ADAC gibt Werkstattkonzept auf

Autor: Jens Rehberg

Der Autofahrerclub hat im Rahmen seines Reformprogramms entschieden, die unternehmerischen Aktivitäten im Servicebereich einzustellen.

Firmen zum Thema

(Foto: Richter)

Die Führungsspitze des ADAC hat entschieden, künftig keine unternehmerischen Aktivitäten mehr im Bereich Werkstätten zu verfolgen. Das Testen von Kfz-Betrieben sowie werkstattnahe Dienstleistungen will er allerdings weiterhin betreiben. Den bestehenden Werkstattpartnern solle kein wirtschaftlicher Schaden entstehen. „Die Entscheidung ist erst gestern gefallen“, sagte eine ADAC-Sprecherin auf Anfrage von »kfz-betrieb«.

In einer Mitteilung des Clubs heißt es weiter, im Rahmen seines Reformprogramms zur Neuausrichtung habe man in den vergangenen Monaten zahlreiche Wirtschafts- und Test-Aktivitäten auf mögliche Interessenskonflikte und deren Auswirkungen überprüft. In diesem Zusammenhang sei jetzt entschieden worden, dass ab Oktober 2014 keine Werkstattbetriebe mehr mit dem Logo „ADAC Werkstatt“ an den Markt gehen sollen. Derzeit gibt es neun ADAC-Werkstätten.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 22 Bildern

Der Club betont in seiner Mitteilung, dass die jetzt getroffene Entscheidung nicht bedeute, dass der ADAC künftig grundsätzlich auf wirtschaftliche Aktivitäten verzichte. Man wolle sich auch weiterhin unternehmerisch betätigen, „allein schon um die hohe Qualität der Mitgliederleistungen dauerhaft sicherstellen zu können“.

Noch im Mai hatte der „Spiegel“ berichtet, der ADAC wolle sein Werkstattpartnernetz auf 150 Standorte ausbauen. Der Club selbst kommunizierte stets eine Netzzielgröße von 100 Betrieben.

Wolfgang Hermann: „Ich habe das geahnt“

Wolfgang Hermann, Geschäftsführer der Hermann-Gruppe, hatte erst im Dezember 2013 knapp eine Million Euro in den Neubau einer ADAC-Werkstatt in Goslar investiert. 2014 wollte er das Engagement auf den Hermann-Standort in Göttingen ausdehnen. Auf Nachfrage von »kfz-betrieb« sagte Hermann, die ADAC-Verantwortlichen hätten ihn frühzeitig über ihre Pläne informiert. Die Kommunikation sei sehr fair verlaufen, erklärte der Geschäftsführer. „Ich habe schon seit mehreren Monate geahnt, dass der ADAC diese Konsequenz ziehen wird.“ Im nächsten Schritt wollen beide Parteien laut Hermann die Abwicklung besprechen.

Unterdessen hat der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) die beschlossene Einstellung des umstrittenen Werkstattprojekts begrüßt. „Wir freuen uns sehr, dass unsere immer wieder geübte Kritik am Vorhaben des ADAC jetzt endlich Gehör gefunden hat“, sagte ein ZDK-Sprecher am Freitag in Bonn. Der Club habe erkannt, dass er seine Glaubwürdigkeit als neutraler Sachwalter von Autofahrerinteressen zunehmend aufs Spiel setze, wenn er einerseits Werkstatttests durchführe und sich andererseits selbst auf dem Werkstattmarkt wirtschaftlich betätige.

Angesichts der Ankündigung des ADAC, seine Werkstatttests fortzusetzen, will der Zentralverband diese Tests „weiterhin aufmerksam verfolgen und auf Objektivität, Sachkunde und Fairness bei der Durchführung wie auch bei der anschließenden Kommentierung der Ergebnisse achten“.

Im Übrigen, so der Sprecher, fordere man auch andere Dienstleister rund um die Automobilwirtschaft auf, ihre Aktivitäten auf dem Werkstattmarkt zu überdenken. Im Auge habe man dabei insbesondere einen großen Versicherer, der plane, seine Kunden mit Rabattversprechen in Partnerwerkstätten zu lotsen.

(ID:42945736)

Über den Autor

 Jens Rehberg

Jens Rehberg

Teamlead Newsdesk / Content Pool