VW Nutzfahrzeuge 65 Jahre Bulli-Werk

Autor: Steffen Dominsky

Seine Fans nennen ihn liebevoll Bulli – zumindest die älteren. Sein Geburtsort seit dem 8. März 1956: das Werk von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) in Hannover-Stöcken.

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1950 begann VW, im Werk Wolfsburg den Transporter („Bulli“) zu bauen. Schnell kam das Werk an seine Kapazitätsgrenze, und es musste eine weitere Produktionsstätte geschaffen werden. Sie ging vor genau 65 Jahren in Hannover in Betrieb.
1950 begann VW, im Werk Wolfsburg den Transporter („Bulli“) zu bauen. Schnell kam das Werk an seine Kapazitätsgrenze, und es musste eine weitere Produktionsstätte geschaffen werden. Sie ging vor genau 65 Jahren in Hannover in Betrieb.
(Bild: VNW)

In den Kinos läuft „Charleys Tante“ mit Heinz Rühmann. Aus kleinen Transistorradios tönt der Elvis-Presley-Hit „Love me tender“. Und die Deutschen entdecken ihre Liebe zum Automobil: Das sogenannte Wirtschaftswunder wächst heran. Der Volkswagen Käfer ist bestverkaufter Pkw des Jahres 1955; er knackt die Marke von einer Millionen produzierter Fahrzeuge. Auch der Transporter ist heißbegehrt.

Die Kapazität im Wolfsburger Stammwerk, wo das später „Bulli“ genannte „Büsschen“ bereits seit 1950 gebaut wird, reicht längst nicht aus, um die Nachfrage zu decken. Brot, Bier und Buletten müssen zum Verbraucher – ebenso Fernseher und Kühlschränke. Mit anderen Worten: Es müssen mehr von diesen Transportfahrzeugen hergestellt werden. Wie? Na mittels eines neuen Werks!

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Über 235 Städte und Gemeinden bewerben sich damals um den Zuschlag. Heinrich Nordhoff, Generaldirektor der Volkswagenwerk GmbH und späterer Vorstandsvorsitzender der Volkswagenwerk AG, gewinnt den Aufsichtsrat für den von ihm favorisierten Standort Hannover. Wesentliche Vorteile sind die unmittelbare Nähe zum Mittellandkanal und ein bestehender Verschiebebahnhof. Aber Nordhoff erkennt bereits damals: „Den Wert eines Unternehmens machen nicht Gebäude und Maschinen und auch nicht seine Bankkonten aus. Wertvoll an einem Unternehmen sind nur die Menschen, die dafür arbeiten, und der Geist, in dem sie es tun.“

Ein ganzes Werk in gerade mal einem Jahr gebaut

Zunächst beginnen 372 Bauarbeiter in einem schneereichen Winter, das neue Werk zu errichten. Schon Ende März 1955 packen auf der Baustelle 1.000 Personen an. Der durch einsetzendes Tauwetter inzwischen aufgeweichte, matschige Boden muss mit Bohlenwegen gesichert werden, damit Lkw Baumaterial anliefern können. Auf dem Gelände selbst wächst eine kleine, provisorische Stadt heran – mit Baubüros, Versorgungs- und Unterkunftsbaracken, Kantinenzelten. Auch geschäftstüchtige Händler mit Verkaufsbuden siedeln sich hier an. Nach nur zwölf Wochen ragen die Mauern schon über vier Meter in die Höhe. 28 Kräne sind im Dauereinsatz, 22 große Mischmaschinen spucken täglich 5.000 Kubikmeter Beton aus. Insgesamt werden 1.750.000 Kubikmeter Erde bewegt – so viel wie damals 256.000 Lastwagenladungen.

Ab Mai 1955 tummeln sich rund 2.000 Arbeiter auf der Riesenbaustelle. 600.000 Quadratmeter Schalholz werden für den Betonguss verbraucht. Zum Vergleich: „Damit hätte man einen ein Meter breiten Holzsteg von Wolfsburg nach Basel bauen können“, schreibt ein Journalist damals. Gleichzeitig schult Volkswagen bereits neue Mitarbeiter für die Transporterfertigung. Mit einem dafür extra eingesetzten Zug fahren sie jeden Tag um 4:10 Uhr vom Hauptbahnhof in Hannover nach Wolfsburg, wo sie in die Produktion des Bulli eingewiesen werden. 3.000 Beschäftigte sollen den reibungslosen Produktionsstart garantieren. In nur wenigen Wochen wird der Karosseriebau eingerichtet, im Februar 1956 ist auch der mehrgleisige, zehn Kilometer lange Bahnanschluss zum Werk fertig.

Am 8. März 1956 startet die Serienproduktion eines künftigen Symbols der Wirtschaftswunderjahre in Hannover-Stöcken mit dann 4.000 Mitarbeitern. Bis 1967, dem Ende der ersten Transportergeneration, laufen in Deutschland 1,8 Millionen Bulli vom Band. Bis heute sind in dem niedersächsischen Werk mehr als zehn Millionen Fahrzeuge gefertigt worden. Aktuell wird der T6.1 montiert; noch in diesem Jahr startet die Produktion des neuen Multivans (mit konventionellem Antrieb sowie als Plugin-Hybrid). Im kommenden Jahr folgt das erste rein elektrische Automobil, das von Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover in Großserie gefertigt wird: der ID. Buzz.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group