ADAC: Smart und Twingo sind Rußschleudern

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Dass Ottomotoren mit Direkteinspritzung ein Partikelproblem haben, ist bekannt. Doch wie der ADAC jetzt aufzeigt, trifft dies auch auf konventionelle Benziner zu.

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Im ADAC-Ecotest zeigte sich der Smart Forfour bei hohem Tempo als Rußschleuder.
Im ADAC-Ecotest zeigte sich der Smart Forfour bei hohem Tempo als Rußschleuder.
(Foto: Daimler)

Stolz prangt das grüne Label des Ökotrend-Instituts auf der Internetseite von Smart. Der neue Forfour schneidet in allen Bewertungskriterien des „Auto-Umwelt-Zertifikats“ mit „sehr gut“ ab – auch bei den Abgasemissionen. Doch ein Test des Modells beim ADAC trübt das Bild des sauberen Kleinwagens: Der Club hat festgestellt, dass die Partikelemission des Motors im Autobahnbetrieb stark ansteigt. Der Wert übertrifft den Durchschnitt der bislang gemessenen Benziner (ohne Direkteinspritzung) um das Siebenfache. Beim praktisch baugleichen französischen Schwestermodell Renault Twingo war es sogar der 16-fache Wert!

Dabei galten konventionelle Ottomotoren mit Saugrohreinspritzung bislang nicht als Rußschleudern – im Gegensatz zu Dieseln oder direkteingespritzten Benzinern, die deshalb strenge Grenzwerte für die Partikelemission einhalten müssen. Nach der Abgasnorm Euro 6 sind das 4,5 Milligramm pro Kilometer. Die ebenfalls nach Euro 6 homologierten Kleinwagenzwillinge überschritten dieses Limit deutlich: Der Smart stieß 37 Milligramm pro Kilometer aus, der Twingo sogar 93.

NEFZ- und ADAC-Werte sind nicht direkt vergleichbar

Doch Vorsicht: Der ADAC hat die Werte in seinem Autobahn-Fahrzyklus ermittelt, der von dem für die Homologation gültigen Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) abweicht, dafür aber die tatsächliche Fahrzeugnutzung im Alltag abbilden soll. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt hier 130 km/h, Vollast-Beschleunigungen sind enthalten.

Doch die Ergebnisse bestätigen erneut, dass die tatsächlichen Emissionen im Fahrzeugbetrieb oft deutlich höher sind als die offiziellen Werksangaben – nicht nur beim Verbrauch, sondern auch bei den Schadstoffwerten. Deshalb will die EU ab 2017 die sogenannten RDE (Real Driving Emissions) ebenfalls limitieren.

Die ersten Saugrohreinspritzer mit so großer Rußemission

Doch wie kommt es aus technischer Sicht überhaupt zu dem großen Rußausstoß der deutsch-französischen Kleinstwagen? Renault begründete die schlechten Abgaswerte des Twingo gegenüber dem ADAC mit „Schutzmaßnahmen“ für den Katalysator bei höherer Belastung. Damit ist die bei vielen Motoren übliche Volllastanfettung gemeint, die aber eher zu erhöhten HC-Emissionen führen müsste (unverbrannte Kohlenwasserstoffe). Die HC-Werte bei Smart und Twingo seien aber nicht auffällig gewesen, teilte der ADAC »kfz-betrieb« mit.

Partikel entstehen üblicherweise eher bei direkter Kraftstoffeinspritzung, wenn die Tröpfchen sich nicht vollständig mit der Luft mischen. Doch auch bei einem Saugrohreinspritzer, wie ihn der Smart besitzt, kann unter ungünstigen Umständen die Verbrennung so unvollständig ablaufen, dass sich Rußteilchen bilden, erklärte der Motorenexperte Prof. Georg Wachtmeister von der TU München »kfz-betrieb«. Aber auch das Motoröl (bei ungenügender Abdichtung durch das Kolbenringpaket) oder der Luftfilter seien als Ursache denkbar.

Wenn sich zeigt, dass nicht nur Direkteinspritzer, sondern auch konventionelle Benziner Probleme mit der Rußemission haben, dann dürfte sich die Automobilindustrie auch bei diesen Motoren gezwungen sehen, Partikelfilter einzubauen.

Vier-Wege-Kat von BASF löst das Partikelproblem

Ein interessantes Abgasnachbehandlungssystem für moderne Ottos hat BASF vorgestellt: den Vier-Wege-Katalysator. Er entfernt neben Kohlenmonoxid (CO), Stickoxiden (NOx) und Kohlenwasserstoffen (HC) auch Partikel aus dem Abgas.

Basis ist ein Keramikmonolith mit geschlossenen Kanälen – wie bei einem Partikelfilter. Den BASF-Entwicklern ist es gelungen, die porösen Innenwände des Monolithen mit katalytisch wirksamem Material zu beschichten. Dadurch bildet sich eine große Oberfläche mit einer hohen Katalysatoraktivität, und das bei einer deutlich geringeren Edelmetallmenge. Die poröse Monolithwand stellt aber auch einen Filter für die Rußpartikel dar: Die Teilchen bleiben dort hängen und werden bei hohen Temperaturen und mithilfe der katalytischen Beschichtung zu Kohlendioxid verbrannt.

Leichter und mit weniger Abgasgegendruck

Insgesamt baut der Vier-Wege-Kat deutlich kompakter und leichter als eine Kombination aus Drei-Wege-Kat und Partikelfilter und baut auch einen geringeren Abgasgegendruck auf, heißt es bei dem Unternehmen. Im April 2013 wurde das neue System den Autoherstellern vorgestellt und befindet sich laut BASF bei vielen Kunden mittlerweile in der Entwicklungs- und Testphase.

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