70 Jahre Porsche 356: Supersportler mit Schweizer Hintergrund

Erstes Serienmodell 1950

| Autor: sp-x

Ein 3,87 Meter kurzer Sportwagen vom Konstrukteur des VW Käfers, das ließen sich deutsche Enthusiasten 1950 stolze 10.200 Mark kosten. Vielleicht weil die leichtgewichtigen Coupés und Cabrios trotz ihrer gerade einmal 29 kW/40 PS freigebenden 1,1-Liter-Vierzylinder die Möglichkeit gaben, Sonntags auf die Rennstrecke und Montags ins Büro zu fahren. Eine Freizeitbeschäftigung, die bis Anfang der 1960er Jahre nicht nur in den USA populär war.

Am nachhaltigsten demonstrierten jedoch die Amerikaner die Magie, die von den kleinen Fahrmaschinen mit großem Porsche-Schriftzug auf der Haube ausging. Im Herbst 1950 kam es zur Kooperation zwischen Ferdinand Porsche und dem nordamerikanischen Sportwagenimporteur Maximilian E. Hoffman, vermittelt übrigens durch einen Schweizer Journalisten. Fortan waren die USA wichtigster Exportmarkt.

Passend dazu hatte Porsche Duplexbremsen und einen optionalen 1,3-Liter-Motor eingeführt, ganz nach dem alten Technik-Credo „Hubraum ist durch nichts zu ersetzen“. Es folgten ein 160 km/h schneller 1300 S, eine 1,5-Liter-Version – damals die Obergrenze für wichtige Rennkategorien – und der 51 kW/70 PS leistende 1500 S mit einer Nockenwelle, die der spätere Unternehmenschef Ernst Fuhrmann entwickelt hatte. Implantiert wurde das 1,5-Liter-Aggregat auch in den von Max Hoffman angeregten America Roadster, der dank leichter Alukarosse von Gläser 180 km/h schnell war.

Star auf der Rennstrecke

Kaum ein Rennklassiker, in dem die Porsche 356 nicht erfolgreich waren. Die Motorsport-Dominanz begann mit einem Klassensieg in Le Mans 1951, ging über Langstreckenrallyes wie Lüttich-Rom-Lüttich, die Carrera Panamericana und gipfelte in zahlreichen Weltrekordfahrten. Triumphe, die Porsche auch in der Werbung nutzte. Im Jahr 1952 konnte der Hersteller auf 75 Siege verweisen, zwei Jahre später betrug die Ausbeute 420 Erfolge.

Porsche war nun in der Spitze des Sports angekommen und feierte dies mit einer kontinuierlichen Erweiterung und Pflege des Modellportfolios. Speziell für die amerikanischen Sportwagenfans wurde im Herbst 1954 der Speedster aufgelegt. Jenes Fahrzeug, das Hollywood-Star James Dean erwarb und später gegen einen Spyder tauschte. Im Oktober 1955 ging der facegeliftete Porsche 356 A an den Start, ihn gab es in den Karosserieversionen Coupé, Cabriolet, Speedster, Convertible D, Hardtop (fest montierter Dachaufsatz) sowie mit Hardtop für Cabrio und Speedster.

Ergänzt wurde das Programm durch die bis 85 kW/115 PS starken Carrera-Sportversionen. Da war für jeden der richtige Renner dabei, befanden bis zum Herbst 1959 insgesamt 21.045 Käufer. Aber auch die Evolutionsstufen Carrera B (1959-1963) und Carrera C (1963-1965) ließen das Feuer lodern und das sogar noch nach dem 1963 erfolgten Debüt des Porsche 901 bzw. 911. Schönste Beispiele sind vielleicht zehn Cabriolets, die als Sonderserie ein Jahr nach Produktionsende des 356 für die niederländische Reichspolizei gebaut wurden. Oder das 356 Cabriolet im 68er Kultfilm Bullitt und nicht zu vergessen der psychedelisch gestaltete 356 von Janis Joplin.

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