Sparkurs bei Daimler „Absolut beratungsresistent“: Heftige Kritik an Källenius

Autor: Christoph Seyerlein

Bei Daimler lautet das Gebot der Stunde: Sparen. Doch die kritischen Stimmen aus den eigenen Reihen gegen die Pläne von CEO Ola Källenius werden lauter. Auch der Handel zeigt sich verärgert.

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Daimler-Chef Ola Källenius macht sich mit seinem Sparkurs intern nicht überall beliebt.
Daimler-Chef Ola Källenius macht sich mit seinem Sparkurs intern nicht überall beliebt.
(Bild: Daimler)

Ola Källenius hat bei Daimler einen rigiden Sparkurs ausgerufen. Das betrifft auch den Vertrieb. Dort will der Hersteller die Ausgaben dem Vernehmen nach in den kommenden Jahr um bis zu 40 Prozent kürzen. Källenius hatte kürzlich angekündigt, er rechne in Zukunft mit kleineren Autohäusern in Stadtzentren.

Im Handel sorgten jene Aussagen für Verunsicherung, teilweise auch Wut. Nicht zuletzt, da viele Mercedes-Händler aktuell auf Drängen des Herstellers viel Geld für die neue Markenarchitektur in die Hand nehmen.

„Begeisterung löst Herr Källenius definitiv nicht aus“, kommentierte ein Mitarbeiter aus dem Handel gegenüber »kfz-betrieb«, der namentlich nicht genannt werden will. Auch insgesamt kommen die Pläne des Schweden im Gewerbe eher schlecht an.

Bei einer Umfrage von »kfz-betrieb« via Instagram mit rund 1.000 Teilnehmern, gaben 58 Prozent an, dass sie in den von Källenius präferierten City-Stores kein zukunftsträchtiges Konzept für den Handel sehen.

Doch nicht nur im Gewerbe, auch beim Hersteller intern brodelt es aufgrund der Sparzwänge. Betriebsrat und IG Metall stellen sich immer offener gegen den Chef. Am Montag riefen sie zu einer bundesweiten „Solidaritätsaktion“ an sämtlichen Standorten auf.

„Transformation, Covid, Rezession. Die Belegschaft leistet bei allen Herausforderungen ihren Beitrag: Qualifikation, Hygieneregeln, Sparbeitrag. Doch es reicht dem Vorstand nicht“, kritisierte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Michael Brecht in einer Mitteilung. „In den Werken zittern die Beschäftigten und haben Angst um ihre Zukunft. Die Belegschaft in der Verwaltung fühlt sich verstoßen.“

Betriebsrat wittert schlechten Stil

Betriebsrat und Gewerkschaft wollen nun unter anderem 170.000 Protest-Postkarten sammeln – eine für jeden Beschäftigten in Deutschland. Im Anschluss sollen diese an den Vorstand übergeben werden.

Trotz einiger Abmachungen zum geplanten Stellenabbau wirft der Betriebsrat der Daimler-Spitze vor, nur noch einseitig zu agieren. Zuletzt hatte das Management Teile der Belegschaft mit der Ankündigung verärgert, unbefristete 40-Stunden-Verträge zu kündigen. Die Betroffenen sollen künftig 35 Stunden pro Woche arbeiten und entsprechend weniger verdienen.

Auch die geplante Kooperation mit Großaktionär Geely bei der Entwicklung von Verbrennungsmotoren stößt auf wenig Gegenliebe. Viele Mitarbeiter fürchten um die Auslastung der hiesigen Werke. Im „Handelsblatt“ warf Brecht der Daimler-Führung am Montag schlechten Stil vor. Das Management agiere „absolut beratungsresistent“.

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Entwicklungsredakteur