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Alfa Romeo: Im Zeichen der Schlange

Autor / Redakteur: Tanja Schmitt / Steffen Dominsky

Was haben eine Straßenbahnhaltestelle, eine Schlange und Mailand miteinander zu tun? Bei Alfa Romeo jede Menge. Zumindest was das Firmenlogo des italienischen Autobauers angeht.

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Anders als viele andere Logos erfuhr das von Alfa Romeo im Laufe der Zeit nur geringe Veränderungen.
Anders als viele andere Logos erfuhr das von Alfa Romeo im Laufe der Zeit nur geringe Veränderungen.
(Bild: Alfa Romeo)

Niemand wartet gerne. Doch manchmal überkommen einen gerade in solchen Momenten, in denen sich die Zeit wie Kaugummi zieht und man am wenigsten damit rechnet, die besten Ideen. So geschehen beim italienischen Autobauer Alfa Romeo. Als ein enger Freund des Chefkonstrukteurs Giuseppe Merosi auf seine Straßenbahn wartete, hatte er einen Einfall – und der gerade erst gegründete Autobauer A.L.F.A. sein Logo. Schließlich hat es sich bewährt, als neue Firma gleich ein Markenzeichen zu haben.

Dabei blieb es im Großen und Ganzen bis heute, gemäß dem Motto: Wo es nichts zu verbessern gibt, verbessert man auch nichts. Diesen Grundsatz befolgt Alfa Romeo seit fast einem Jahrhundert. Im Unterschied zu vielen anderen Autobauern hat sich dessen Emblem nicht viel verändert.

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Das Schicksal vieler Logos ist, dass sie nicht richtig wahrgenommen werden. Wer sich die Mühe macht und das runde Emblem von Alfa Romeo genauer betrachtet, dürfte womöglich überrascht sein. Auf der rechten Seite befindet sich eine grüne Schlange, die etwas zu fressen scheint.

Was sie gerade verspeist, wird eher bei den älteren Logos deutlich. Die grüne Drachenschlange, die auf den Namen „Il Biscione“ hört, verschlingt einen Menschen beziehungsweise ein Kind. Da stellt sich gleich die Frage: Wie um Himmels willen kommt ein Autobauer bloß dazu, solch ein martialisches Logo zu verwenden?

Ein buntes Potpourri

Zurück an den Anfang, als Romano Cattaneo auf seine Tram der Linie 14 wartete: Dabei sah Romano zum Torre del Filarete, einen Turm am Castello Sforzesco. Sein Blick fiel auf den Biscione dei Visconti, auf die Schlange im Wappen des im Mittelalter über Mailand herrschenden Adelsgeschlechts. Die Visconti waren eine mächtige Familie, die im Handel, in der Politik und auch in der Kirche großen Einfluss hatte.

Seit dem Jahr 1111 ist die gefräßige Schlange ihr Wappentier. Romanos Vorschlag, es für das Alfa-Markenzeichen zu verwenden, fand Anklang. Schließlich stehen die Viscontis für Unternehmertum und Macht, Eigenschaften, die man als junger Autohersteller auch gut gebrauchen kann. Eine gewickelte Schlange als Emblem ist übrigens gar nicht so ungewöhnlich; man denke nur an das Symbol der Apotheker und Ärzte.

Aber irgendetwas fehlte den Verantwortlichen bei Alfa noch. Sie entschieden sich, auch noch das Stadtwappen von Mailand zu nutzen, um die enge Verbundenheit zur Heimat zu verdeutlichen. Auf der linken Seite des Alfa-Logos befindet sich ein rotes Kreuz auf weißem Untergrund.

Auch das Stadtwappen kommt nicht von ungefähr: Die zwei Farben tauchen in der italienischen Geschichtsschreibung erstmals im Jahr 1045 auf. Das Rot symbolisiert die lombardischen Bauern und Bürger, das Weiß steht für den mailändischen Adel. Die beiden Gruppen hatten sich in der Vergangenheit erbittert bekämpft. Der Friedensschluss wurde durch die vereinten beiden Farben symbolisiert.

Das rote Kreuz wurde bei den Kreuzzügen im Mittelalter verwendet. Fußballfans dürfte es ebenfalls bekannt sein – vom AC Mailand her. Auf dem blauen Rand integrieren die Grafiker zudem noch zwei Knoten aus dem Wappen des Hauses Savoyen, als Zeichen des Respekts vor dem italienischen Königshaus.

Wer ist dieser Romeo?

Großartig verändert hat sich das Logo im Laufe der Zeit nicht. Die stärkste – kurzfristige – Änderung hat das Emblem 1945 nach dem Krieg erfahren. Da verschwanden die Knoten aus dem Wappen des Hauses Savoyen und die Gestaltung wurde insgesamt sehr vereinfacht. Doch schon 1950 besannen sich die Italiener wieder auf ihre traditionelle Farbgebung. 1972 flog der untere Schriftzug „Milano“ aus dem Logo. Der Grund: In diesem Jahr eröffnete Alfa Romeo einen weiteren Produktionsstandort in Pomigliano d‘Arco. Anfang der Achtziger verschwand der 1925 zu Ehren des ersten Grand-Prix-Weltmeistertitels für Alfa Romeo eingeführte Lorbeerkranz.

Wer sich schon immer gefragt hat, ob Romeo etwas mit Shakespeares berühmter Tragödie zu tun hat, hier die Erklärung. Am Anfang war A.L.F.A. ganz auf sich allein gestellt. „Romeo“ kam erst später dazu. Die „Anonima Lombarda Fabbrica Automobili“, zu Deutsch „Lombardische Automobilfabrik Gesellschaft“, wurde am 24. Juni 1910 in Portello, einem Mailänder Bezirk, gegründet. Als ein paar Jahre später der neapolitanische Unternehmer Nicola Romeo das Zepter übernahm, ergänzte er A.L.F.A. um seinen Nachnamen.

Viele Besitzer lieben ihren Alfa Romeo so innig, dass es dafür sogar einen eigenen Begriff gibt – etwas Besseres konnte dem italienischen Hersteller aus Marketingsicht nicht passieren. Sie nennen sich stolz „Alfisti“ (Plural von Alfista). Ein Must-have ist ein Kennzeichen mit der Buchstabenkombination „AR“. Auch ins Kino haben es die Alfas geschafft. Sogar ein Haudegen wie James Bond („Octopussy“) schüttelte mit einem Alfa seine Verfolger ab, um ein anderes Mal von zwei Alfas gejagt zu werden („Ein Quantum Trost“).

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