsächlich gelang dem kleinen Kadett A ein Siegeszug, der die Bochumer Produktionsstätte bis zur Kapazitätsgrenze belastete.

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Der Opel Kadett sollte vor 50 Jahren dem VW Käfer Paroli bieten.
Der Opel Kadett sollte vor 50 Jahren dem VW Käfer Paroli bieten.
(Foto: Opel)

Mit dem Opel Kadett wollte General Motors vor 50 Jahren den VW Käfer vom Thron des internationalen „Volks“-Wagens stoßen. Immerhin war der Kadett schon in der Vorkriegszeit ein Vorreiter moderner Kompaktklasseautos gewesen. Über 100.000 Einheiten der kleinen Vierzylinder-Limousine wurden bis 1940 produziert, während in Wolfsburg die Volkswagen erst in den Nachkriegsjahren in nennenswerter Stückzahl das Krabbeln lernten.

Erfolg durch Vielfalt

So lief 1962 dann unter dem traditionsreichen Namen der kantig gezeichnete Opel mit neu konstruiertem 1,0-Liter-Vierzylinder in einem eigens errichteten Werk in Bochum vom Band. Der Kadett präsentierte sich in großer Karosserievielfalt: Die klassische Limousine, das Coupé, der „Caravan“ und der Lieferwagen „Caravan Combi“ waren Vorboten einer neuen Ära, die drei Jahre später beim Kadett „B“ bereits eine wahre Flut an Varianten hervorbrachte. Nicht nur das, der Kadett Caravan war außerdem einer der ersten kompakten Kombis und zusammen mit dem größeren Rekord Caravan so erfolgreich, dass Mitte der 1960er Jahre jeder zweite in Deutschland verkaufte Kombi ein Opel war.

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Innovativ war der neu entwickelte und überquadratische Kurzhub-Benziner.. Der 29 kW/40 PS oder optional 35 kW/48 PS leistende 1,0-Liter-Vierzylinder beschleunigte den gerade einmal 670 Kilogramm wiegenden Kadett auf fast sportliche Fahrleistungen. Gekoppelt wurde der Motor an ein gleichfalls neues, bereits vollsynchronisiertes Viergang-Getriebe mit sportiver Knüppelschaltung.

„Opel Kadett - O.K.“

„Opel Kadett – kurz gesagt O.K.“ lautete das selbstbewusste Motto einer Anzeigenkampagne zur Markteinführung. Insgesamt 50 Millionen Mark, eine damals gigantische Summe, ließ sich GM die Entwicklung dieses Kleinwagens kosten, für den sogar ein neues Werk errichtet werden musste. Die 1960 erfolgte Grundsteinlegung in Bochum gab der Öffentlichkeit und auch der Konkurrenz erste Hinweise auf eine neue Kleinwagen-Modellreihen. Die Details blieben allerdings bis kurz vor der Pressepräsentation des Kadett im August 1962 geheim. Vielleicht lag es an diesem Überraschungsmoment, dass der Opel-Frischling deutlich lautstarker gefeiert wurde als der fast parallel vorgestellte Ford 12M mit Frontantrieb. Die Kunden dankten es dem klar konturierten Kleinwagen mit einem Bestelleingang, der anfänglich die Kapazitäten des Werks weit überstieg.

Duell mit dem Käfer

Lieferzeiten von fünf Monaten wurden die Regel. Kein Wunder: Mit einem Basispreis von 5.075 Mark kostete der Kadett nur 95 Mark mehr als der VW 1200 Export, bot aber dennoch mehr Kofferraum, Komfort und Kraft. „Der schnellste Käfer der Welt“, konterte VW die Tempo-Offensive der Konkurrenz. Ungeschlagene Sieger blieben die Volkswagen in ihrer Klassenlosigkeit. Dagegen verkörperte der Kadett A den bezahlbaren Traum vom Kleinwagen für aufstrebende Angestellte.

Zum Absatzmillionär wurde der noch variantenreichere Kadett B, der schon 1965 in Produktion ging und wie der Vorgänger unter dem Markennamen Buick sogar in den USA verkauft wurde. Viel wichtiger war damals ein Königsmord: Der Kadett B stieß den Käfer vom Thron der Zulassungsstatistik. Ein vorübergehender Erfolg. Heute ist der Käfer der King unter den H-Kennzeichen-Dekorierten, der Kadett A dagegen selten wie eine blaue Mauritius.

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