60.000 neue Rückrufe belasten Daimler-Bilanz zusätzlich

Autobauer kassiert steigende Gewinnerwartung

| Autor: dpa

(Bild: Daimler AG)

Den Autobauer Daimler holt die Affäre um mutmaßlich manipulierte Dieselmotoren mehr und mehr ein. Weil die Stuttgarter nun einen hohen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag für laufende behördliche Verfahren und die Dieselumrüstung von Mercedes-Benz Dieselautos zurücklegen, wird es dieses Jahr wohl nichts mit den ursprünglich ausgelobten Gewinnaussichten. Der erst seit einem Monat amtierende neue Konzernchef Ola Källenius und sein ebenfalls erst jüngst angetretener Finanzvorstand Harald Wilhelm starten folglich mit einer schweren Bürde in ihre neuen Aufgaben.

Verschärft hat die Lage ein Pflicht-Rückruf mit Sofortvollzug für rund 60.000 Diesel-Geländewagen vom Typ Mercedes-Benz GLK 220, den das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Freitag angeordnet hat. Das KBA sieht in den Fahrzeugen eine illegale Abgastechnik verbaut. Zuerst hatte die „Bild am Sonntag“ darüber berichtet. Es handelt sich um Fahrzeuge mit den Motoren OM 651 und OM 642. Daimler weist die Vorwürfe einer Manipulation von Abgaswerten allerdings wie schon in früheren Fällen zurück. Man wolle sich juristisch gegen den Betrugsvorwurf wehren, sagte ein Konzernsprecher.

Der Verdacht gegen das fragliche Mercedes-Modell GLK 220 CDI aus den Produktionsjahren 2012 bis 2015 war Mitte April publik geworden. Damals hieß es, das KBA sei im Herbst 2018 auf eine verdächtige Software-Funktion bei dem Motor OM 651 gestoßen. Demzufolge sollen Abgaswerte mithilfe eines Computerprogramms gesenkt worden sein - aber nur auf dem Prüfstand und nicht im täglichen Verkehr.

Druck auf den Konzerngewinn

Angesichts der neuen Entwicklung rechnet die Daimler-Führung für das Gesamtjahr nun nicht mehr mit einem Anstieg des Konzernergebnisses vor Zinsen und Steuern um 5 bis 15 Prozent – sondern nur noch mit einem operativen Gewinn etwa auf Vorjahresniveau, wie der Konzern am Sonntagabend in Stuttgart mitteilte. Die Van-Sparte mit den leichten Nutzfahrzeugen dürfte in diesem Jahr operativ sogar in die roten Zahlen rutschen statt einen kleinen Gewinn einzufahren.

2018 hatte der Daimler-Konzern im laufenden Geschäft 11,1 Milliarden Euro verdient. Analysten rechneten für das laufende Jahr im Schnitt zuletzt noch mit einem Anstieg des Ergebnisses auf 11,8 Milliarden Euro. Daraus dürfte nun nichts mehr werden.

Maßgeblich für die Neueinschätzung der Ergebnisaussichten sei ein Anstieg der erwarteten Aufwendungen für verschiedene laufende behördliche Verfahren und Maßnahmen betreffend Mercedes-Benz Dieselfahrzeuge, hieß es vom Konzern. Bereits im vergangenen Jahr hatte Daimler seine Aktionäre mit einer Gewinnwarnung enttäuscht – und diese damals mit nahezu gleichem Wortlaut begründet. 2018 hat das Unternehmen unter anderem für die Umrüstung von Dieselmotoren einen mittleren dreistelligen Millionen-Betrag aufwenden müssen – und das ohne Rückstellungen gerechnet.

Die jetzige amtliche Anordnung ist für Daimler nicht die erste. Vergangenen August hatten die Behörden einen Rückruf von europaweit 690.000 Dieseln des Konzerns angeordnet. Betroffen vom Verdacht der illegalen Abschalteinrichtungen waren der Kleintransporter Vito sowie unter anderem Varianten der C-, E- und S-Klasse oder der SUVs GLC, GLE und GLS. Daimler bestreitet weiterhin, illegale Abschalteinrichtungen verwendet zu haben.

Ohnehin laufen die Geschäfte aber nicht mehr so rund, weil auch die Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA die Branche belasten, genauso wie die Einführung neuer Abgas- und Verbrauchstests in der EU. Ex-Chef Dieter Zetsche hatte in seiner letzten eigenen Bilanz für das vergangene Jahr einen herben Gewinneinbruch verkündet.

Zetsche hat es Källenius überlassen, für die Zukunft festzulegen, an welcher Stelle im Konzern nun der Gürtel eng geschnallt werden muss. Details dazu blieb der Schwede aber bisher schuldig. Am 22. Mai erst hatte Källenius das Ruder von Zetsche übernommen, der nach über 13 Jahren an der Konzernspitze sein Amt abgab. Nach einer Abkühlungsphase will sich Zetsche in zwei Jahren in den Aufsichtsrat wählen lassen.

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