Jake brake 60 Jahre Knatterbremse

Autor: Steffen Dominsky

Sie ist laut, aber hochwirksam: die Motorbremse, die das US-Unternehmen Jacobs Vehicle Systems ab 1961 produzierte. Inzwischen kommt die von Clessie Cummins entwickelte Dekrompressionsbremse auch hierzulande zum Einsatz.

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Clessie Lyle Cummins (1888 bis 1968) war der Gründer der Cummins Engine Co. Der Unternehmer und Tüftler erhielt 33 US-Patente für seine Erfindungen – eine davon: die Jake brake.
Clessie Lyle Cummins (1888 bis 1968) war der Gründer der Cummins Engine Co. Der Unternehmer und Tüftler erhielt 33 US-Patente für seine Erfindungen – eine davon: die Jake brake.
(Bild: Clessie Cummins)

Vor genau 60 brachte Jacobs Vehicle Systems eine neuartige Motorbremse für Nutzfahrzeuge auf den Markt: die Kompressionsbremse. Der Erfinder der sogenannten Jake Brake war Clessie Cummins, der Gründer der heutigen Cummins Inc. Bereits 30 Jahre zuvor hatte er bei einem Lkw-Wettrennen von New York nach Los Angeles festgestellt, dass eine feine Sache wäre, wenn Nutzfahrzeuge, die die bergigen Regionen des mittleren Westens zu bewältigen haben, eine leistungsfähige und dauerhaft belastbare Bremseinrichtung hätten. Doch erst 1955 beschäftigte er sich mit der Idee einer Motorbremse als Ergänzung bzw. Alternative zu den klassischen Radbremsen.

Cummins Ansatz: Die Nockenwelle verfügt neben dem Nocken für die Ventilbetätigung über einen dritten Nocken für den Kraftstoffinjektor. Über einen einfachen Nachrüstmechanismus wird dessen Bewegung auf das Auslassventil übertragen. Dieses öffnet den Nocken kurz vor dem obereren Totpunkt. Der Motor muss bis dorthin also Arbeit leisten, um die angesaugte Luft entsprechend zu verdichten. Anschließend aber profitiert er nicht mehr von der Explosionsenergie des Kraftstoff-Luftgemischs. Die Kraftstoffförderung wird auf Null gefahren und die komprimierte Luft entweicht in den Auspufftrakt. Der Motor arbeitet in dieser Phase quasi nur noch als Kompressor: Er verdichtet Arbeit und damit Energie und fungiert somit als „Bremse“.

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Inzwischen auch in Europa angekommen

Den einzigen Schönheitsfehler, den diese Technik lange Zeit hatte: Die in den Abgasstrang sich schlagartig entlassene Luft erzeugt ein sehr lautes Geräusch, weshalb die Benutzung der Jake brakes in den USA innerhalb geschlossener Ortschaften oftmals verboten ist. Auch deshalb wurden Jacobs-Motorbremsen lange Zeit ausschließlich in Nordamerika verkauft und waren anfangs nur im Aftermarket erhältlich. Ende der Achtzigerjahre wuchs jedoch das Interesse der Nutzfahrzeugindustrie. Von da ab gab es das System auch ab Werk zu kaufen.

Mittlerweile produziert Jacobs auf drei Kontinenten und beliefert mehr als 30 Nutzfahrzeughersteller in Europa, Asien, Afrika, Nord- und Südamerika. 2020 hat das Unternehmen seine neunmillionste Motorbremse ausgeliefert. Neben besagter Motorbremse stellen die Amerikaner auch klassische Auspuff-, Entlüftungsbremsen und Dekompressionsbremsen her. Außerdem die nächste Generation von Motorbremsen, die sogenannte „High Power Density“-Motorbremse (HPD). Sie kommt unter anderem auch bei Lkw und Bussen des Daimler-Konzerns zum Einsatz.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group