Aixam Mini-Cars: Zwei-Zylinder machen Rollern Konkurrenz

Autor / Redakteur: ampnet / Viktoria Hahn

Wem als Rentner der übliche Kleinwagen zu groß wird, setzt hierzulande häufig auf ein Mini-Auto. Doch neben den Senioren macht sich eine Käuferschicht breit, die man im Straßenverkehr für gewöhnlich auf einem Roller antrifft.

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Sportlicher Doppelauspuff beim Aixam City Sport.
Sportlicher Doppelauspuff beim Aixam City Sport.
(Bild: ampnet)

Der größte Vorteil der Mini-Autos des französischen Herstellers Aixam: Bereits mit 16 Jahren dürfen sich Jugendliche im Besitz eines Rollerführerscheins hinters Lenkrad setzen. Größter Nachteil: Wegen der relativ geringen Nachfrage erreichen die kleinen Pkw Preise, für die es ebenso einen ausgewachsenen Kleinwagen gibt. Rund 1.200 Einheiten umfasst der Nischenmarkt, den sich Aixam – Teil des amerikanischen Polaris-Konzerns – hierzulande mit dem etwas bekannteren Wettbewerber Ligier teilt.

Unter der kompakten Plastikmotorhaube der Mini-Cars nagelt ein kleiner Zwei-Zylinder-Diesel des Baumaschinenherstellers Kubota mit immerhin 8 PS / 6 kW, der exklusiv an die Bedürfnisse von Aixam angepasst wurde. Nach dem ersten Schreck hat sich der Fahrer schnell an die ungewöhnliche Geräuschkulisse des 479-Kubik-Motors gewöhnt.

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Das kleine Pumpe-Düse-Aggregat läuft kurz nach dem Start auch schon ein wenig leiser und ruhiger. 79 Dezibel werden für das Stand-, 72 Dezibel für das Fahrgeräusch angegeben. Angesichts von 425 Kilogramm Leergewicht reicht der Zwei-Zylinder für gemächliches Vorankommen. Nur beim Auffahren auf eine Landstraße ist wegen der geringen Beschleunigung etwas Weitsicht gefragt und an Steigungen ein wenig mehr Geduld.

Die bessere, aber auch deutlich teurere Wahl ist da der Elektromotor, der ebenfalls für einige Modelle angeboten wird. Er verteuert die Leichtkraftautos jedoch um 3.100 Euro, so dass der klassische Diesel nach wie vor seine Berechtigung hat.

„Kein Führerschein- sondern ein Autoproblem“

Doch die Fahrleistungen der Leichtfahrzeuge spielen für die Kunden in aller Regel keine allzu große Rolle – ihre Anschaffung ist auch keine Notlösung (dafür kosten die kleinen Autos zu viel). Und es geht außerdem weniger um Rentner, die nur eine alte Mopedfahrerlaubnis besitzen. „Das ist kein Führerschein-, sondern ein Autoproblem“, erklärt Dieter Hander, dessen Firma Leichtmobile in Kenzingen den Aixam-Vertrieb in Deutschland sicherstellt.

Da sind zum einen Senioren, denen selbst der übliche Kleinwagen zu groß geworden ist und die ohnehin nur einige hundert Meter bis ein paar Kilometer zum Einkaufen, zum Friseur oder zum Arzt fahren wollen. Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen bietet Aixam zudem Extras wie ein nach links verlegtes Gaspedal, einen abnehmbaren Lenkradknauf oder Handbedienung von Gas und Bremse an. Dazu kommen als Klientel Wohnmobilbesitzer, die am Urlaubsort mobil bleiben wollen, und Familien, die ein kleines Zweit- oder Drittfahrzeug für die Kurzstrecke haben möchten, das nicht viel Unterhalt kostet.

Und da ist tatsächlich die Gruppe Jugendlicher, die lieber ein Dach über dem Kopf haben möchten, als auf dem Roller oder Kleinkraftrad Wind und Wetter ausgesetzt zu sein – oder deren Eltern, die das motorisierte Zweirad per se für zu gefährlich halten. So hat Dieter Hander in den vergangenen sechs Jahren einen deutlichen Anstieg der Altersgruppe bis 20 Jahre festgestellt. Sie macht mittlerweile 40 Prozent der Kundschaft aus und hat damit sogar knapp die Gruppe der über 60 Jahre alten Aixam-Fahrer überholt.

Miniautos bleiben in Familienhand

Bei den Miniautos verhält es sich paradoxerweise wie bei den Fahrzeugen der Luxusklasse: „Geld spielt keine oder kaum eine Rolle“, weiß Dieter Hander. Denn ein Aixam bleibt meist sehr lange in Familienhand. Sind der Sohn oder die Tochter aus dem Haus, wird das Auto nicht selten an die Großeltern weitergereicht oder bleibt als Fahrzeug für Notfälle ganz einfach in der Familie, schließlich müssen bis auf die paar Liter Diesel ja nur die Mopedversicherung und die jährliche Inspektion bezahlt werden. Außerdem muss ein Aixam nicht zur Hauptuntersuchung und begnügt sich mit 3,1 Litern Diesel auf 100 Kilometer.

So unkompliziert sie mit dem stufenlosen Automatikgetriebe (inklusive Rückwärtsgang) zu fahren sind, so bieten die kleinen Autos gegenüber den Kleinkrafträdern nicht nur den Vorteil des Wetterschutzes und des bequemeren Beifahrersitzes. Wenn es um Komfort geht, können die Aixam-Modelle mit so manchem ausgewachsenen Auto mithalten.

Modelle und Ausstattung

Das Angebot reicht vom Radio über die Rückfahrkamera und die Klimaanlage bis hin zur Standheizung. Und der Kofferraum der 2,50 Meter kurzen Mini-Cars schluckt mehr als nur ein, zwei Getränkekisten. Je nach Modell passen bei dachhoher Beladung 700 bis 1.100 Liter in das Gepäckabteil.

Los geht es bei knapp 9.000 Euro für das schlicht „Miniauto“ genannte Basisauto, von dem drei verschiedene Ausstattungslinien angeboten werden. Es folgen die Baureihen City, das Coupé, der Crossline und der fünf Zentimeter höher gelegte Crossover. Nur letzteren bietet Aixam auch als L7e-Fahrzeug mit 4 Sitzen und 87 km/h Spitzengeschwindigkeit an. Preise bis 15.000 Euro sind möglich.

Dazu kommt der 3 Meter kurze Kleintransporter D-Truck als Pritsche oder Kofferaufbau mit 327 Kilogramm Nutzlast, der ebenso wie der Aixam City und das Coupé alternativ mit Elektroantrieb angeboten wird. Wer das entsprechende Kleingeld in der Tasche hat, sollte ihm aufgrund seiner besseren Leistungsentfaltung den Vorzug geben.

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