Ärzte kritisieren NOx-Grenzwert immer schärfer

Führende Mediziner fordern Überprüfung

| Autor: Jens Rehberg

(Bild: gemeinfrei / CC0)

Noch in dieser Woche könnte die deutsche Debatte um Stickoxid-Grenzwerte und die dadurch ausgelösten Fahrverbote eine neue Dynamik bekommen. Wie die „Frankfurter Allgemeine“ am Montag schreibt, will eine Gruppe von Lungenfachärzten und Forschern am Mittwoch eine Unterschriftenliste veröffentlichen, mit der führende Pneumologen unter anderem die Überprüfung der Stickoxid- und Feinstaubgrenzwerte fordern. Nachdem zuletzt die Messpraktiken der Behörden – insbesondere die Standorte der Messstellen – im Fokus der Kritik standen, geht es nun wieder verstärkt um die Schädlichkeit der einzelnen Belastungungsfaktoren an sich.

Der frühere Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Dieter Köhler, will zusammen mit der Unterschriftenliste die Ergebnisse einer Befragung der rund 3.000 Verbandsmitglieder vorstellen. Laut dem Wissenschaftler basieren die aktuellen Schadstoffgrenzwerte auf Studien, die „jeder vernünftige Forscher nicht für plausibel halten kann“, wie die FAZ den Experten zitiert.

Denn die zugrunde liegenden Analysen würden Krankheiten und Todesfälle, die mit Schadstoffbelastung in Verbindung gebracht werden, ausschließlich im Rückblick vergleichen. Für die jeweiligen Krankheiten genauso entscheidende Faktoren wie etwa Alkoholkonsum, Bewegungsmangel oder die soziale Lage würden falsch oder zu gering gewichtet. „Diese Studien sind pure Rechenmodelle“, sagt der Mediziner, der die mangelnde wissenschaftliche Basis der Stickoxid-Grenzwerte bereits im vergangenen Herbst in einem offenbar vielbeachteten Artikel im „Deutschen Ärzteblatt“ bemängelt hatte.

Die „Frankfurter Allgemeine“ zitiert zudem den Stuttgarter Chefarzt und Lungenfachmann Professor Martin Hetzel, der eine Aussetzung der gesetzlichen Grenzwerte fordert: „Den Grenzwerten für Feinstaub und Stickoxid fehlt die wissenschaftliche Begründung. Wir kennen aus dem Klinikalltag keine Patienten, die allein aufgrund dieser Schadstoffbelastungen schwer erkrankt oder verstorben sind.“ Er plädiert für ein Moratorium der entsprechenden Vorschriften, weil die derzeitigen Grenzwerte mittlerweile mit erheblichen politischen und wirtschaftlichen Folgen verbunden seien.

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