Ärger im Kfz-Gewerbe über Zulassungsstau reißt nicht ab

Autor: Doris Pfaff

Lange Wartezeiten für Händler bei Kfz-Zulassungsstellen bleiben ein Dauerthema. In einem Brief an Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker beschwert sich nun die Kölner Kfz-Innung über die seit Monaten andauernde Situation.

Firmen zum Thema

Die Kölner Kzf-Innung bietet der Corona-Krise die Stirn, sagt Obermeister Rolf Mauss.
Die Kölner Kzf-Innung bietet der Corona-Krise die Stirn, sagt Obermeister Rolf Mauss.
(Bild: Kfz-Innung Köln)

Zunehmend mehr Kfz-Innungen gehen auf die Barrikaden. Nach Beschwerden über Zulassungsstellen in Stuttgart und den teils chaotischen Zuständen in Frankfurt und BerlinBerlin, wehrt sich nun die Kölner Innung und fordert Reker auf, das Thema zur Chefsache zu machen. Das Problem in Köln ist vor allem der immense Bearbeitungsstau. Autohändler und ihre Kunden warten nach eigenen Angaben aktuell bis zu vier Wochen auf die Fahrzeugzulassung.

„Die durch die Behörde verursachten Probleme treffen das Kfz-Gewerbe mitten in einer Zeit, in der die Betriebe auf eine Erholung der wirtschaftlichen Lage angewiesen sind“, mahnt Obermeister Rolf Mauss.

Blitzumfrage unter den Händlern

Was für den Autokunden zu Unverständnis und großer Verärgerung führe, bedeute für das Kölner Kfz-Gewerbe einen hohen finanziellen und einen Imageschaden. Mitte August hatte die Innung eine eigene Blitzumfrage durchgeführt, an der sich 185 Autohändler aus Köln beteiligt haben.

Demnach müsse ein Autohaus, wenn es die Fahrzeuge seiner Kunden anmelden möchte, dies wie Privatkunden per Termin machen. Die Wartezeit dafür betrage im Schnitt mehr als zwei Wochen. Fast alle befragten Autohäuser beauftragen jedoch Zulassungsdienste. Dann dauere der Zulassungsprozess etwa zehn Tage bis teilweise vier Wochen.

Zulassungsdienste wie Kroschke und Marisol bestätigten diese Zahlen und fürchten nach Angabe der Kölner Innung gar eine Verschlechterung der Lage. Denn aktuell sei der Handel wieder im Aufwind. Durch die Mehrwertsteuersenkung und andere Kaufanreize gebe es deutlich mehr Aufträge, was zu weiterem Stau führe.

„Für Kfz-Unternehmer ist das ein wirtschaftliches Desaster, weil sie ihr Geld vom Kunden erst bekommen, wenn die Fahrzeuge auch zugelassen sind. Das sind Millionenbeträge, die der Händler dann zwischenfinanzieren muss“, so die Kölner Innung.

Zum Zeitpunkt der Umfrage warteten allein in den befragten zwölf Autohäusern 220 Pkws, 43 Nutzfahrzeuge und 16 sonstige Fahrzeuge (Wohnmobil, Motorrad etc.) auf die Zulassung in der Kfz-Zulassungsstelle Köln. Weil die Händler ihr Geld für die vorfinanzierten Fahrzeuge erst dann vom Kunden erhielten, wenn die Fahrzeuge zugelassen seien, fehle ein Kapital von insgesamt rund 7,7 Millionen Euro.

Und der Bearbeitungsstau habe noch weitere negative Folgen. Am meisten bemängelten die Händler die dadurch fehlende Planungssicherheit für das Geschäft. Die Situation sei zudem imageschädigend und führe zum Vertrauensverlust beim Kunden.

Gewerbliche Kunden erlitten überdies wirtschaftliche Schäden, weil sie auf eine zeitgerechte Zulassung angewiesen seien. Hinzu komme der weitere finanzielle Schaden der fabrikatsgebundenen Autohäuser, weil sie ihre Ziele verfehlten und sogar Kunden ihre Käufe stornierten.

Erneute Rufe nach dem „i-Kfz“

Obermeister Mauss appellierte an die Stadt Köln, die Zulassungsstelle umgehend in den Normalbetrieb zurückzuführen, und an die Politik, die schon vom ZDK geforderte elektronische Fahrzeugzulassung „i-Kfz“ zeitnah für den gewerblichen Bereich zu ermöglichen.

Mauss bietet auch an, beim Problem der Legitimation der Händler bei i-Kfz zu helfen: „Für die Mitgestaltung dieses Prozesses etwa durch Firmenkonten und Berechtigungen bietet die Kfz-Innung jede Unterstützung an.“

(ID:46824043)

Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik