70 Jahre Porsche 356: Supersportler mit Schweizer Hintergrund

Erstes Serienmodell 1950

| Autor: sp-x

Der 356 war nicht nur auf der Rennstrecke gefragt.
Der 356 war nicht nur auf der Rennstrecke gefragt. (Bild: Porsche)

Manchmal ist es die Faszination großer Namen, die Unmögliches wahr werden lässt. Vor 70 Jahren demonstrierten das Ferdinand Porsche und sein Sohn Ferry mit dem Urvater aller Serien-Porsche, dem ersten Roadster vom Typ 356 mit legendärer Fahrgestellnummer 356-001.

Ein Sportwagen in einer Zeit des Mangels, als die Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs noch allgegenwärtig waren – wer sollte den kaufen? Es waren Schweizer Unternehmer, die an die Marktchancen des stromlinienförmigen Roadsters glaubten, der in einer Baracke im österreichischen Gmünd gebaut wurde, – schließlich ging es um einen Porsche.

Als Konstrukteur des VW Käfers und der Auto-Union-Silberpfeile wurde Ferdinand Porsche damals bereits in einem Atemzug genannt mit Gottlieb Daimler oder Henry Ford und sein Sohn Ferry stand ihm nicht nach. Grund genug für die Schweizer Rupprecht von Senger und Bernhard Blank, 1948 einen Auftrag über 50 Porsche 356 zu platzieren, die in der vom Krieg verschonten Schweiz verkauft werden sollten. Damit die Fertigung nicht durch Materialmangel ins Stocken geriet, lieferte von Senger Leichtmetall und VW-Teile nach Österreich.

Mit auf 26 kW/35 PS frisiertem VW-Motor feierte der Porsche Nr. 1 seine Pressevorstellung am 4. Juli 1948 vor dem Grand Prix der Schweiz in Bern. Das erste Mal vor großem Publikum präsentierte sich der Porsche 356 auf dem Genfer Salon 1949. Dazwischen lag der erste Sporterfolg am 11. Juli 1948 in Innsbruck: Nur Ferrari kann wie Porsche auf eine absolut lückenlose 70-jährige Renngeschichte zurückblicken. Für Porsche essentieller war jedoch die stolze Zahl von fast 78.000 Porsche 356, die ab 1950 in Stuttgart gebaut wurden.

Produktion zunächst in Österreich

Wie Ferry Porsche einmal erklärte, wollte er mit dem 356 – der Typencode steht für die Entwicklungsnummer – einen Sportwagen nach seinem persönlichen Geschmack bauen. Und sein Vater Ferdinand Porsche bestätigte ihn darin, alles richtig zu machen. Schließlich hatte er mit dem „Berlin-Rom-Sportwagen“ 1939 die Grundlage für die Idee eines Sportwagens mit dem Namen Porsche gelegt. Für das Design zeichnete Erwin Komenda verantwortlich, der sich dabei an seinen Entwürfen für ein viersitziges Sportcoupé aus dem Jahr 1946 orientierte. Denn bereits damals gab es einen ersten Kontakt zwischen Porsche und Rupprecht von Senger, der eine Designstudie bestellte. Allerdings fiel der finale Typ 356 dann doch entschieden rassiger aus.

Tatsächlich war der Porsche-Vierzylinder eine Fahrmaschine, mit der Porsche sofort in die Phalanx schneller Freudenspender einbrach, wie sie als Alfa, MG und Jaguar Erfolge einfuhren. Bescheiden blieben die Porsche-Stückzahlen in den ersten Jahren vor allem wegen der beengten Räumlichkeiten in der Manufaktur in den Gmünder Holzhütten. Den Kärntner Standort Gmünd hatte Porsche 1944 gewählt, um den direkten Kriegsauswirkungen zu entgehen. Nach fünf Jahren in Österreich und 53 gebauten Porsche 356 ging es 1949 zurück nach Stuttgart-Zuffenhausen, wo allerdings vorläufig noch amerikanische Streitkräfte das Porsche-Stammwerk besetzten.

Eine Ausweichlösung bot eine Kooperation mit den Stuttgarter Karosseriewerken Reutter, wo 1950 die Produktion des ersten Serienmodells anlief. Als Herz fungierte weiterhin ein modifizierter Volkswagen-Vierzylinder, aber statt des ursprünglichen Fahrzeuglayouts mit Rohrrahmen, Aluminium-Karosserie und Mittelmotor waren Heckmotor und Stahlblechrahmen Charakteristika des Stuttgarter Sportwagens.

Verwandtschaft mit dem VW Käfer

Tatsächlich war es auch die enge konstruktive Verwandtschaft mit dem VW Käfer, die dem von Beginn als Coupé und Cabriolet erhältlichen Porsche 356 außergewöhnliche Alltagstauglichkeit verlieh und seine Bestsellerkarriere beschleunigte. Auch die vielen VW-Großhändler und -Importeure, die den ersten deutschen Nachkriegs-Seriensportler schon zu Beginn der 1950er Jahre ins Programm aufnahmen, ermöglichten dem robusten Racer Absatzchancen, die anderen Newcomern wie etwa Veritas-BMW fehlten.

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