Audi-NSU 50 Jahre Vorsprung durch Technik

Autor: Steffen Dominsky

Vor einem halben Jahrhundert erfand ein Audi-Werbetexter den bekannten Slogan. Und lange Zeit war er nicht nur ein bloßer Spruch. Mit zahlreichen technischen Entwicklungen untermauerten die Ingolstädter ihr selbst gestecktes Ziel.

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Im Januar 1971 erschien der neue Claim „Vorsprung durch Technik“ erstmals in einer großformatigen Anzeige.
Im Januar 1971 erschien der neue Claim „Vorsprung durch Technik“ erstmals in einer großformatigen Anzeige.
(Bild: Audi AG)

Die Geschichte der Auto Union und ihrer einzelnen Marken ist vieles: facettenreich, turbolent, interessant, tragisch und vor allem technisch brilliant. Ähnliches gilt für NSU. 1969 fusionierten die Neckarsulmer NSU Motorenwerke notgedrungen mit der Auto Union GmbH mit Sitz in Ingolstadt zur Audi NSU Auto Union AG am Standort Neckarsulm. Die Modellpalette des neuen Unternehmens war sprichwörtlich „kunterbunt“ und reichte von den luftgekühlten Motoren der NSU-Prinz-Baureihe mit Heckantrieb über die wassergekühlten Vierzylindermotoren der frontgetriebenen Audi 60 und Audi 100 bis hin zum Wankelmotor des futuristisch designten NSU Ro 80.

Und so dauerte es nicht lange, bis ein gewisser Hans Bauer bereits im Jahr darauf auf die Idee kam, die technische Vielfalt des Hauses offensiv als Wettbewerbsvorteil zu kommunizieren. Der Mitarbeiter der Audi-NSU-Werbeabteilung erfand den Werbeslogan – inzwischen spricht man Neudeutsch vom „Markenclaim“ –, der sich Menschen weltweit einprägen sollte: „Vorsprung durch Technik“. Im Januar 1971 erschien der neue Slogan erstmals in einer großformatigen Anzeige. Wenig später sahen Kunden ihn auch auf den Audi-NSU-Prospekten: Ob Audi 100, Audi 100 Coupé S, Audi 80 oder Audi 50 – sie alle standen jetzt für „Vorsprung durch Technik“. Es folgten Abwandlungen des Slogans wie „Audi. Ein schönes Stück Technik“ oder „Audi. Gelassen fahren mit perfekter Technik“, doch schon bald kehrte das Unternehmen zum einprägsamen Original zurück.

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Technik im Wandel

Mit der Vorstellung des Audi quattro im Jahr 1980 trat der Spruch immer häufiger in der Werbung in Erscheinung. Auf der A9 an der Autobahnausfahrt Ingolstadt-Nord wurde auf einem Hochhaus die damals größte Leuchtreklame Europas montiert: das rot-braune Audi-Oval mit dem Zusatz „Vorsprung durch Technik“. Spätestens seit Oktober 1986, als dieser sich auch in den Verkaufsprospekten des Audi 80 manifestierte, gehörte „Vorsprung durch Technik“ zum festen Bestandteil der Audi-Unternehmensidendität, der „Corporate-Identity“. Und heute, 50 Jahre später, ist er nicht mehr wegzudenken.

In einer neuen Sonderausstellung mit dem Titel „50 Jahre Vorsprung durch Technik“ zeigt das Museum Audi Forum Neckarsulm Besuchern diese Leidenschaft für Technik im Wandel der Zeit. Doch welche Meilensteine haben das Fundament dafür gelegt, dass „Vorsprung durch Technik“ über viele Jahrzehnte den Innovationsdrang von Audi dokumentiert hat? Einer der wichtigsten Meilensteine ist sicher die Quattro-Technologie. Sie hat nicht nur die Rallye-Erfolge der Marke begründet, sondern steht für den Transfer von Erfahrungen aus dem Rennsport in die Serie.

Dazu gehören aber auch Technologien wie die 1994 erstmals im Audi A8 verwendete Alu-Space-Frame-Technologie (ASF). Statt aus Stahl ist diese komplett aus einzelnen Aluminium-Komponenten gefertigt, ähnlich einem Fachwerk. Zudem feierte 1999 der Aluminium-Kompaktwagen Audi A2 1.2 TDI Premiere: Er war das erste und ist bis heute das einzige viertürige Drei-Liter-Auto. Anfang der 2000er-Jahre begann das „Audi Jahrzehnt“ in Le Mans. Mit neuen Technologien wie FSI, Turbo-FSI, Laserlicht und Hybrid dominierten die „vier Ringe“ das berühmte Langstreckenrennen etliche Male.

Dem Slogan fehlt es an Nahrung

Dann begann die Strahlkraft des berühmten Claims „Vorsprung durch Technik“ zu verblassen. Bereits 2013 titelte der „Spiegel“: „Vorsprung durch Rhetorik“. Technologische Neuerungen produzierten andere. Während BMW mit dem i3 ein innovatives E-Fahrzeug auf den Markt brachte und Toyota bereits seit vielen Jahren mit seiner Hybridtechnologie erfolgreich unterwegs war, tat man sich in Ingolstadt mit hervorspringender Technik schwer.

Wolfgang Dürheimer, damaliger Entwicklungsvorstand bei Audi, prognostizierte für 2020 einen sechsstelligen Absatz vom Audi e-tron-, einem batterieelektrischen Fahrzeug. Nicht einmal die Hälfte war es dann tatsächlich im vergangenen Jahr, obwohl der Audi e-tron bereits seit 2018 vom Band läuft. Mit welchen fortschrittlichen Technologien das Unternehmen künftig seinen nunmehr 50 Jahre alten Markenclaim befeuern will: Man darf gespannt sein.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group