70 Jahre Peugeot 203: Hollywood-Glamour gegen die Nachkriegstristesse

Seite: 2/3

Anbieter zum Thema

Dazu passte auch der bescheidene Typencode 203 für die ausgewachsene Reiselimousine, die sich auf schnellen Routes Nationales eigentlich wohler fühlte als im dichten Gewimmel rund um den Arc de Triomphe in Paris. Tatsächlich entsprach das Layout dieses Stromlinien-Tourers der späten 1940er Jahre eher einem Nachfolger für die stattlichen Vorkriegs-Aero-Typen Peugeot 302 oder 402 als dem Erben des kleinen 202, aber die unruhigen politischen Gegebenheiten in der 1946 ausgerufenen Vierten Französischen Republik forderten besonnenes Handeln.

Für die Fahrzeugindustrie sollten Pläne umgesetzt werden, nach denen sich jeweils ein Hersteller auf Kleinwagen, ein anderer auf Mittelklassemodelle und ein dritter auf große Limousinen konzentrieren sollte. In diesem Wettlauf um Lizenzen zwischen der gerade verstaatlichten Riege Renault, Citroën und Panhard sowie Simca wollte die Familie Peugeot die Rolle des Jokers übernehmen, denn der 203 passte ja in mehrere Segmente.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 9 Bildern

Am Ende kam es anders und jeder Hersteller konnte sich doch wieder unbekümmert nach Belieben in allen Klassen engagieren. Aber das ist bereits eine Geschichte der Fünften Französischen Republik, in der Peugeot zum vorübergehend größten Automobilkonzern Europas aufstieg. Das Fundament für diesen sensationellen Erfolg legte der Peugeot 203, dessen Wurzeln in den finstersten Zeiten des Weltkriegs liegen.

Kleiner Hubraum bei großer Leistung und hoher Effizienz

Damals, im Jahr 1942 im von Deutschland besetzten Frankreich, lancierte Jean-Pierre Peugeot heimlich erste Planungen für ein Nachkriegsmodell, das sowohl den Typ 202 als auch den Mittelklassebestseller 402 ersetzen sollte, um so dem erwarteten staatlichen Dirigismus zu begegnen.

Auf den ursprünglich angedachten Frontantrieb wie bei Citroën verzichtete Peugeot zwar aus Kostengründen, dafür legte die Marke die Messlatte im Motorenbau höher. So gelang es Peugeots Mitarbeitern im Geheimen, einen halbkugelförmigen Zylinderkopf für die Großserie zu entwickeln. Kleiner Hubraum, aber große Leistung und hohe Effizienz (die Verbrauchsvorgabe lag bei 6,0 Litern und damit 20 Prozent niedriger als bei Konkurrenten) kennzeichnete diese bisher nur im Rennsport eingesetzte Konstruktion.

Und noch eine Überraschung bot der 1,3-Liter-Vierzylinder (Typ TM) mit beachtlichen 31 kW/42 PS bei 4.500 Touren. Hohe sechsstellige Laufleistungen ohne Triebwerkstausch waren eine Qualitäts-Vorgabe für den Peugeot 203. Zu einer Zeit, in der manche Modelle schon nach 30.000 oder 40.000 Kilometern eine Motorrevision benötigten, glich diese Robustheit einer Sensation, die der Peugeot zudem durch Erfolge auf afrikanischen Rallyes unter Beweis stellte.

Wen wundert es bei diesen Genen noch, dass der 203 zum bis dahin meistverkauften Peugeot aller Zeiten mutierte? Auch in Deutschland machte das gallische Einheitsmodell im amerikanischen Chic die Löwenmarke bekannt, zumal sich sogar Prominente aus Politik und Showgeschäft mit dem kleinen Chromkreuzer schmückten. Das plötzliche Ende für den fast 700.000 Mal gebauten 203 brachte erst der von Pininfarina designte Peugeot 403. In der jetzt angesagten Couture aus Ponton-Karosserien wirkte der 203 demodiert.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:45549853)