90 Jahre BMW-Automobilbau: Vom Kleinwagenbauer zum Premiumhersteller

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Motoren für Flugzeuge und Zweiräder haben BMW bekannt gemacht, zum Autobau kam der heutige Premiumhersteller aber ausgerechnet durch in Lizenz gefertigte Kleinstwagen. Der Beginn einer automobilen Achterbahnfahrt, die erst viel später zu einem kontinuierlichen Höhenflug wurde.

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BMWs automobile Geschichte hatte viele Höhen und Tiefen.
BMWs automobile Geschichte hatte viele Höhen und Tiefen.
(Bild: BMW)

Es sind gute Nachrichten, mit denen BMW gerade in das 90. Jahr weißblauer Automobilproduktion gestartet ist. Lieferten die Münchner doch 2018 über 2,1 Millionen Fahrzeuge aus und gehörten damit zu den größten Premiummarken. Ganz anders, nämlich mit preiswertem Fahrspaß und ohne Premiumfeatures sollten dagegen 1929 die ersten BMW Automobile punkten.

Dazu übernahmen die durch Motorräder und Flugaggregate bereits bekannt gewordenen Bayerischen Motoren Werke die traditionsreiche Thüringer Fahrzeugfabrik Eisenach und den dort als Dixi in Lizenz gebauten, winzigen englischen Austin Seven. Kleinwagen gab es damals viele, aber BMW fand für den Dixi eine Nische, die ihm auf Anhieb Kultstatus garantierte: Der gerade einmal drei Meter messende Zwerg startete eine Sportkarriere und tatsächlich sicherte sich der Typ BMW 3/15 PS sofort den Sieg bei der berüchtigten Rallye „Internationale Alpenfahrt“.

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Den nächsten Coup landeten die Bayern mit dem BMW 303, der 1933 kompakte Limousinen in der gehobenen Klasse gesellschaftsfähig machte. Für Furore sorgte der 303 durch einen temperamentvollen Sechszylinder und mit einem Kühlergrill in Form einer Doppelniere. Es war der eigentliche Beginn der BMW-Story und zahlloser legendärer Modelle von der Knutschkugel Isetta über die ersten V8, die flinken „02“-Typen bis zum elektrischen i3, die sämtlich neue Wege wagten, es aber auch an Drama nicht missen ließen.

Vielleicht lag es daran, dass der Dixi in der Weltwirtschaftskrise geboren wurde und dennoch rund 16.000 Käufer fand. Jedenfalls blieb BMW das Glück bis heute gewogen, selbst wenn das Schicksal des Autobauers bereits besiegelt schien. So das erste Mal im Jahr 1945 als das Werk Eisenach, die Heimat der BMW Automobile, an die sowjetischen Besatzer verlorenging und BMW in München ganz von vorne beginnen musste.

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Während in Eisenach für die neuen Eigentümer unter BMW- und EMW-Logo erfolgreiche Vorkriegstypen wie 326 und 340 weitergebaut wurden, setzte die Münchner BMW-Führung 1951 alles auf eine Karte. Die liebevoll Barockengel genannten BMW 501/502 waren die ersten deutschen Nachkriegsmodelle der Luxusklasse und glänzten mit dem weltweit ersten Leichtmetall-V8. Fast wäre der Achtender sogar Kanzler Konrad Adenauers Staatskarosse geworden, hätte der Politiker bei einer Probefahrt nicht seinen Hut verloren. Eine Legende. Wahr ist dagegen der Promihype um den 1956 lancierten V8-Roadster BMW 507, den sogar Elvis Presley oder Alain Delon kauften.

Die Isetta bringt das Geld

Geld in die chronisch klamme Kasse der Bayern brachte trotzdem allein der Kabinenroller Isetta auf Basis einer Lizenz des italienischen Herstellers Iso. BMW machte das von Motorradmotoren angetriebene Vehikel zum Bestseller in seiner Klasse, was jedoch nicht verhinderte, dass BMW 1959 vor dem finanziellen Aus stand und der Verkauf an Daimler-Benz unabwendbar schien.

Doch dann wurden die Weichen im letzten Augenblick Richtung Zukunft gestellt durch den finanziellen Einstieg der bis heute engagierten Industriellenfamilie Quandt. Wichtiger Bestandteil des Rettungsprogramms war der BMW 1500, der als sportliche Mittelklasse auf der IAA 1961 debütierte – und zwar exakt auf der Ausstellungsfläche, die eigentlich für die Borgward Isabella gebucht worden war. Borgward war jedoch insolvent und BMWs „Neue Klasse“ der Typen 1500 bis 2000 kam gerade recht, die so entstandene Nische bei den dynamischen Familien- und Businesslimousinen zu füllen.

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